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Finanz-Community: Eine Idee marktreif machen

Feature | 2. Februar 2016 von Andreas Schmitz 0

Nach dem Gewinn der SAP-Challenge auf dem Bankathon geht es für das Studententeam FIMtech nun darum, ihre Idee zusammen mit SAP marktreif zu machen. In der Evaluationsphase wird sich herausstellen, ob der virtuelle Anlageberater das Potenzial zur SAP-Lösung hat.

Robo-Advice heißt der Trend im Anlagengeschäft, der schon seit einiger Zeit von sich reden macht. Die Ansätze haben zum Ziel, den Anlageberater durch Computerprogramme zu ersetzen – so auch auf dem zweiten „Bankathon“, einem Treffen von jungen Programmierern, die ganz speziell Lösungen für den Finanzbereich entwickeln. Ähnlich wie auf den „Hackathons“, zu denen sich seit Jahren junge Programmierer treffen, kommt auf Bankathons die so genannte FINtech-Community zusammen, der Programmiernachwuchs aus dem Finanzbereich. Ihr Ziel ist es, innerhalb kürzester Zeit lauffähige Prototypen für Anwendungen im Finanzbereich zu entwickeln.

FIMtech: Erweiterter Robo-Advice ersetzt nicht die Finanzberater

Einer der Gewinner des zweiten Bankathons war das Studententeam FIMtech, das auf Basis der In-Memory-Plattform „Sentinel Cloud“, einer SAP HANA-basierten Plattform, einen solchen Robo-Advice entwickelte, der allerdings im Gegensatz zu bisher bekannten Ansätzen den Anlageberater nicht ersetzt. „Bis ins Detail ist diese Idee naturgemäß noch nicht durchdacht, deshalb werden wir zusammen mit FIMtech und Experten von uns und aus dem Bankensektor diese Idee im ersten Quartal 2016 evaluieren“, erläutert SAP-Bankenexperte Mirko Paul, der die SAP-Challenge als Juror mit an FIMtech vergeben hat. Die Kernaufgabe bei der SAP-Challenge bestand darin, Ideen dafür zu entwickeln, wie sich das Investment-Portfolio optimieren und vorhersagen lässt.

Hier nun kurz und kompakt der Weg von der Idee zum potenziellen Produkt von FIMtech:

1. Die Herausforderung

Wer Geld anlegen will, hat es nicht leicht. Der Einfachheit halber führt der Weg oft direkt zur Hausbank, die mehr oder minder gut berät oder zu einem der vielen unabhängigen Finanzberater. Wer auch immer: Er fragt nach dem „Wie viel“, nach „bisherigen Erfahrungen“, laufenden Fonds und einigen Fakten zur finanziellen Situation. Und immer kommt diese entscheidende Frage: Welche Aktien oder Fonds stellen Sie sich vor? Viele Kunden stellen sich diese Frage in diesem Moment zum ersten Mal.

2. Die Idee

Nicht „nur“ Aktienkurse dokumentieren, sondern Finanzportfolien bewerten, aktuelle Nachrichten einbeziehen und Trading-Vorschläge machen: Darin besteht laut Christopher Helm die besondere technische Innovation ihrer Online-Idee.

Nicht „nur“ Aktienkurse dokumentieren, sondern Finanzportfolien bewerten, aktuelle Nachrichten einbeziehen und Trading-Vorschläge machen: Darin besteht laut Christopher Helm die besondere technische Innovation ihrer Online-Idee.

„Die Finanzberatung von heute ist veraltet“, meint der Masterstudent der Uni Augsburg Christopher Helm aus dem Gewinnerteam FIMtech. Zeitgemäßer sei es, den Kunden bei der Vorauswahl von Aktien und Anlagen bereits online zu helfen, eine Vernetzung zwischen Kunde und Anlageberater zu ermöglichen und im nächsten Schritt eine professionelle Beratung auf Basis des Musterportfolios zu ermöglichen. „Wie bei einem Quartettspiel“, erläutert Helm, werden vier oder fünf Kriterien für Aktien in der Privatkunden-App „Cerandi“ angezeigt, anhand derer der Kunde seine Entscheidungen für sein Musterportfolio treffen kann. Dieses Portfolio lädt er anonymisiert in die Cloud hoch. Auf der Plattform Cerandi.com sind diese Portfolien für Finanzberater aus der Region einsehbar, die sich dann an die potenziellen Kunden wenden können. Der Berater bekommt durch die Plattform nicht nur Zugang zu Kunden, sondern auch zu neuen technischen Analysemöglichkeiten. Zuletzt treffen sich Kunde und Berater persönlich.

