Facebook fürs Business werden

25. Juli 2012 von Andreas Schmitz 0

 

Weniger als fünf Prozent vom Umsatz mache das Cloud-Geschäft der SAP aus, bemerkt vor etwas mehr als einem halben Jahr Gartner-Analyst Thomas Otter. Inzwischen ist SAP zwar endgültig den Nimbus los, ein organisch wachsendes Unternehmen zu sein, doch mit dem frisch akquirierten Unternehmen SuccessFactors und der angekündigten Übernahme von Ariba erschließt SAP nicht nur neue Kundenstämme. Die Walldorfer sind nun ein ernstzunehmender Player im Cloud-Geschäft, bestätigen auch Analysten. Auch die aktuellen Zahlen zeigen das: Der Cloud-Anteil beläuft sich aktuell auf immerhin 6,5 Prozent, so die Zahlen des zweiten Quartals, in dem SAP 69 Millionen Euro mit Cloud-Software umgesetzt hat. Die Tendenz ist also steigend.

Über interne Unternehmensnetze hinaus gehen

Die Hoffnung liegt darauf, auch Konzernen und Großunternehmen ERP-Lösungen anbieten zu können und zumindest in einzelnen Abteilungen oder Aufgabenbereichen mit Lösungen punkten zu können. Derzeit bestimmen (noch) Lösungen wie SAP Business One und SAP Business By Design oder Dynamics NAV von Wettbewerber Microsoft das Thema ERP in der Cloud, von Konzern-ERP-Lösungen in der Cloud ist noch nichts zu sehen. Doch das soll sich ändern. Nach Aussage eines der Vordenker auf SAP-Seite, Sven Denecken, fußen die künftigen Aktivitäten des Walldorfer Konzerns maßgeblich auf den Kernbereichen Kunden, Mitarbeiter, Finanzen sowie Lieferanten. Mit dem auf Human Capital Management (HCM)-Lösungen spezialisierten Unternehmen SuccessFactors erschließt sich SAP gerade etwa 17.000 Cloud-Kunden und investiert in den Mitarbeiterbereich. Mit Ariba steht die Lieferantenkette – der Bereich Supply – im Vordergrund, letztlich also die Möglichkeit, nicht nur die Beziehungen aus internen Unternehmensnetzen „spielen“ lassen zu können, sondern auch die externen – per Cloud.

Der Grund für die Aktivitäten liegen auf der Hand: In einer Online-Umfrage von TNS Infratest unter mehr als 600 Befragten größerer Unternehmen in den USA, Großbritannien, Deutschland und Brasilien gab jedes fünfte Unternehmen an, die Hälfte des IT-Budgets innerhalb der nächsten anderthalb Jahre in Cloud-Lösungen zu stecken.  Vier von fünf der Befragten halten Cloud Computing zumindest für wichtig für das eigene Geschäft. Nach einer Befragung von Saugatuck im Februar diesen Jahres gehen drei von vier investierte Euros für neue IT-Lösungen in Cloud- oder Hybridlösungen. Da fungieren die immer wieder genannten und auch durch TNS Infratest bestätigten Bedenken „Ungenügende Datensicherheit“ (44 Prozent), Compliance-Fragen (38 Prozent) und „Risiko, die Kontrolle zu verlieren“ (38 Prozent) allenfalls als leises Grundrauschen in einer nicht aufzuhaltenden Entwicklung.

Drei Meilensteine kennzeichnen nach Aussage des als „Vice President Cloud Strategy and Head of Co-Innovation“ für Cloud-Entwicklungen und technische Neuerungen mitverantwortliche Denecken die künftige Entwicklung:

