Fit für liberalisierte Energiemärkte in Europa

Feature | 2. Juni 2009 von Katja Bachert und Susann Leder, SAP.info 0

Die Liberalisierung der globalen Energiemärkte eröffnet mit einem Schlag vielen Anbietern die Teilnahme an der Versorgungswirtschaft. Selbst Privathaushalten ist es mittlerweile möglich, ihren selbstgenerierten Strom (z.B. Solarpanels, Kraft-Wärme gekoppelte Anlagen) ins Netz einzuspeisen.

Diese Entwicklung von Oligopol– zu Polypolmärkten wird in Europa durch regionale Regulierungsbehörden überwacht und von einem engmaschigen Netz rechtlicher Bestimmungen eingerahmt.

Den Auflagen der Regulierungsbehörden gerecht werden

„Bisher dienten energiewirtschaftliche Software-Lösungen der Abrechnung der Energiemengen. Diese werden jedoch den wachsenden Anforderungen in liberalisierten Märkten sowie den strengen Auflagen der Regulierungsbehörden nicht mehr gerecht.

So sind heute die Kommunikation mit den Marktteilnehmern wie Stromlieferanten oder Netzbetreibern sowie das Energiedaten-Management von zentraler Bedeutung“, erklärt Clemens Schröder, Solution Manager im UCC bei SAP Custom Development.

SAP Custom Development

In den weltweiten Zentren entwickeln erfahrene Software-Architekten, Projektmanager und Entwickler kundenspezifische Software. Neben der maßgeschneiderten Software-Entwicklung umfasst das Portfolio auch Wartung und erprobte Projektlösungen (z.B.: ACS, Adaptable Custom Solutions).

Denn um eine lückenlose Versorgung der Endverbraucher zu gewährleisten, müssen alle Prozesse nahtlos ineinander greifen – von der Verteilerlogistik über die Kommunikation zwischen den Marktteilnehmern bis hin zum Reporting an die Regulierungsbehörde. Mit IDEX (Intercompany Data Exchange Extended), einer Erweiterung der Anwendung SAP Intercompany Data Exchange, erhalten die Versorger eine Software, die exakt auf diese neuen Anforderungen zugeschnitten ist.

Das UCC: Experten aus der Energiewirtschaft

Die SAP trägt diesen Herausforderungen mit dem UCC Rechnung: In der Einrichtung analysiert ein Expertenteam aus den verschiedenen Bereichen der Energiewirtschaft die Liberalisierung und Entstehung regionaler Gesetze. Ihr gebündeltes Branchen-Know-how sowie die Erfahrungen der Kunden fließen in die Entwicklung der IDEX-Lösungen ein.

In Deutschland sind bisher IDEX-GE (German Electricity) und IDEX-GG (German Gas) auf dem Markt. Aktuell wird eine Lösung für das liberalisierte Messwesen IDEX-GM (German Metering) entwickelt.

„Das UCC versucht, IDEX in den Energiemärkten als ‚Standard like solution’ zu platzieren. Das ist aber nur dann möglich, wenn sich im jeweiligen Markt ein Kundenkonsortium gründen lässt. IDEX-GE zum Beispiel wird mit dem Standard ausgeliefert und vergleichbar gepflegt und weiterentwickelt. Es kann aber auch eine individuelle Entwicklung mit spezifischen Vereinbarungen für einen Kunden geben. Alle Varianten dazwischen sind denkbar – und zum Teil gelebte Praxis“, so Schröder.

Insgesamt arbeiten etwa 120 Kunden produktiv mit den Lösungen des UCC. Hierzu zählen beispielsweise E.ON, das holländische Unternehmen Essent oder die Energie AG aus Österreich. Momentan sind 11 Europäische IDEX-Länderlösungen verfügbar, unter anderem für Spanien, die Schweiz und die Tschechische Republik.

Prozesse entlang der veränderten Anforderungen

Der Geschäftsbereich Versorgungswirtschaft (Industry Business Unit Utilities) ist für die Entwicklung der SAP-Lösungen für die Versorgungswirtschaft (SAP for Utilities) verantwortlich. Er entwickelt standardisierte Softwarelösungen für Energieversorger, auf denen die marktspezifischen IDEX-Lösungen des UCC basieren.

„IDEX-Lösungen sind spezifische Softwarelösungen für die europäischen Energiemärkte. Sie setzen auf den SAP-Branchenstandards auf und ermöglichen den Energieversorgern, Prozesse entlang der veränderten Anforderungen hinsichtlich Marktkommunikation, Logistik, Mess- und Berichtswesen einzuführen“, erklärt Schröder.

So unterstützt beispielsweise IDEX-GE die Formen und Strategien der Unternehmensentflechtung im deutschen Strommarkt mit vorkonfigurierten und leicht zu implementierenden Geschäftsszenarien.

