Frische Fische dank Drehscheiben

Feature | 4. August 2004 von admin 0

Der Lebensmittelhandel ist durch Problemstellungen charakterisiert, die ihn vom Non-Food-Bereich deutlich unterscheiden. „Besonders mittelständische Frischwarenhändler stehen vor der Herausforderung, Ware quasi börsenartig zu aktuellen Tagespreisen verkaufen zu müssen, ohne die Produkte jedoch auf Lager zu haben“, erklärt Alexander Holzmann, Geschäftsführer des SAP Business Partners Leitwerk Business Solutions. „Die Problematik für den Händler besteht nun darin, dem Kunden die Ware zu bestimmten Terminen zu verkaufen sowie sicherzustellen, dass er sie zum vereinbarten Zeitpunkt liefern kann“, führt der Geschäftsführer weiter aus.

Übersichtliche Informationen

„Speziell für diese Zielgruppe haben wir deshalb in Zusammenarbeit mit Lebensmittelexperten Leitwerk Food als Zusatzlösung zu SAP Business One entwickelt“, erklärt er. Die Lösung ist speziell auf Händlerbetriebe mit bis zu 100 Mitarbeitern und 25 Usern zugeschnitten. „Dabei erweitert unsere Lösung den SAP-Business-One-Standard im Bereich Artikel-Lieferanten-Beziehung“, erläutert Alexander Holzmann, „denn pro Artikel können beliebig viele Lieferanten angelegt werden.“ Sämtliche Informationen stehen so übersichtlich auf der Ebene Artikel-Lieferant zur Verfügung, und die jeweiligen Artikelpreise können etwa abhängig vom Datum vergeben werden. Auch ist es möglich, auf einzelne Artikel beziehungsweise Warengruppen zusätzliche Rabatte einzuräumen sowie Hauptlieferanten zu definieren.
„Für einen Händler, der frische Ware verkauft, ist es – wegen der Verderblichkeit der Ware – zudem extrem wichtig, seinen konkreten Bedarf auf Basis von Aufträgen und Lagergrößen zu ermitteln“, verdeutlicht Holzmann. Die Disposition erstellt anhand von Informationen zu Aufträgen, Mindestlagerbeständen sowie Verpackungsgrößen Bestellvorschläge. Diese werden in einem Programm verwaltet, wobei das System auf Basis der zu bestellenden Menge (= Staffel) den Stammlieferanten oder den günstigsten Lieferanten vorschlägt. Der Händler kann auch eine Staffel aufteilen, um die Menge bei verschiedenen Lieferanten zu bestellen. Auf dieser Grundlage erzeugt das System dann automatisch die entsprechenden Bestellungen, „egal ob für einen oder für alle Lieferanten“, sagt Geschäftsführer Holzmann. Belege, wie Lieferscheine und Informationsfelder in Rechnungen, die nicht preisrelevant sind, können dabei jederzeit geändert werden. Zudem ermöglicht das System Händlern, kundenspezifische Rechnungsformulare auszustellen.

Prozesse effektiv gestalten

Die Zusatzlösung garantiert Frischwarenhändlern einen reibungslosen Ablauf sämtlicher Prozesse – von der Bestellung bis zur Auslieferung beim Kunden. Das Add-On verwaltet die Lieferanten über sogenannte „Drehscheiben“. Damit kann ein Händler frei definieren, welcher Lieferant an welchem Tag und über welchen Versandweg seine Ware anliefert. „Frischer Fisch kommt dann beispielsweise am Montag aus Hamburg, am Dienstag aus Cuxhaven und am Mittwoch aus Amsterdam“, erklärt Holzmann. „Pro Tag sind aber auch mehrere Drehscheiben pro Lieferant möglich.“ Darüber hinaus sorgt Leitwerk Food dafür, dass Einkäufe schnell bearbeitet werden, indem unterschiedliche Bestellungen bei vielen Lieferanten ausgelöst werden. Die nötige Preistransparenz stellt eine Schnelleingabe von Lieferanten-Preislisten her, die eingelesen und deren Preise automatisch übernommen werden.
Auch zum Kunden hin sind die Prozesse effektiv und transparent gestaltet. Mitarbeiter in Unternehmen können Kunden-Aufträge – mit einer Übersicht der historischen Bestelldaten – direkt ins System eingeben, was die Auftragserfassung und Kommissionierung beschleunigt. Entsprechende Rechnungen werden per Batch erzeugt. Für jeden Kunden kann definiert werden, ob er Sammel- oder Einzelrechnungen erhält beziehungsweise als Rechnungsanschrift die Filiale oder die Zentrale aufgedruckt wird. Auch werden bereits erfasste Aufträge mit den Preisen neu berechnet, die zum Zeitpunkt der Lieferung gelten. Spezielle Wochenangebote faxt das System zielgruppenspezifisch an die hierfür vorgesehenen Kunden.
Um zugleich höchste Liefertreue im periodischen Abverkauf zu garantieren, führt die Lösung laufend dynamische Verfügbarkeitsprüfungen durch. Umgekehrt sperrt das System Artikel, die zu einem bestimmten Termin, etwa am 31. Mai, verkauft werden sollen, wenn dies einen negativen Lagerbestand nach sich zieht, weil der Artikel bis dahin nicht mehr beschafft werden kann.

Interessante Details

Die Zusatzlösung hat noch weitere interessante Details zu bieten. So können beispielsweise Touren- und Fahrzeugplanungen mit entsprechenden Rentabilitätsberechnungen durchgeführt werden und der elektronische Datenaustausch ist mittels EDI (Electronic Data Interchange) sichergestellt. Ebenso ist eine Schnittstelle zu Multi-Cash vorhanden, um etwa Bankauszüge von französischen Banken einlesen zu können. Damit Fisch auch wirklich frisch auf den Tisch kommen, verwaltet das System zudem das Mindesthaltbarkeitsdatum der jeweiligen Ware.
„Leitwerk Business Solutions entwickelte die Zusatzlösung mit beiden Komponenten (UI-API und DI-API) des Software Development Kit (SDK), womit die Zusatzlösung voll releasefähig ist“, beschreibt Holzmann die Vorteile. Nutzer von Leitwerk Food können sowohl auf der aus SAP Business One vertrauten grafischen Benutzeroberfläche arbeiten als auch auf die Datenbank der SAP-Mittelstandslösung zugreifen.
Leitwerk Food wird nach Angaben des in Appenweier ansässigen Unternehmens im Rahmen von SAP-Business-One-Projekten installiert. Das Add-On ist als Applikation zum Festpreis von 6.000 Euro netto erhältlich. Eine User-Lizenz kostet 500 Euro netto, wobei das System, analog zu SAP Business One, ab zwei Anwendern einsetzbar ist. Als durchschnittliche Einführungszeit erachtet Geschäftsführer Holzmann einen Zeitraum von rund vier Wochen als realistisch. „In Verbindung mit SAP Business One ist Leitwerk Food ein ideales und kostengünstiges Werkzeug für kleinere Lebensmittelhändler, um ihre Prozesse zu verbessern“, resümiert Holzmann zufrieden.

Weitere Informationen:

www.leitwerk-bs.de

Dr. Andreas Schaffry

Dr. Andreas Schaffry

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