Neue Hoffnung für Takeshi

16. März 2012 von Perry Manross 0

Dank SAP haben Fischer in Japan neue Boote erhalten. (Foto: SAP AG)

Der Fischfang begleitet den 64-jährigen Takeshi Koyanagi schon seit seiner Jugend. Er wächst im Nordosten der größten japanischen Insel Honshu in Kesenuma in der Präfektur Miyagi auf. Nach seinem Schulabschluss 1963 heuert er auf einem 39-Tonner an, mit dem er die umliegenden Gewässer nach Thunfisch durchkämmt.

Mit 58 Jahren kehrt er dem Tunfischfang den Rücken und kaufte sich einen eigenen, kleineren Kutter. Fortan durchpflügen Koyanagis Treibnetze das Meer auf der Suche nach Fischsorten wie Kabeljau und Seezunge.

Nun sitzt Takeshi am Strand. Es ist ein milder Tag Anfang März. Wie gewöhnlich flickt er seine Netze. Das macht er immer nach dem letzten Fangzug des Tages. Es ist ein ganz normaler Tag.

Plötzlich beginnt der Boden unter ihm zu beben. „Ich hätte auch ins Boot springen und auf den Ozean hinausfahren können“, sagt Koyanagi. Denn nach einer alten japanischen Fischerweisheit kann man so sein Boot vor einem Tsunami retten. Aber dann denkt Koyanagi an seinen Vater, mit dem er zusammenlebt, und rennt zu seinem Haus. Schnell bringen sich die beiden auf einem Hügel in Sicherheit.

Von dort oben sieht Koyanagi einen gewaltigen Tsunami auf die Küste zurasen, der zunächst die im Hafen vertauten Boote erfasst und dann unter sich begräbt. Das Wasser verschluckt auch sein Boot und mit ihm ganze Wohnviertel und Industrieanlagen, Autos, Fischfabriken – einfach alles, was sich ihm in den Weg stellt.

Die Statistik kennt keine Emotionen. Demnach erreicht das Erdbeben der Stärke 9 die Küste der Präfektur Miyagi am 11. März um 14:46 Uhr Ortszeit. Es ist das stärkste Erdbeben in Japan und das fünftstärkste weltweit seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1900. Nach Angaben des japanischen Ministeriums für Fischerei, Land- und Forstwirtschaft liegt der Schaden der Fischindustrie bei über 70 Prozent der gesamten Landesproduktion, was einem finanziellen Verlust von von 1,4 Trillionen Yen entspricht. Das sind zirka 17,2 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 13 Milliarden Euro.

Fischerorte wie Koyanagis Dorf in der Region Tohoku sind besonders Tsunami betroffen. Allein in der Präfektur Miyagi zerstört der Tsunami über 8.100 Boote zerstört. Für die ganze Region schätzt man die Verluste auf 54.000 Schiffe.

Feierliche Zeremonie als Dankeschön für die Spenden (Foto: SAP AG)

Hiroo Sato steuert zum ersten Mal nach dem Tsunami ein Boot – mit SAP Japan-Mitarbeiter Nahoko Oku an Bord

 

„Solange es ein Boot gibt, gibt es Hoffnung“

Nach der Katastrophe rief der SAP Solidarity Fund zu Spenden für Japan auf. Das Team CSR-TEARS (Tohoku Earthquake Aid and Relief Strategy) von SAP Japan half dem SAP Solidarity Fund in Zusammenarbeit mit den SAP-CSR-Teams in Deutschland und der Region Amerika bei der Auswahl eines geeigneten Projekts für die Spenden.

Die Wahl der Teams fiel auf ein Programm von Operation Blessing International (OBI). Die US-amerikanische Nichtregierungsorganisation unterstützt japanische Fischerorte, die durch das Erdbeben und den Tsunami vom 11. September zerstört wurden, mit Bootspenden.

Am 10. März, einen Tag vor dem ersten Jahrestag der Tragödie, übergaben Vertreter von CSR TEARS zusammen mit OBI-Mitarbeitern in einer offiziellen Zeremonie die kleine Bootsflotte an die Fischer. Koyanagi war einer von 10 glücklichen Empfängern.

Nahoko Oku, Leiterin der CSR-TEARS-Initiative, war bei der Übergabe dabei. „Ich wünschte, jeder, der diese Spende möglich gemacht hat, hätte mit dabei sein können. Es war toll, das Lächeln auf den Gesichtern der Männer und Frauen zu sehen.“ Einer der Fischer, der 65jährige Hiroo Sato, nahm Nahoko anschließend zu einer Spritztour in seinem neuen Boot mit. Es war seine erste Fahrt seit dem seit dem Tsunami, an dem er am Steuer saß.

„Als japanische Kollegin, die für ein globales Unternehmen arbeitet, bin ich sehr stolz, dass wir das Leben der Menschen hier verbessern können“, sagt Nahoko.

