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Frauenquote im Aufsichtsrat

Feature | 19. Mai 2015 von Andrea Diederichs 0

Die gesetzlich vorgeschriebene Frauenquote betrifft auch die SAP. Aufsichtsrätin Margret Klein-Magar spricht im Interview über die neue Quote und plädiert für gemischte Führungsteams.

Ab 2016 müssen die großen börsennotierten Unternehmen 30 Prozent der Aufsichtsratsposten mit Frauen besetzen – so will es ein neues Gesetz in Deutschland. Schaffen sie es nicht, bleiben die Stühle leer. Für die SAP wird die 30-Prozent-Quote spätestens 2019 relevant, denn dann finden die nächsten Aufsichtsratswahlen statt. Bis dahin ist beim Frauenanteil noch deutlich Luft nach oben.

Frau Klein-Magar, die Frauenquote kommt – wo steht SAP aktuell?

SAP-Aufsichtsrätin Margret Klein-Magar

SAP-Aufsichtsrätin Margret Klein-Magar wirbt für mehr Vielfalt im Gremium.

Während meiner Amtszeit seit 2012 ist der Frauenanteil im SAP-Aufsichtsrat leider kontinuierlich gesunken: erst waren es 4 von 16, dann 4 von 18 und nun 3 von 18. Das finde ich äußerst schade. Denn ich persönlich erlebe die Vielfalt im Aufsichtsrat als sehr gewinnbringend. Damit meine ich auch die unterschiedlichen Kulturen, Erfahrungen, Kompetenzen und Altersstrukturen, die wir schon jetzt im Aufsichtsrat haben. Die unterschiedlichen Sichtweisen erzeugen Spannungen, und die erzeugen Kreativität. Dadurch kommen wir am Ende zu besseren Entscheidungen.

Was sind die nächsten Schritte, um die Quote umzusetzen?

Die gesetzliche Regelung wird bei SAP erst 2019 greifen, wenn der nächste Aufsichtsrat gewählt wird. Bis dahin besteht lediglich die Hoffnung, dass sich auf der Kapitalseite etwas bewegt.

Wie stehen Sie persönlich zu Quotenregelungen im Aufsichtsrat oder Vorstand?

Ich beobachte, dass alleine die Diskussion über die Quote bereits zum Umdenken geführt hat. Mein Wunsch ist es nach wie vor, dass wir es aus eigener Motivation und Kraft heraus schaffen, noch mehr Vielfalt in unseren Aufsichtsrat und auch unseren Vorstand zu bringen. Das gilt nicht nur für den Frauenanteil. Wir haben derzeit auch niemanden aus Asien im Aufsichtsrat. Asien ist ein extrem wichtiger Markt für uns. Das ist meines Erachtens ein großes Manko.

Warum halten Sie gemischte Führungsteams überhaupt für wichtig?

Vielfalt führt zu mehr Innovation. Hinzu kommt, dass wir nur die Besten in solchen Positionen haben möchten. Die Hälfte der Bevölkerung ist weiblich. Wenn man also zum Beispiel fast nur Männer im Aufsichtsrat hat, kann man statistisch gesehen nicht die Besten haben. Etliche Frauen gehen auf dem Weg nach oben „verloren“. Das hat natürlich auch gesellschaftliche Gründe.

Was kann man konkret dagegen tun? Wie kriegen wir die Frauen an die Spitze?

Die Quote alleine genügt nicht: Sowohl die Unternehmen als auch die Politik können mit weiteren Maßnahmen den Boden für mehr Vielfalt bereiten. Das „Buy-in“ von oben ist ein erster Punkt, der ungemein hilft: Ich nehme zum Beispiel Hasso Plattner als starken Befürworter von Frauen in Aufsichtsräten im Besonderen und in Führungspositionen im Allgemeinen wahr. Darüber hinaus kann man als Unternehmen strukturell sehr viel tun, um Frauen in Führungspositionen zu fördern. Zum Beispiel bei Stellenbesetzungen ein objektives Auswahlverfahren gewährleisten. Das kommt übrigens auch den Männern zugute, die ebenfalls darunter leiden, wenn Seilschaften zum Zuge kommen. Davon abgesehen sollte jede Frau, die einen Karriereschritt machen will, selbst aktiv werden.

Haben Sie einen persönlichen Rat für Frauen, die eine Führungsposition anstreben?

Wenn ich davon ausgehe, was mir persönlich geholfen hat, dann fallen mir hauptsächlich drei Dinge ein: Erstens: Sich zu Hause mit dem Partner die nicht-beruflichen Aufgaben teilen und sich nicht von anderen zur „Rabenmutter“ abstempeln lassen. Zweitens: Sich Chefs aussuchen, die fordern UND fördern. Das klingt vielleicht provokativ, aber es geht darum, nicht in einer unbefriedigenden Situation zu verharren, sondern selbst eine Änderung herbeizuführen. Und als dritten und vielleicht wichtigsten Punkt: Netzwerken.

Haben Sie bestimmte Anliegen, die Sie als Frau vertreten, oder spielt das bei Ihrer Arbeit als Aufsichtsrätin keine Rolle?

Mir liegen zwei Dinge besonders am Herzen: Dass es der Firma und allen Mitarbeitern nachhaltig und langfristig gut geht. Und dass wir als Kontrollorgan realistische Einschätzungen treffen können. Dazu gehört für mich, mit den Mitarbeitern im Kontakt zu bleiben, die richtigen Fragen zu stellen und die Ohren offen zu halten. Es ist mir ganz wichtig, nicht im Elfenbeinturm zu entscheiden. Dazu stütze ich mich unter anderem auf mein breites Netzwerk. Manche Studien sagen, dass diese kommunikative und integrative Vorgehensweise, dieses Zuhören-Können, eher bei Frauen zu finden sei. Ich habe das aber durchaus auch bei vielen Männern beobachtet.

Der Aufsichtsrat der SAP SE wird in Deutschland gewählt, agiert aber für das ganze Unternehmen. Wie geht das im Sinne der Vielfalt zusammen?

Das ist glücklicherweise nicht mehr ganz der Fall: Drei der neun Arbeitnehmervertreter werden zumindest vom europäischen Betriebsrat der SAP SE gewählt. Leider umfasst dies immer noch nicht alle Mitarbeiter weltweit. Aber wir arbeiten daran: Als Sprecherausschuss der leitenden Angestellten bringen wir auch die Perspektive der globalen Führungskräfte aus allen Standorten weltweit in unsere Rückmeldungen an den Vorstand ein. Auch bei den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat setze ich mich dafür ein, dass wir unsere Kommunikation in beide Richtungen auf alle Mitarbeiter weltweit ausdehnen. Es geht langsam, aber es ändert sich etwas.

Margret Klein-Magar ist seit 1991 bei SAP. Als Head of SAP Alumni Relations baut sie aktuell ein Netzwerk aus ehemaligen SAP-Mitarbeitern auf, das im Juli starten wird. Im Aufsichtsrat vertritt sie seit 2012 die leitenden Angestellten. Außerdem ist sie Vorsitzende des Sprecherausschusses der leitenden Angestellten und Koordinatorin des globalen Executive-Netzwerks bei SAP.

Bildquelle: SAP

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