1. Unternehmen ergänzen bestehende Lösungen durch einzelne Cloud-Services.
Beispiel Reisekostenabrechnung. Ein mobiles Gerät – egal ob iPad oder Blackberry – ist direkt mit der Kreditkarte und dem Terminkalender verbunden. Eine schnell abfotografierte Taxirechnung oder ein Bahnticket liegen sofort elektronisch vor, so dass sich gar nicht erst ein Stapel von Rechnungen anhäuft. Im Idealfall sind bereits bei der Ankunft im Unternehmen die Autorisierungsschleifen für die Überweisung der vorgestreckten Rechnungen gemacht. Wichtigster Punkt in diesem Prozess für SAP-Mann Denecken: „Die reinen Cloud-Lösungen interessieren sich oft nicht für das Integrieren. Bei SAP sehen wir das anders: Hybride Lösungen sind hoch im Kurs“. Nächstes Beispiel: Der strategische Einkauf setzt auf „Sourcing on demand“. Die Bestellung kommt aus dem ERP-System heraus, die Cloud kommt ins Spiel, wenn es darum geht, mit Hilfe einer Auktion den besten Preis eines Lieferanten zu finden und den Einkauf abzuschließen. Nicht zuletzt nutzen Großunternehmen Mittelstandslösungen in ihren Niederlassungen ein, etwa By Design, „um ihre Bücher schneller schließen zu können“, wie Denecken meint und nennt Lufthansa Revenue Services, BP (British Petroleum) und TUI als Kunden.  Ein weiteres Beispiel liefert das Talent Management, ein Plus aus der SuccessFactors-Akquise. „Mitarbeiter können sich über das Erreichen der Ziele und Qualifikationen austauschen, die Prozesse sind mit den HR-Systemen direkt verknüpft, über das sich die Entlohnung und Boni steuern lassen“. Das System ist für den Anwender gebaut, wie Denecken beton. „Mobile first“ ins Denken hinein zu befördern ist eines der Kernziele, die SAP derzeit verfolgt und das SucessFactors mit seinen Lösungen schon ein Stück weit umsetzt.

2. Einzelne Unternehmensbereiche in die Cloud bringen.
Die gesamte Abrechnung oder die Personalverwaltung als Cloud-Anwendung, die Finanzen aber weiterhin on premise: Das ist eine der denkbaren Möglichkeiten. Hybride Lösungen – also ein Mix aus on-premise- und  Cloud-Lösungen – machen nach der Untersuchung von TNS Infratest aktuell knapp zwei Drittel der Unternehmen aus, die künftig in die Cloud Zeit und Geld investieren möchten. „Einmal anmelden – hybrid unterwegs sein“, lautet deshalb auch das Motto der SAP. Dabei ist es egal, ob Services anderer Dienstleister über Cloud-Integratoren wie IBM Cast Iron oder Dell Boomi hinzugenommen werden sollen. „Der Kunde entscheidet, ob er eine SAP-Lösung will oder eine andere über Cloud hinzuschaltet“, erläutert Denecken, der schon bald Cloud-Lösungen für die Bereiche Finanzen und Supplier anbieten will.
3. Optimieren und Effizienz steigern durch das Business Web.
Ziel wird es sein, die Beziehungen von Unternehmen im Web zu nutzen. „Besonders kleine und mittelständische Unternehmen haben in vielen IT-Prozessen nicht genug Kapazitäten. Entsprechendes Know-how vorzuhalten ist schwierig“, erläutert Denecken, „sie haben aber die Chance, ihre Innovationen hier einzubringen und ins Netzwerk zu geben“. Das „Facebook für das Business“, wie Denecken das  nennt, könnte also eines Tages ein wichtiger Impulsgeber für Großunternehmen und Konzerne werden. Das Online-Handelsnetzwerk von Ariba bündelt schon heute eine enorme Einkaufskraft. 12 Trillionen US-Dollar gehen auf die Top 2000 Unternehmen des Netzwerks zurück – ein enormer Markt, von dessen Kontakten SAP profitieren will. „Letztlich sind nicht mehr die Unternehmensnetzwerke, sondern mehr die ‚LinkedIns‘, Businessnetze, die von den Unternehmen genutzt werden sollten“, ist SAP-Cloud-Mann Denecken überzeugt.

Was auch immer für Lösungen bei SAP und auch den Wettbewerbern im Mittelpunkt stehen: Die Trendthemen sind mit Cloud, Mobile, Analytics, Big Data gesetzt. „Das katalytische Momentum liefert die Cloud“, ist Denecken überzeugt.  „Mobile first“ entwickelt, ständig den Endanwender im Kopf und als Komplettservice geliefert: Das funktioniert – glaubt man dem Strategen von SAP – nur mit der Cloud.

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