3. Die technische Lösung: In-Memory-Plattform „Sentinel Cloud“

FIMtech setzt auf die „Sentinel Cloud“, eine offene, über moderne Programmierschnittstellen (APIs) zugängliche, In-Memory-basierte Plattform speziell für Finanzfunktionen in der Cloud. „Dadurch ist es uns möglich, die aktuellen News zu analysieren, Warnmeldungen zu bestimmten Werten wie auch eigene Mails in die Analyse einfließen zu lassen“, so Helm. Der Berater kann auf Basis von SAP HANA die eigentliche Analyse des Musterportfolios vornehmen und neben den „Quartettangaben“ auch noch tiefer gehende Informationen etwa über die Volatilität oder die Durchschnittsperformance mit einbeziehen. „Während andere Technologien lediglich auf die Dokumentation von Aktienkursen abheben, ist die „Sentinel Cloud“ in der Lage, auch die Bewertung von Portfolien zu ermöglichen und sogar aktuelle Trading-Vorschläge zu machen“, erläutert Helm.

4. Die nächsten operativen Schritte

Noch ist es nicht viel mehr als eine konkretisierte preisgekrönte Idee mit einem plausibel klingenden technischen Ansatz. Deshalb beginnt nun die nächste Evolutionsstufe des potenziellen Produktes. So plant Helm zusammen mit seinen Kommilitonen zunächst einmal die Homepage so reif zu machen, dass sich Kunden und Berater darauf anmelden können und sich potenzielle Kunden und Sponsoren finden. „Wir werden als nächstes KPIs für die Berater definieren müssen sowie am User-Interface arbeiten“, erläutert Helm anstehende operative Schritte.

5. Die Verifizierung der Marktfähigkeit

Allerdings steht und fällt die Idee mit dem Geschäftsmodell: „Wir werden einen Fokus darauf legen, herauszufinden, ob das Geschäftsmodell solide und marktfähig ist“, erläutert Paul den bevorstehenden „ergebnisoffenen“ Realitätscheck. Deshalb plant der Bankspezialist von SAP bereits 2016 eine Reihe von Workshops, in denen Experten für Finanzprozesse die Idee spiegeln. Zudem wird das Geschäftsmodell von Cerandi anhand der „Business Model Development & Innovation“-Methode der SAP mit speziellem Fokus auf Markfähigkeit und Rentabilitätspotenzial verifiziert. Nach dem ersten Quartal wird fest stehen, ob das Geschäftsmodell weiterverfolgt wird oder als spannende Idee in die Geschichte des zweiten Bankathons eingehen wird.

6. Das Ziel von FIMtech

Christopher Helm und seine drei Kommilitonen des Studiengangs Finance and Information Management der Uni Augsburg, Uni Bayreuth und TU München glauben nach wie vor fest daran, dass das Geschäftsmodell letztlich tragfähig sein wird. Denn bereits für März 2016 planen sie, die Plattform bereits soweit entwickelt zu haben, dass sie online gehen kann und durch einen eingeschränkten Nutzerkreis validiert werden kann.

SAP-Manager Paul geht es darum, möglichst viele dieser „neuen und tatsächlich als lauffähige Softwareprototypen – flackernden – Ideen“ zu sehen. Und es liegt in der Natur der Sache, dass nicht alle Ansätze marktfähig sein können. Klar ist: Paul wird die Nähe zu den Kreativen weiter fördern und SAP wird sich auch weiter auf Hackathons engagieren. Dass SAP-Technologie in der FinTech-Community gut ankommt, hat der letzte Bankathon bewiesen: „Die Sentinal Cloud wurde von vier der sechs Gewinnerteams eingesetzt. Das zeigt uns, dass wir die richtige Technologie haben, die wir jungen Talenten aus der FinTech-Szene an die Hand geben können, um letztlich lukrative Produkte und Geschäftsmodelle auf den Weg zu bringen.“

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