Von den Spenden konnte das Team auch die traditionellen Reiskuchen namens Mochi für die Bootsübergabe finanzieren. Die Kuchen werden in Japan bei traditionellen Einweihungsfeiern namens Mochimaki als Symbol für Freude und Glück von den neuen Eigentümern auf die Gäste geworfen.

Als Zeichen von höchster Wertschätzung bekommt SAP-Kollege Nahoko Oku eine Urkunde überreicht

 

Tomitaro Anzai, Präsident und Repräsentant von SAP Japan, sagte:„Ich möchte den Mitarbeitern von SAP Japan und den SAP-Mitarbeitern weltweit aufrichtig für ihre großzügige Spendenbereitschaft im Zusammenhang mit dem Erdbeben und dem Tsunami des vergangenen Jahres danken. SAP Japan wird den Menschen in den betroffenen Gebieten weiter unter die Arme greifen, um ihnen wieder Lebensmut und Hoffnung zu geben.“

„Die Menschen in Japan gehen weiterhin mit bewundernswerter Ausdauer und großem Einfallsreichtum mit den Folgen des letztjährigen Erdbebens und Tsunamis um“, sagte Werner Brandt, Finanzvorstand und Vorsitzender des SAP Solidarity Fund. „Ich spreche im Namen der SAP-Mitarbeiter, die so großzügig für den SAP Solidarity Fund gespendet haben, wenn ich sage, dass es für uns eine Ehre war, einen Beitrag zum Wiederaufbau in Japan leisten zu können.“

Satoshi Shimizu, der bei OBI die Bootsspende organisierte, sagte: „Solange es ein Boot gibt, gibt es Hoffnung, sagt man. Die Fischer sind der SAP alle sehr dankbar.“

Auf die Frage, welchen Fisch er künftig mit seinem neuen Boot fangen möchte, hält Koyanagi kurz inne und antwortet dann mit leiser Stimme: „Ich muss erst mal den ganzen Schutt beseitigen.“ Ein Großteil des Gewässers ist immer noch voll vom den vom Tsunami hinterlassenen Trümmern. Koyanagis Beispiel zeigt, dass diejenigen, die am härtesten von der Tragödie getroffen wurden, Übermenschliches leisten müssen, um dahin zu kommen, wo sie vor dem Unglück standen.

Glückliche Fügung: Während der Mochimaki-Feier wirft Hiroo Sato symbolisch Kuchenstücke in die Menge

Zeichen an der Küste als Dankeschön an die ganze Welt

 

Gedenken an die Tragödie

In den vergangenen Tagen wurde weltweit den Opfern der Tragödie gedacht. Die Gesamtbilanz ist erschreckend.

Laut National Police Agency wurden über 120.000 Häuser völlig zerstört, 250.000 wurden beschädigt. Über 300.000 Menschen leben noch immer in Notunterkünften. Insgesamt richtete die Katastrophe nach Schätzungen der Regierung einen Schaden in Höhe vom 16 bis 25 Trillionen Yen an (USD 197–308 Mrd. USD; 148–231 Mrd. EUR).

Am tragischsten aber ist die Zahl der Opfer: Mehr als 15.000 Menschen kamen bei der Katastrophe ums Leben, über 3.000 werden noch vermisst.

Für Nahoko genügt es nicht, die Gebäude wieder dort zu errichten, wo sie einmal waren. Und auch mit einem neuen Fischerboot ist es nicht getan, obwohl solche Maßnahmen wichtig sind und von allen sehr geschätzt werden.

Es geht vor allem darum, die Wunden zu heilen. Und es geht darum, den Menschen in Japan wieder Selbstbewusstsein und Unabhängigkeit zurückzugeben.

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SAP Solidarity Fund

Der SAP Solidarity Fund wurde 2001 von deutschen SAP-Mitarbeitern als Reaktion auf die Anschläge vom 11. September gegründet. Der Fonds will Katastrophenopfern schnell unbürokratische Hilfe leisten. Bisher konnte man 33 Hilfsprojekte mit mehr als 2 Millionen Euro unterstützen.

Tohoku Eartquake Aid and relief Strategy (TEARS)

Direkt nach der Tragödie organisierte das Corporate Social Responsibility Office von SAP Japan ein Programm, bei dem Mitarbeiter vom SAP Japan Hilfsgüter an Notunterkünfte in die Präfektur Miyagi schickten. Insgesamt wurden über 200 Pakete gespendet.

Aufgrund des großen Interesses rief SAP Japan ein Team namens Tohoku Earthquake Aid and Relief Strategy (TEARS) ins Leben. Das Team unterstützt die Opfer des Tohoku-Erdbebens mit verschiedenen Spendenprogrammen, unter anderem mit der Aktion des SAP Solidarity Fund.

Toramai, ein Tanz, der Sicherheit und Glück bringen soll

 

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