Europa knacken: Die Mission Cloud

18. April 2013 von Andreas Schmitz 0

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Angela Mazza war schon seit zwei Wochen nicht mehr zu Hause. Das Forum für Personalmanagement ist nur eine Zwischenstation auf dem Weg der in der Schweiz lebenden Italienerin, die Cloud ganz groß werden zu lassen, vorrangig in Sachen Human Resources. Mazza, nach Zwischenstationen bei J. D. Edwards und Peoplesoft seit knapp 10 Jahren bei SAP, verantwortet als „Global Vice President“ seit Anfang des Jahres das weltweite Cloud-Geschäft des Walldorfer Konzerns. Ihr Zuhause ist unterwegs.

“Die Vorbehalte gegen die Cloud im HR-Bereich sind zum einen kulturell bedingt, haben zum anderen aber auch mit den gesetzlichen Bestimmungen in den einzelnen Ländern zu tun. So werden Arbeitnehmerschutzrechte und Datenschutzbestimmungen unterschiedlich gehandhabt. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, bietet SAP Datenzentren in Europa an”, sagt SAP-Managerin Angela Mazza.

Wie der Markt sich entwickelt

Wofür die HR-Tools gut sind

Warum Europa ins Zentrum der Bemühungen rückt

Was SAP selbst tut

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Foto: Privat

SAP.info: Frau Mazza, SAP hat sich gemeinsam mit SuccessFactors in den HR-Cloud-Markt geschoben. Kam die Entscheidung rechtzeitig?

Angela Mazza: Für uns war es wichtig, einen deutlichen Schritt in Richtung Cloud zu machen. SAP ist Marktführer für On-Premise-Lösungen im HR-Umfeld. Studien von Gartner bestätigen, dass das Thema Cloud zunehmend an Bedeutung gewinnt: Bis 2015 sollen 75 Prozent der Neuumsätze bei HR-Kunden Cloud-Anwendungen sein – vor allem im Bereich Talent Management. Der Erfolg von Nischenanbietern im Cloud-Bereich zeigt, dass sich der Markt aktuell wandelt. Die SAP strebt an, wie im Bereich der On-Premise-Lösungen, Marktführer für Cloud-Lösungen zu werden.

Was leistet Talent Management?

Talent-Management bedeutet, überdurchschnittlichen Fähigkeiten von Mitarbeitern und Bewerbern zu erkennen und zu fördern. Ihre Fähigkeiten zu erfassen und idealen Aufgaben zuzuordnen, ist der Mehrwert des Talent Managements. Wir wollen den richtigen Mitarbeiter zum richtigen Zeitpunkt an Bord holen. Zusätzlich hilft das Talent Management, die qualitative und quantitative Weiterentwicklung der Mitarbeiter im Einklang mit der Unternehmensgesamtstrategie zu planen.

Bei einem Kollegen, der über 60 Jahre ist, denkt man häufig daran, dass er bald in Ruhestand geht. Und das spricht sich auf dem Flur schnell rum. Ist da IT überhaupt nötig?

Bei IT-basiertem Talent-Management werden die besonderen Fähigkeiten in den Vordergrund gestellt. Merkmale wie Alter oder Geschlecht rücken in den Hintergrund.

So wird bei Mitarbeitern, die altersbedingt die Firma verlassen werden, ihre Leistungsfähigkeit bis zum Austritt gefördert und genutzt. Talent Management unterstützt Führungskräfte bei der Zusammenstellung von Teams mit verschiedensten Altersgruppen, unterschiedlichen Erfahrungen und Fähigkeiten – immer optimal für die entsprechende Aufgabe abgestimmt. Solche anspruchsvollen Prozesse sind in der heutigen Geschwindigkeit nur noch IT-gestützt zu bewältigen. Gerade Cloud-Lösungen mit ihrer hohen Flexibilität und kurzen Implementierungszeit bieten einen enormen Vorteil. In einer globalen Welt, in der viele Teams virtuell agieren, ist Talent-Management ohne effiziente IT-Unterstützung kaum noch möglich.

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Der Bewerbungsprozess in großen Konzernen ist in der Regel eine Tortur. Die Daten müssen nach klaren Vorgaben in verschiedenen Formularen bzw. Systemen erfasst werden. Das hat mit Einfachheit nicht viel zu tun. Für hoch qualifizierte Bewerber, die mit einfachen Internetanwendungen aufgewachsen sind, bricht hier oft eine Welt zusammen… …

Die junge Generation ist gewohnt, verschiedenste Prozesse einfach und schnell am PC oder über ein mobiles Endgerät unkompliziert zu nutzen. Dies ist eine Entwicklung, die nach modernen Rekrutierungstools verlangt.

Und wie sieht das dann für den Nutzer aus?

Interessierte Bewerber/innen können sich über das Bewerbungsportal online registrieren. Mit allgemeinen sowie stellenspezifischen Filtern werden dann der Kandidat und die jeweilige passende Aufgaben zusammengeführt. Diese Informationen helfen der Personalabteilung eine Vorselektion zu machen und weitere passende Stellen vorzuschlagen. Auf diese Weise verschmelzen Rekrutierungstool und Talent Management.

Wie läuft das mit den Tools? Wie erleichtern sie die Arbeit?

