Fender harmonisiert mit SAP

Feature | 13. Oktober 2003 von admin 0

Von Jimi Hendrix bis Sheryl Crow – seit fast 60 Jahren haben Rockmusiker ihr Publikum mit Gitarren der Fender Musical Instruments Corp. (FMIC) elektrisiert. Das 1946 von Leo Fender gegründete Unternehmen wurde zu einer geliebten amerikanischen Ikone. Heute zählt Fender die weltweit größten Musiker aller Genres zu seinen treuen Kunden, von Rock über Jazz und Blues bis hin zu Country.
Fender beschritt mit der Broadcaster, der ersten E-Gitarre überhaupt, neue Wege. Daraus entstanden die berühmte Solid-Body-Telecaster sowie eine komplette Produktlinie mit Gitarren, Verstärkern, elektrischen Bässen, Mandolinen, Geigen und Musikzubehör. Mit Produkten, die sich durch eine innovative Form und Funktion auszeichnen, ist das Unternehmen ein Trendsetter und unangefochten der führende Hersteller von E-Gitarren weltweit. Fender hat seinen Hauptsitz in Scottsdale, Arizona, und besitzt drei Produktionsstätten, zwei Custom-Design-Shops, in denen nach individuellen Vorgaben gefertigt wird, und Niederlassungen in neun Ländern.

Die Stratocaster von Eric Clapton

Die Stratocaster von Eric Clapton

Zum hochwertigen Produktangebot von FMIC gehören die Stratocaster-Gitarre, die Jag-Stang, die Muddy-Waters-Telecaster-Gitarre, der Verstärker Acoustasonic SFX II sowie Saiten, Teile, Koffer und sogar Sportbekleidung. FMIC stellt außerdem maßgeschneiderte, handgefertigte Gitarren her, deren Bünde und Holzarbeiten genauen, individuellen Spezifikationen entsprechen. Die Custom-Shops von Fender in Corona, Kalifornien, und Nashville, Tennessee, sind Paradiese für Musikfans; hier arbeiten erfahrene Instrumentenbauer in Produktionsstätten, die dem neuesten Stand der Technik entsprechen. Neben Produkten der Marke Fender ist FMIC berühmt für seine in Spanien gefertigten Akustikgitarren der Marke Manuel Rodriguez und die Instrumente der Marken Squier, Benedetto, SWR, Jackson, Charvel, Gretsch und Guild.

FMIC baut auf seine stolze Geschichte auf

Als ein Unternehmen echter Musikliebhaber rühmt sich FMIC, Instrumente herzustellen, die starke, unvergessliche Klänge erzeugen, unverkennbar genug für Eric Clapton, Tom Petty, Pete Townsend und John Mayer. Hendrix’ Gänsehaut erzeugende E-Gitarren-Version der US-Nationalhymne ist nur einer der klassischen Momente, in denen mit einer Fender-Gitarre Musikgeschichte geschrieben wurde. Ein weiterer kleiner historischer Moment ereignete sich im Juni 2003, als FMIC dem SAP-Mitbegründer Hasso Plattner seine eigene, speziell gefertigte Fender-Gitarre überreichte.

Fender-Gitarrre für SAP-Mitbegründer Hasso Plattner

Fender-Gitarrre für SAP-Mitbegründer Hasso Plattner

Denn diese Übergabe markierte den Beginn einer neuen Beziehung zwischen FMIC und SAP. Am 16. Juni kündigten die beiden Firmen an, dass FMIC im Rahmen eines allgemeinen Upgrades seiner Fertigungssysteme, Supply-Chain-Systeme sowie Kundenservice- und Finanzsysteme die mySAP Business Suite implementieren wird. Laut Patti Walker, Chief Information Officer von FMIC, erkannte das Unternehmen, dass die Zeit reif ist, um die 20 Jahre alten Legacy-Anwendungen zu ersetzen.
“Ich bin davon überzeugt, dass wir uns mit diesem Schritt von anderen Unternehmen in unserem Markt unterscheiden werden”, sagt Walker. Während der nächsten neun Monate wird ein Team, bestehend aus Mitarbeitern von FMIC und SAP Systems Integration (SAP SI) America, wichtige Geschäftsprozesse mit SAP-Lösungen konsolidieren und optimieren. Als wachsendes mittelständisches Unternehmen schließt sich FMIC den anderen 5.500 Firmen an, die bereits die speziell für den Mittelstand entwickelte ERP-Software (Enterprise Resource Planning) von SAP eingeführt haben.
Im Lauf seiner Geschichte hat FMIC eine Reihe von Akquisitionen getätigt, um seine Produktlinie zu verstärken und seine Fertigungs- und Distributionsmöglichkeiten zu erweitern. Indem Fender das Ziel erreichte, zum bevorzugten Full-Service-Gitarrenhersteller und -distributor sowohl für erfahrene Profis als auch für Hobbygitarristen zu werden, wuchsen Kundenbasis und globale Präsenz des Unternehmens.
Anfang 2003 betrieb der Weltmarktführer Fender Weltmarktführer allerdings einige nicht integrierte Computersysteme, da mit der Zeit an unterschiedlichen Standorten einzelne Benutzer und Bereiche hinzugekommen waren. Das neue SAP-System integriert und optimiert nun die unternehmensweiten Prozesse von FMIC.
“Bei der SAP-Integration geht es uns im Wesentlichen um Konsolidierung und Vereinfachung”, sagt Patti Walker. FMIC wird mySAP Customer Relationship Management (mySAP CRM), mySAP Supply Chain Management (mySAP SCM) und mySAP Financials installieren. Ihren Angaben zufolge soll das neue SAP-System ab dem 1. April 2004 produktiv sein.

