Exakte Dosierung für beste Gesundheit

Feature | 7. März 2007 von admin 0

Klinikum Jena

Klinikum Jena

Das Universitätsklinikum Jena ist eines der modernsten Krankenhäuser in Deutschland. Zur Geschäftsstrategie der Klinik gehört, auf Grundlage einer einheitlichen IT-Landschaft auf SAP-Basis sämtliche Prozesse von der Patientenverwaltung mit Diagnostik und Therapie über die Personalverwaltung, Einkauf, Materialwirtschaft bis zum Rechnungswesen zu miteinander zu verknüpfen und durchgängig abzubilden.

Mehr Behandlungsqualität durch innovative Lösungen

Als betriebswirtschaftliche Kernlösung setzt das Krankenhaus auf SAP R/3 Enterprise in Verbindung mit dem Krankenhaus-Informationssystem SAP for Healthcare und der Plattform SAP NetWeaver. Dabei entwickelt das Klinikum stets neue und innovative Lösungsansätze, um die Behandlungsqualität der Patienten im Rahmen eines umfassenden Qualitätsmanagements kontinuierlich zu verbessern.
Um die Medikationssicherheit für Patienten zu erhöhen, hat das Klinikum als eines der ersten die Arzneimittelversorgung seiner Patienten auf individuelle Dosierungen, so genannte Unit-Dose-Forms umgestellt. Untersuchungen aus den USA zeigen, dass bei rund jedem fünften Patienten die verabreichten Medikationsdosen im Krankenhaus in irgendeiner Art und Weise fehlerhaft sind. Neben den eventuelllen schwerwiegenden Gesundheitsschäden sind Medikationsfehler ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor. Laut einer spanischen Untersuchung betragen die Kosten für ausgleichende Behandlungen etwa 3.000 Euro pro Patient. Nach einer Studie des US National Institute of Health aus dem Jahr 2006 sollen es sogar 8.000 US-Dollar sein.

Medikamente funken die richtige Dosierung

„Unser Ziel muss deshalb sein, den Transport der Arzneimittel von der Klinikapotheke bis zur Ausgabe an die Patienten elektronisch lückenlos zu überwachen und zu dokumentieren“, verdeutlicht PD Dr. Michael Hartmann, Direktor der Apotheke am Uniklinikum Jena und Mitglied im Expertenrats des Europarats für Arzneimittelsicherheit. Aus Sicht der Klinik war diese Aufgabe am besten mit einem RFID-gestützten Szenario auf Grundlage der RFID-Anwendung SAP Auto-ID Infrastructure, einer Komponente von SAP NetWeaver, zu bewältigen. Die entsprechende Hardware-Infrastruktur aus RFID-Etiketten sowie Lese- und Empfangsgeräten wird von Intel Solution Services aufbauen.
Mit der Lösung lassen sich alle Daten die aus Funketiketten ausgelesen werden nahtlos in das ERP-Backend und das Krankenhaus-Informationssystem integrieren. Darüber hinaus ist die Anwendung skalierbar. Das erlaubte es der Uniklinik Jena, mit einem Projekt für zunächst 89 Pflegebetten in der Intensivmedizin – der Härtetest – beginnen. Den umfassenden RFID-Einsatz will das Krankenhaus perspektivisch langfristig und sukzessive entwickeln.

RFID-Daten mit Geschäftsprozessen verknüpft

Im Vorfeld der RFID-Einführung identifizierte das Klinikum drei Kernprozesse im Rahmen der Medikamentenversorgung und fasste diese mit Hilfe der RFID-Lösung von SAP zu einem durchgängigen Ablauf zusammen: Die Medikationssicherheit, die Rückverfolgung von Behältern und Arzneimittelverpackungen für die Intensivstation und die digitale Zuordnung der Medikamente zum jeweiligen Patienten.
Technisch gesehen empfängt, verarbeitet und speichert die SAP Auto-ID Infrastructure dabei die elektronischen Daten der Lesegeräte. Sie werden anschließend in ein lesbares Datenformat übertragen und an SAP NetWeaver Exchange Infrastructrue übergeben. Die Komponente fungiert als zentrale Datendrehscheibe, steuert den direkten Informationsaustausch zwischen den RFID-Etiketten, der ERP-Lösung und dem Krankenhaus-Informationssystem und verknüpft auf diese Weise die eingelesenen Daten direkt mit den Geschäftsprozessen.
In der Praxis schafft das einen durchgängigen mittels Software gesicherten Prozess vom Verschreiben eines Medikamentes bis zur Einnahme – inklusive automatischer Dokumentation, Beratung und Bestellung. Hat der zuständige Arzt in der elektronischen Patientenakte die Medikamente, die der Patient benötigt, verordnet, wird aus dieser Akte heraus die Bestellung in der Apotheke generiert. Diese prüft und verifiziert ein Apotheker. Danach kommissioniert die Apotheke die Medikamente individuell für den einzelnen Patienten. Alle Medikamente werden mit einem RFID-Etikett gekennzeichnet und erst dann zur Station geliefert.