Nehmen wir als Beispiel Mitarbeiterbeurteilungen: Der Vorgesetzte beurteilt die Leistung seines Teams. Die einzelnen Bewertungen sind im Online-Portal für andere berechtigte Führungskräfte dann direkt oder nach Genehmigung einsehbar. Ist eine Stelle zu besetzen, kann der Manager eine Vorauswahl treffen und besonders geeignete Mitarbeiter mit passenden Fähigkeiten vorselektieren.

Gleichermaßen unterstützen Tools die Entwicklung bzw. Weiterbildung von Mitarbeitern. Unternehmen erstellen regelmäßig sogenannte Potentialbeurteilungen. Wo stehen die Mitarbeiter, was sind ihre besonderen Fähigkeiten und welche nächsten Entwicklungsschritte kommen in Frage? Wie kann der Mitarbeiter gefördert und optimal eingesetzt werden? Ist ein Auslandeinsatz möglich? Solche Informationen werden in den Tools abgebildet und helfen somit, den Prozess und die Umsetzung von Entwicklungsmöglichkeiten wesentlich zu erleichtern.
Erkannte der Vorgesetzte in einem Mitarbeitergespräch, dass ein Teammitglied ein Kommunikationstraining absolvieren sollte, dann erstellt das System automatisch Vorschläge für Kurse, die auf die Bedürfnisse und Vorkenntnisse des Mitarbeiters zugeschnitten sind. Diese IT-unterstützten Prozesse garantieren die Wettbewerbsfähigkeit für erfolgreiche Firmen – nicht nur für Großkonzerne.

Es gibt Studien, die belegen, dass gerade einmal jedes zehnte Unternehmen über die Cloud im HR-Bereich nachdenkt. Was ist das Problem?

Die Vorbehalte sind abhängig von der jeweiligen Region. Der nordamerikanische Markt ist im Bereich der Cloud-Anwendungen sehr fortgeschritten. Andere Regionen stehen dem Thema Cloud eher kritisch gegenüber. Das ist zum einen kulturell bedingt, hat zum anderen aber auch mit den gesetzlichen Bestimmungen in den einzelnen Ländern zu tun. So werden Arbeitnehmerschutzrechte und Datenschutzbestimmungen unterschiedlich gehandhabt. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, bietet SAP Datenzentren in Europa an.

Damit kommen Sie den Compliance-Richtlinien in europäischen Ländern entgegen …

Genau, damit legen wir die Grundlage, um auch in Europa stark zu wachsen.

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Was macht Sie so sicher, dass der Cloud-Markt auch in Europa derart stark wachsen wird?

Cloud-Anwendungen können sehr schnell eingeführt und genutzt werden. Firmen stehen im Bereich der Talent-Akquirierung massiv unter Druck. Viele Firmen in unterschiedlichsten Regionen verfügen über keine IT-unterstützten Prozesse. Geeignete Talente müssen heute schnell identifiziert werden, um dem Tempo des Marktes zu folgen. Dies ist ohne IT-gesteuerte Prozesse schlicht nicht mehr möglich.

Wer sind die wichtigsten Konkurrenten für Sie?

Es gibt durchaus interessante kleinere Cloud-Mitbewerber am Markt. SuccessFactors, als Marktführer im Talent Management-Bereich, ist einer der stärksten. Mit der Übernahme von SuccessFactors ist die SAP ihren Mitbewerbern einen großen Schritt voraus.

Besonders Mittelständler nutzen Cloud-Lösungen …

Das kann man so pauschal nicht sagen. Es gibt auch viele Beispiele von Großunternehmen auf dem US-amerikanischen sowie dem europäischen Markt, die Cloud-Lösungen implementiert haben.

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Wie geht SAP selbst mit dem Thema um?

SAP setzt z.B. die Cloud-Anwendungen Talent Management selbst ein. Natürlich sind auch wir dem Wettbewerb ausgesetzt und bewahren unsere Stellung als Marktführer mit dem Einsatz von hocheffizienten, IT-gestützten Prozess-Systemen.

Wie genervt sind die Nutzer von SAP gerade. Jede neue Software bedingt ja auch eine gewisse Leidensfähigkeit …

Neue Software bringt immer Innovation und Fortschritt. Diese wiegen den Aufwand des neu Erlernens für SAP-Nutzer bei Weitem auf.

Sie sind seit vier Jahren für den globalen Verkauf der Personalmanagementsoftware bei SAP zuständig und nun auch für die globale Cloud-Palette. Hat die Akquise von SuccessFactors ein besonderes Momentum gebracht?

Der On-Premise Marktführer SAP hat sich mit dem Marktführer im Cloud-Talent-Bereich zusammengetan. Natürlich entsteht dadurch ein gewaltiges Momentum.

Wir sind heute in der Lage, die HR-Prozesse für unsere Kunden passend zu ihrer HR- und IT-Strategieabzustimmen; On-Premise, in der Cloud oder als Mischform (Hybrid)

Führende Analysten bestätigen, dass wir unseren Vorsprung zu unseren Mitbewerbern dank der Akquise weiter ausgebaut haben. Wir sehen uns bestens gerüstet für die Zukunft und die Mission Cloud.

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