SAP trifft mit hoher Qualität den richtigen Ton bei FMIC

Bevor sich FMIC für SAP entschied, schrieb das Unternehmen das Projekt drei Monate lang aus. An diesem strukturierten Auswahlprozess waren Vertreter aller FMIC-Geschäftsbereiche beteiligt. Kundenservice, Fertigung und andere zentrale Gruppen brachten ihre Sichtweise ein, um sicherzustellen, dass das Zusammenspiel der verschiedenen Geschäftsprozesse und nicht nur IT-Aspekte die Entscheidung für einen Anbieter bestimmte. “Wir haben einen Lenkungsausschuss und einen Funktionsausschuss eingerichtet, und das gesamte Unternehmen war am Prozess beteiligt”, erklärt Patti Walker.
FMIC orientierte sich an Daten des Marktforschungsunternehmens Gartner Inc., um die Bewerber auf die vier führenden Anbieter auf dem ERP-Markt einzugrenzen. Der Anbieter, für den man sich letztendlich entscheiden würde, sollte sechs Kriterien erfüllen:

  1. Das neue System musste ein einheitliches, vollständig integriertes ERP-System sein.
  2. Die Gesamtbetriebskosten mussten bezahlbar sein, nicht nur hinsichtlich der Anschaffungs- und Implementierungskosten, sondern auch in Bezug auf die Wartung.
  3. Das System sollte spezielle Anforderungen der Musikindustrie in den Prozessen der Fertigung, der Fakturierung und des Kundenservice abdecken.
  4. Wichtig war die Solvenz des Anbieters, um FMIC die Sicherheit zu geben, dass er auf künftige Serviceanforderungen reagieren und sich in einer langfristigen Beziehung engagieren würde.
  5. Die offene Architektur war ebenfalls ein Muss, um mit der Zeit bei Bedarf webbasierte Services, Partner oder Lieferanten integrieren zu können.
  6. Der Anbieter sollte zudem ein bewährtes internationales Unternehmen sein, das in der Lage ist, zahlreiche Währungen und Länder sowie eine globale Supply-Chain zu bewältigen.

Laut Walker erfüllte SAP diese Vorgaben und übertraf sie sogar; dabei schlug das Unternehmen PeopleSoft, J.D. Edwards und Oracle aus dem Feld. “Wir wurden von all diesen Firmen stark umworben. Jeder kannte den Namen ‚Fender’ und wollte mit dem attraktiven Produkt in Verbindung gebracht werden”, sagt Patti Walker.
In diesem Zusammenhang sei auch bemerkenswert, dass die anderen Anbieter im Verlauf der umfangreichen Ausschreibung niemals eventuell anstehende Fusionen erwähnten, ergänzt Walker. Sie sei daher überrascht gewesen, als mögliche Übernahmen – die von J.D. Edwards durch PeopleSoft und die von PeopleSoft durch Oracle – publik gemacht wurden. Sie habe Glück gehabt, als sie sich für SAP entschied.
“Eine Fusion erzeugt bei den betroffenen Unternehmen einen internen Aufruhr, der sich auf alles auswirkt, auf Produkte, Module, Technologien, Werkzeuge und Datenbanken ebenso wie auf Mitarbeiter und Organisationshierarchien. Bei SAP gibt es keine derartige Unruhe, so dass das Unternehmen seine Position an vorderster Front weiter ausbauen kann”, ist Patti Walker überzeugt.
Die offene Architektur der mySAP Business Suite und die webfähige NetWeaver-Integrationsschicht waren weitere ausschlaggebende Kriterien bei der IT-Entscheidung. “Dies gehörte zu den wichtigsten Erwägungen für mein Technologieteam und war mit entscheidend für unsere Wahl”, erklärt sie.
Endgültig überzeugt war sie, als sie erfuhr, dass 96 der weltweit 100 führenden Unternehmen der Konsumgüterindustrie SAP-Software einsetzen. SAP ist Weltmarktführer auf dem ERP-Markt; laut AMR Research wird für dieses Jahr ein Umsatz von mehr als 7,4 Milliarden Dollar erwartet. Die Führungsposition und die 30-jährige Geschichte von SAP trugen dazu bei, Walker und FMIC davon zu überzeugen, dass die Partnerschaft mit SAP den Erfordernissen der Zeit standhalten wird.
Patti Walker räumt ein, dass SAP das Geschäft zu Beginn fast entgangen wäre, da sie zunächst Schwierigkeiten hatte, eine Reaktion von SAP statt von einem SAP-Partner zu bekommen. Das Problem war gelöst, sobald sie einen direkten Kontakt zu SAP hergestellt hatte. “Der für uns zuständige Vertriebsbeauftragte, Kyle Garman, ist großartig. Er bringt die Dinge in Bewegung”, meint Walker.