Transparenz für reibungslose Stromlieferung

IDEX bietet den Versorgern zahlreiche Vorteile: Die Lösung gewährleistet Transparenz über die Prozesse und bildet die gesetzlich verlangten Geschäftsabläufe bei den liberalisierungsrelevanten Prozessen ab.

Der Kernprozess ist hier üblicherweise der Lieferantenwechsel. Energieversorger können nicht nur ihre eigenen Abläufe detailliert zurückverfolgen und dokumentieren, sondern auch die von den Regulierungsbehörden verlangte Berichterstattung vollumfänglich erfüllen.


Die automatisierte Kommunikation zwischen allen Marktteilnehmern ermöglicht eine lückenlose Energieverteilung. In vielen europäischen Märkten haben sich hierfür die Standards auf UN/EDIFACT-Basis etabliert – von der Verbrauchsprognose über Ableseergebnisse und Stammdaten bis zu Rechnungen und Zahlungsavisen.

Zukünftig ermöglicht die rasch voranschreitende Verbreitung automatisierter Messtechnik-Verfahren (AMI, Advanced Metering Infrastructure) die flächendeckende Fernablesung bei Haushalts- und Gewerbekunden. Damit ergeben sich Möglichkeiten für die Versorger, das Verbrauchsverhalten ihrer Kunden besser kennen zu lernen und so Netzlogistik und das Energieportfolio zu optimieren.

Erfolgsrezept: Geschulte Partner und enger Kundenkontakt

Die Kunden des UCC sind in erster Linie große Energiekonzerne. Zunehmend schließen sich aber auch kleine und mittelständische Unternehmen zu einem regionalen oder nationalen Energiekonsortium zusammen, um eine IDEX-Lösung aktiv mitzugestalten.

„Das setzt aber voraus, dass sich alle Mitglieder – die ja trotzdem Wettbewerber sind – mit den Experten des UCC an einen Tisch setzen. In Österreich und in Deutschland hat das sehr gut funktioniert. In Großbritannien hingegen wollte sich keiner der Versorger auf eine engere Zusammenarbeit mit einem Mitbewerber einlassen“, fasst Schröder zusammen.

Die Einführung der IDEX-Lösung beim Energieversorger wickeln geschulte Implementierungspartner ab.

„Auch nach der Implementierung von IDEX bleiben wir in engem Kontakt mit den Unternehmen. Ihre praktischen Erfahrungen und ihr Wissen über die Veränderungen der gesetzlichen Bestimmungen im Markt sind für uns von höchstem Interesse, schließlich ist es ein Ziel des UCC, die jeweiligen IDEX-Lösungen regulierungskonform fristgerecht weiter zu entwickeln“, so Schröder.

In jedem Land müssten unterschiedliche Parameter berücksichtigt werden. Das UCC könne jedoch nicht alle Änderungen auf den verschiedenen Märkten im Auge behalten. „Damit wir unsere Lösungen dennoch adäquat anpassen können, informieren wir uns mit Hilfe der Versorger regelmäßig über Veränderungen im Markt sowie der Industrie. Denn nur mit ihrem Feedback können wir unsere Produkte maßgeschneidert anbieten und modifizieren“, so der Experte.

Die Zukunft es Energiemarkts


Auch die Zukunft birgt viele Herausforderungen für das UCC: „Der Energiemarkt entwickelt sich rasant und mit ihm die Anforderungen an die eingesetzte Software. Man denke nur an alternative Energiegewinnungstechniken wie Windkraftanlagen oder Photovoltaik: Innerhalb weniger Jahre ist die Technik so weit fortgeschritten, dass sich Privathaushalte Solar-Panels zur Energiegewinnung leisten können.

Auch der Gasmarkt muss sich mit neuen Einspeisern auseinandersetzen, schließlich schlummert großes Potenzial in der Landwirtschaft bei der Biogas-Erzeugung. Und das ist nur der Anfang.“

Aktuell befasst sich das UCC intensiv mit dem Thema Wasser als eine der wichtigsten Ressourcen der Erde.

Utilities Competence Center (UCC)

Das UCC wurde im Frühjahr 2007 gegründet und agiert unter dem Dach von SAP Custom Development. Das globale Team entwickelt in enger Zusammenarbeit mit den Kunden marktregelkonforme Softwarelösungen für die liberalisierten Strom- und Gasmärkte in Europa.

Das vom UCC entwickelte marktspezifische Add-on IDEX lässt sich nahtlos in bestehende Prozesse im Energiemarkt integrieren und erweitert die SAP Intercompany Data Exchange, eine Anwendung aus dem Lösungsportfolio SAP for Utilities. Derzeit arbeiten für die noch relativ junge Einheit über 140 SAP-Mitarbeiter, alle überwiegend mit energiewirtschaftlichem Hintergrund.

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