Intelligente Armbänder

Die Patienten auf der Station wiederum tragen RFID-Armbänder mit einer Referenzcodierung. Bei der Medikamentenvergabe lesen Pflegekräfte die Codierungen mittels Handscannern aus und überprüfen somit, ob ein Patient die richtigen Medikamente in der korrekten Dosierung und zum vorgesehenen Zeitpunkt erhält. Die genauen Daten über Medikamentenart, -dosierung und Verabreichungszeitpunkte werden automatisch aus der elektronischen Patientenakte des Krankenhauses abgerufen und auf dem Lesegerät angezeigt. Nach Vergabe wird der Vorgang abschließend in der Patientenakte dokumentiert – im Fachjargon heißt dies Point of care verification. „Auf diese Weise versuchen wir; das Risiko einer Fehlmedikation zu reduzieren und somit die Behandlungsqualität zu steigern“, verdeutlicht Hartmann.

Deckungsbeiträge exakt kalkulieren

Mithilfe der RFID-Lösung lassen sich alle Medikamente, die ein Patient während des Klinikaufenthaltes verbraucht, auch direkt in den betriebswirtschaftlichen Systemen verbuchen und Medikationskosten fallbezogen ermitteln. Das trägt zu einer zuverlässigen und detaillierten Kostenträgerrechnung bei und ermöglicht eine genaue Kalkulation von Deckungsbeiträgen. „Seit Einführung eines einheitlichen Vergütungssystems auf Grundlage der so genannten Diagnosis Related Groups ist die Ermittlung betriebswirtschaftlicher Kennzahlen ein wichtiger Wettbewerbsfaktor für Krankenhäuser“, weiß Dr. Peter Langkafel, Projektleiter und Principal Business Consultant bei SAP.
„RFID-Technologie bringt den Krankenhäusern hierbei einen betriebswirtschaftlichen Nutzen verbunden mit der Erhöhung der Behandlungsqualität“, erläutert Langkafel. Die Perspektiven des RFID-Einsatzes sind vielfältig: Bei allen Operationen, gleich ob am Blinddarm, für ein Hüftimplantat oder einer Nierensteinzertrümmerungen, lassen sich die effektiven Kosten für verbrauchte OP-Materialien oder Zeiten für Gerätenutzung unmittelbar und genau ermitteln. Ferner reduzieren Funkchips, die auf medizinischen Apparaturen wie Defibrillatoren oder Krankenhauseigentum wie Betten und Tragen angebracht sind, das Risiko von Diebstählen und verringern so die Kosten für die Wiederbeschaffung von Material.
Auch deshalb prognostizieren Marktforscher wie das Research- und Beratungsunternehmen IDtechex für die nächsten Jahre im Gesundheitswesen einen starken Anstieg an Investitionen in RFID. Bis 2016 sollen die Ausgaben von derzeit 90 Millionen US-Dollar auf 2,1 Milliarden US-Dollar steigen.

Medizinische Expertise ausbauen

Entscheidend beschleunigt wird der Einsatz von RFID im Gesundheitswesen nach Ansicht von Dr. Peter Langkafel durch die Ausrichtung der Krankenhäuser auf wirtschaftliche Parameter wie einem verbesserten Qualitätsmanagement.
Hier geht die Uniklinik Jena mit gutem Beispiel voran. Mit der RFID-Technologie will das Klinikum künftig seine medizinische Expertise weiter vorantreiben. Die elektronische Dokumentation der verabreichten Arzneimittel ermöglicht es nämlich auch, noch nicht bekannte Unverträglichkeiten bestimmter Medikamente zu entdecken und alternative Medikationen rasch zu entwickeln.

Dr. Andreas Schaffry

Dr. Andreas Schaffry

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