Auf dem Weg zum Upgrade

Mit dem Fortschritt der SAP-Integration freut man sich bei FMIC auf ein komplett integriertes ERP-System, das alle Anforderungen abdeckt. “Wir werden eine vollständige Sicht auf die Unternehmensprozesse aller wichtigen Geschäftsbereiche haben”, sagt Patti Walker und weist auf einige spezielle Bereiche hin, in denen FMIC mit verbesserten Geschäftsprozessen rechnet. In der Fertigung wendet FMIC beispielsweise äußerst rigorose Qualitätsstandards an. Ein großer Teil des Geschäfts verlagert sich auf individuelle Aufträge, und das neue mySAP-SCM-System wird FMIC in die Lage versetzen, die Fertigung von Standardinstrumenten und individuell angefertigten Instrumenten einfacher zu bewältigen. Mit dem SAP-System lassen sich einzeln angefertigte Produkte genau verfolgen. Zudem erlaubt es, auf einfache Weise einen flexiblen Fertigungsplan zu realisieren und auf Schwankungen der täglichen Bedarfsmuster zu reagieren.
FMIC erwartet außerdem Verbesserungen in seinem bereits herausragenden Kundenservice. “Wir erwarten von unserem Kundenservice, branchenunabhängig der beste zu sein”, sagt Walker. Nun wird mySAP CRM dazu beitragen, die Benchmarks für einen qualitativ hochwertigen Service aufrechtzuerhalten, da Kunden- und Produktdaten für die Mitarbeiter im Kundenservice sofort zugänglich sind. Außerdem ermöglicht mySAP CRM den FMIC-Mitarbeitern einen schnellen Zugriff auf Daten zu Garantieleistungen, für die Suche nach Ersatzteilen und die Registrierung neuer Produkte.
Schließlich wird FMIC mit mySAP Financials die Umschlags- und Versandzeiten sowie sonstige relevante Kennzahlen genau nachvollziehen können. Das umfassende SAP-System bietet eine so genaue Funktionalität für die Budgetierung, Prognose und Bedarfsplanung, wie sie ein ERP-System nur bieten kann.
Etwa 25 Mitarbeiter von FMIC widmen nun 25 bis 30 Prozent ihrer Arbeitswoche der Integration, zum Team gehören auch etwa zehn Mitarbeiter von SAP SI. Der Produktivstart im Frühling 2004 ist aber nicht das Ende der IT-Innovation und Upgrades bei Fender. Laut Patti Walker wird FMIC wahrscheinlich ein Web-Portal einführen, um seinen Kunden den Online-Einkauf zu ermöglichen. FMIC bedient eine Reihe von kleinen Musikgeschäften ebenso wie große Fachmärkte für Musikinstrumente. Die Zukunftspläne von FMIC erfordern die Migration eines Teils der Aufträge auf eine einfache, webbasierte Plattform. Wenn es so weit ist, ermöglicht die mySAP Business Suite den reibungslosen Übergang, so dass sich FMIC weiterhin auf die Produktion seiner erstklassigen Instrumente konzentrieren kann.

SAP unterstützt das zukünftige Wachstum

SAP unterstützt das Wachstum der Kundenbasis von FMIC und seine Entwicklung von einem mittelständischen zu einem größeren Unternehmen. Die SAP-Lösungen werden die FMIC-Standorte in den USA, Mexiko, Großbritannien, Frankreich, Deutschland), Schweden, Belgien), Spanien und Japan sowie die FMIC-Fertigungspartner in Korea und China auch in Zukunft effizient und einfach miteinander verbinden und konsolidieren.
Die Integration der mySAP Business Suite ist nur ein weiterer Schritt, um die viel versprechende Zukunft des erfolgreichen Unternehmens zu sichern. “Wir sind führend auf unserem Markt”, sagt Patti Walker. “Und aufgrund der Qualität unserer Produkte sowie unserer reichen Geschichte werden wir das auch bleiben. Unserem Namen bringt man Vertrauen entgegen.”

Sarah Z. Sleeper

Sarah Z. Sleeper

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