Garuda mit SAP wieder im Aufwind

Feature | 21. Februar 2005 von admin 0

Der Tsunami, der die indonesische Provinz Aceh verwüstete, war nur die jüngste Krise, von der das Land in letzter Zeit heimgesucht wurde. Schon fast vergessen ist die Asien-Finanzkrise der Jahre 1997/1998. Die Schulden des indonesischen Luftfahrtunternehmens Garuda Airlines betrugen damals fast 1,8 Milliarden US-Dollar. Garuda, benannt nach dem Reittier des indischen Gottes Vishnu, konnte sich seither nur mit wahrhaft übermenschlicher Anstrengung von dieser erdrückenden Schuldenlast befreien. Im Jahr 1999 appellierte die Regierung an das Unternehmen, dem drohenden Zusammenbruch durch eine Umstrukturierung zu begegnen. Anfang 2000 gewann Garuda die Unternehmen Lufthansa Consulting und Magnus Indonesia als Partner, um die operativen Verluste zu begrenzen und die IT-Infrastruktur zu optimieren. Die Berater schlugen das “Aviation Business Model” zur Kostensenkung vor, das Lufthansa bereits erfolgreich angewandt hatte. Es enthält Maßnahmen zur Steigerung der Effizienz der verschiedenen Geschäftsbereiche sowie zur Verbesserung des Service, die von flexibler Preisgestaltung über die Erweiterung der Vertriebswege und Flugrouten bis hin zu gemeinsamen Angeboten mit anderen Fluglinien reicht.

ERP-Lösung von SAP überzeugte

Garuda Airlines

Garuda Airlines

Die Umgestaltung der IT-Landschaft bei Garuda gelang nicht über Nacht. “Wir waren nicht flexibel genug, um unsere Daten im Überblick zu interpretieren. Dass wir keine integrierte Gesamtplattform hatten, war wirklich ein großes Handikap für uns”, schildert Widjaya Hadinuherto, Vice President der IT-Abteilung bei Garuda. Erst nach mehr als einem Jahr rang sich das Unternehmen zu der Entscheidung durch, seine diversen selbst entwickelten Systeme durch eine einheitliche Plattform abzulösen. Dazu musste Garuda prüfen, inwiefern die Insellösungen integrationsfähig waren. Unzureichende Standards von Berichtswesen und Rechnungslegung verhinderten in vielen Fällen zeitnahe Entscheidungsprozesse. Zwischen den verschiedenen Geschäftsbereichen wurden nur unregelmäßig Daten ausgetauscht, daher gehörten Datenintegration und Transparenz zu den wichtigsten Anforderungen an das neue System.
Fünf Anbieter von ERP-Lösungen wurden unter die Lupe genommen. In einem strengen Auswahlprozess prüften die Experten, auf wie viele Bereiche sich die ERP-Anwendungen ausdehnen ließen, inwiefern sie mit den Altlösungen kompatibel waren und welchen “Fahrplan” die Anbieter für den Aufbau der Technologie vorsahen. Anfang 2001 entschied sich Garuda für SAP R/3. Die Gründe waren vielfältig: Das SAP-System hat sich bereits in der Branche bewährt. Es lässt sich flexibel und problemlos an Veränderungen des Geschäftsumfelds anpassen. Offenheit, Bedienerfreundlichkeit und Konformität mit den gesetzlichen Vorschriften – insbesondere im Rechnungswesen – zählten zu den weiteren Pluspunkten. Im Vergleich zu anderen Anbietern konnte SAP das beste System für Forschung und Entwicklung, den besten Support und zahlreiche zusätzliche Services bieten.
Lufthansa Consulting und Magnus Indonesia halfen bei der Einführung der SAP-R/3-Komponenten Financials (FI), Controlling (CO) und Human Resources (HR). Die Partner arbeiteten rund um die Uhr, um für jede einzelne Komponente Parameter und erreichbare Ziele festzulegen.

