Fleisch für McDonald’s

Feature | 5. Juni 2009 von Tim Clark, SAP AG 0

Fleisch für Fast-Food-Ketten von Smithfield Foods (Foto: Smithfield Foods)

SAP.info: Ihr Vorstandschef sieht in der Rezession ein geringeres Problem als im hohen Maispreis. Das klingt logisch, weil Smithfield Foods unter anderem der größte Schweinemäster der USA ist. Können Sie uns mehr dazu erzählen?

Zadeh: Unsere Produkte von Smithfield Foods verkaufen sich nach wie vor sehr gut. Die Lebensmittelbranche hängt am Konjunkturzyklus. Schwankungen der Rohstoffpreise schlagen sofort auf das Betriebsergebnis durch. Der starke Preisanstieg des letzten Jahres bei Öl und Futtermitteln traf uns unerwartet. Ob Sojabohnen oder Mais – durch die Bank schnellten die Preise in die Höhe. Und es ist momentan schwierig, diese Mehrkosten über den Handel an den Verbraucher weiterzugeben.

SAP.info: Welche Priorität genießt in Ihrem Unternehmen derzeit die IT?

Zadeh: Zur Zeit läuft bei uns ein zehn Milliarden Dollar schweres Restrukturierungsprogramm. Aussieben Konzerngesellschaften machen wir drei. Ziel ist, viele Tochterfirmen zu wenigen schlanken, synergetischen Unternehmen zu konsolidieren. So hoffen wir, mindestens 125 Millionen Dollar im Jahr zu sparen. Mit unseren Investitionen insbesondere in SAP-Anwendungen harmonisieren wir in allen Geschäftsbereichen die Abläufe. Es werden vergleichbare Kennzahlen erhoben, und die Führungskräfte arbeiten mit denselben Daten.

SAP.info: Führen Sie zu diesem Zweck Business-Intelligence-Software ein?

Zadeh: Vor kurzem haben wir in den drei neuen Kernunternehmen einheitliche ERP- und Fertigungsfunktionen implementiert. Jetzt gilt es, die Systeme so zu erweitern, dass wir früher über genauere Finanz-, Umsatz- und Kundendaten verfügen. Dabei haben sich BI-Werkzeuge in unseren amerikanischen wie den internationalen Sparten als äußerst nützlich erwiesen. Da die SAP die BusinessObjects-Funktionen immer besser in ihre Produkte integriert, gehe ich davon aus, dass wir bald damit arbeiten werden.

SAP.info: Es war ein gewaltiges Unterfangen, die zahlreichen Altsysteme im Konzern zu integrieren respektive auszurangieren. Welche Rolle haben Sie dabei gespielt?

Zadeh: Ich habe mir vorgenommen, die Konzern-IT einfacher, flexibler, schneller und besser zu machen. Dazu werden wir die Geschäftsprozesse und die IT-Architektur unserer Kernunternehmen so weit wie möglich vereinheitlichen. Der Startschuss zu diesem Vorhaben fiel vor fünf Jahren. Seither haben wir weltweit sieben von zehn Altsystemen abgeschaltet. In spätestens 18 Monaten werden gut 90 Prozent unseres IT –Gesamtbestands modern und seit maximal sechs Jahren am Netz sein. Dabei wird es sich hauptsächlich um SAP-Anwendungen handeln.

Durch den Umstieg haben wir die Kosten der Datenhaltung gesenkt und vor allem die Informationsqualität erhöht. Es geht schließlich nicht nur darum, durch mehr Effizienz und schlankere Strukturen unter dem Strich zu sparen. Ebenso wichtig ist, den Umsatz anzukurbeln. Deshalb investieren wir in BI-Werkzeuge, Product Lifecycle Management, Trade Promotion Management, Preisfindung sowie Feinplanungs- und Optimierungstools aus Walldorf.

SAP.info: Smithfield hat die Branchensoftware SAP Catch Weight Management mitentwickelt, mit der Ihre Fabriken die Produktkosten erfassen. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Zadeh: Bei Smithfield werden viele Produkte entlang der Lieferkette anhand des Stückgewichts verfolgt. Das gilt insbesondere für Frischfleisch. Solche Waren, deren Nettogewicht nicht ohne weiteres messbar ist oder sich während der Lagerung ändern kann, bezeichnet man als Erzeugnisse mit Zufallsgewicht oder Catch-Weight-Positionen. Das Problem: Während sich Bewertung, Anfragen unserer Abnehmer, Bestellannahme, Kalkulation, Wareneingang, Produktion, Preisfindung, Versand und Fakturierung auf dieses effektive, aber veränderliche Warengewicht beziehen, arbeitet die Logistik mit Standardeinheiten wie Packung und Kiste. Daher muss sowohl die Anwendung zur Logistikplanung wie das kaufmännische Kernsystem mit variablen Gewichten umgehen können.

Wir haben uns lange mit den Produktmanagern der SAP zusammengesetzt, um ihnen unsere logistischen Anforderungen zu erklären und zu verdeutlichen, wie knapp wir kalkulieren müssen. Auch mit den Entwicklern arbeiteten wir eng zusammen. Zum Erfolg, der SAP Catch Weight Management geworden ist, haben wir also kräftig beigetragen.

SAP.info: Was macht SAP für Smithfield so attraktiv?

Zadeh: Aus meiner vorigen Tätigkeit kannte ich SAP bereits. Trotzdem haben wir vor unserem Projekt gründlich recherchiert. Ich besuchte europäische Lebensmittelbetriebe, darunter unser Joint Venture in Spanien, die mit SAP-Lösungen arbeiten. Alle diese Werke setzen die Module Finanzwesen und Fertigung entlang der gesamten Produktionskette ein.

Zwischenzeitlich übernahmen wir den Fleischwarenhersteller Farmland Foods, der seit Jahren Software aus Walldorf verwendet. Bald war mir klar, dass SAP auch für uns die richtige Wahl wäre. Unseren Konzernchef zu überzeugen, dauerte indes etwas länger. Schon die ersten Funktionen brachten spürbare Verbesserungen – in der Bestellabwicklung, der Bestandsführung, der Lagerhaltung und der Rechnungslegung. So wurde auch mein Chef zum SAP-Fan.

(Foto: Smithfield Foods)

Smithfield Foods

Mit einem Jahresumsatz von zwölf Milliarden Dollar (8,2 Mrd. Euro) ist Smithfield Foods der größte Schweinemäster, Schweinefleischverarbeiter und Hersteller abgepackter Fleischwaren der USA. Smithfield beliefert Supermärkte und Schnellrestaurants mit Schinken, Speck, Wurst und Truthahnprodukten. Zudem exportiert das Unternehmen Schweinefleisch nach China, Japan und Mexiko.

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