Korrektur der Prognosen

Beim Customizing der SAP-Anwendungen trat eine Reihe von Problemen auf. Es wurden mehr Entwickler als ursprünglich vorgesehen benötigt. Zusätzliche Benutzerschulungen fielen an, um das Gelernte zu festigen und zu ergänzen. Außerdem mussten Zusatzfunktionen für SAP R/3 programmiert werden, um die Plattform besser mit dem vorhandenen Datenbestand kompatibel zu machen. “Wir mussten die Erlöskontierung und die Ergebnisrechnung geringfügig abändern, damit sich diese Funktionen für die Berichtsauswertung sowohl im Passagierbereich als auch im Frachtbereich nutzen ließen”, erinnert sich Widjaya Hadinuherto. “Damit hatten wir mehr Aufwand als geplant: Wir benötigten zusätzliche Reporting-Parameter und Masken.” Trotzdem testeten die IT-Projektmanager die Anwendung und installierten vor der eigentlichen Kompletteinführung einen Prototyp der ERP-Software auf dezentralen Remote-Host-Systemen. Dadurch vermieden sie die Risiken einer Implementierung auf einen Schlag. “Die meisten Fehler waren zum Einführungszeitpunkt bereits behoben”, erklärt Fajar Zainuddin, IT-Projektberater bei Magnus Indonesia. “Während des Migrationsprozesses bei der endgültigen Einführung des ERP-Systems gab es weder Datenverluste noch Ausfallzeiten. Alles lief wie geplant und reibungslos.” Bisher gibt es 1.000 Benutzerlizenzen für SAP R/3, weitere 500 Benutzer werden nach der Einführung der Komponente Materials Management (MM) hinzukommen.

Früherer Return on Investment (ROI)

Im Anfangsstadium lässt sich nur schwer überblicken, wie sich der Einsatz von SAP R/3 und der darauf basierenden Anwendungen in konkreten Zahlen widerspiegelt. Im Verlauf der nächsten zwölf Monate wird sich jedoch klar abzeichnen, wie rentabel die Neueinführung war. “Wir haben bereits festgestellt, dass unsere Key-User sehr viel produktiver sind als vorher,” schildert Hadinuherto. “Diese Steigerung würde sich langfristig in Kosteneinsparungen von durchschnittlich 15 Prozent niederschlagen. Das Management ist jetzt in der Lage, dank der in Echtzeit verfügbaren Vertriebsinformationen und dank eines online nutzbaren Finanzberichtswesens rechtzeitig die richtigen Entscheidungen zu fällen. Der nächste Schritt besteht nun darin, auch unsere Lieferanten und Kunden einzubinden.”

Erweiterter Vertrieb über das Internet

Innerhalb der nächsten beiden Jahre plant Garuda Indonesia den Rollout von Softwarelösungen für Logistik, Business Intelligence, E-Procurement sowie die Erweiterung des Supply-Chain-Managements. Bisher konnte man Flugtickets von Garuda über den Bankautomaten einer lokalen Bank bezahlen. Als Nächstes will die Fluglinie den Verkauf von Tickets und Reservierungen über das Internet prüfen. Mit Hilfe von SAP R/3 kann Garuda die Preise von Wettbewerbern überwachen und ihren eigenen Kunden attraktivere Tarife und Rabatte bieten. Die SAP-gestützte Streckenerfolgsrechnung ermöglicht es, auf profitablen Routen zusätzliche Flüge einzusetzen und weniger profitable einzuschränken. Auf diese Weise kann das Unternehmen schneller auf veränderte Anforderungen und die Erwartungen seiner Kunden reagieren. Garuda möchte mit anderen Fluglinien ein Verbundnetz bilden und seinen Kunden so genannte Co-Branding-Services anbieten, eine Auswahl unter den Angeboten der beteiligten Fluglinien.

Vorbild für andere Fluglinien

Derzeit wird bei Garuda die SAP-R/3-Komponente Maintenance Repair and Overhaul (MRO) implementiert. Die IT-Abteilung der Airline wird so zum Anbieter von IT-Gesamtlösungen nicht nur für Garuda, sondern auch für andere Fluglinien, die MRO-Services benötigen. Mit einem aktuellen Budget von fünf Millionen US-Dollar für den Ausbau von IT-Support und -Services und 58 ERP-Spezialisten plant Garuda, seine Pünktlichkeit auf mehr als 97 Prozent sowie seine Auslastung über die aktuellen 80 Prozent hinaus zu steigern. Dann liegt auch die anvisierte Privatisierung nicht mehr in allzu weiter Ferne.

Tony Sitathan

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