Gefahr oder Chance?

Feature | 12. Februar 2009 von admin 0

Für Professor Erik Brynjolfsson ist unstrittig, dass die Weltwirtschaft derzeit eine kritische Phase durchläuft. Doch seien gerade solche Turbulenzen der rechte Moment zu investieren, um sich Marktanteile zu sichern. „Mit Investitionen, die die Marktkompetenz verbessern und die Effizienz steigern“, rät er, „kann man in diesen chaotischen Zeiten dafür sorgen, dass man in den nächsten Jahren die Nase vorn hat.“

Diese Erkenntnis sollten Unternehmen insbesondere dann vor Augen haben, wenn sie mit Auftragsrückgängen und fallenden Aktienkursen zu kämpfen haben. In der Krise ist die Versuchung groß, Sparprogramme aufzulegen und beispielsweise die IT-Ausgaben auf breiter Front zu kürzen. „Das aber mindert die langfristigen Erfolgsaussichten“, warnt Brynjolfsson.

Die IT-Mittel müssten weiter fließen. Dabei gelte es, die wirtschaftliche Situation des Unternehmens zu berücksichtigen: „Wenn die Märkte schrumpfen, ist das natürlich nicht der Moment, Kapazitäten auszubauen oder IT-Investitionen zu tätigen, die die Produktion steigern.“

Doch in welche IT-Projekte sollen Unternehmen dann während des Abschwungs investieren? Brynjolfsson nennt zwei Schwerpunkte:

  • Investitionen, die zu mehr Effizienz beziehungsweise zu Einsparungen führen, damit das Unternehmen mit weniger mehr erreicht.
  • Investitionen, die die Agilität und Flexibilität so erhöhen, dass die Firma besser auf den Markt reagieren kann.

Solche Investitionen zahlen sich oft schon nach kurzer Zeit aus. Gerade während einer Wirtschafts- oder Finanzkrise zeigt sich der Wert der Informatik für die Geschäftswelt. „Mit IT verstehen Unternehmen besser, was ihre Kunden wollen und wie die Konkurrenz darauf eingeht“, so der Professor. „Umfassende Informationen über den Wettbewerb ermöglichen eine höhere Agilität und effizientere Abläufe.“

Dass sich auf einem enger werdenden Markt und bei knappen Kassen nur die flexiblen, effizienten Unternehmen behaupten werden, versteht sich von selbst. Kluge IT-Investitionen seien unerlässlich, um den eigenen Wettbewerbsvorsprung zu halten, betont Brynjolfsson – zumal „ unsere Analysen darauf hindeuten, dass sich die aktuellen Turbulenzen in den nächsten Jahren noch verstärken werden.“

Erik Brynjolfsson ist Professor an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät des Massachusetts Institute of Technology (MIT) und leitet dessen „Center for Digital Business“. Zudem sitzt er in den Vorständen mehrerer Aktiengesellschaften und Privatunternehmen. Mehr unter ebusiness.mit.edu.

In einer Rezession geht es primär um das wirtschaftliche Überleben. Daher drängen Finanzvorstände mehr denn je, die Kosten zu senken. Doch laut Wirtschaftsberater Yuwa Hedrick-Wong reicht das nicht. Bei allem Verständnis für taktische Maßnahmen warnt er vor Sparsamkeit an der falschen Stelle: Ohne Investitionen sei kein dauerhafter Erfolg möglich.

Für Hedrick-Wong zählen Weitblick, eine starke Geschäftsstrategie und die Entschlossenheit zu investieren, wo es nötig ist. Er sieht nur diejenigen Unternehmen langfristig auf Erfolgskurs, die auch in der Flaute ihre IT modernisieren. „Das gehört zur Vorbereitung auf die Zukunft“, erklärt er. „Zugegeben: Leicht ist das nicht. Der Finanzvorstand muss zwischen Ausgaben und Investitionen differenzieren.“

Den Ausbau der Informationstechnik hält Hedrick-Wong deswegen für strategisch geboten, weil diese den Unternehmen erlaube, sich miteinander und mit anderen Marktteilnehmern zu vernetzen. Es sei vor allem diese Verbindung, die Ideen und technische Innovationen fördere.

Nach Einschätzung des Beraters dürfen die Akteure in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld die Gesamtproduktivität nicht aus den Augen verlieren. „Prinzipiell kann man die Produktivität stetig steigern, ohne die Belegschaft oder das Anlagevermögen aufzustocken“, meint er. Für Firmen, die knapp bei Kasse sind, ist dies ein interessanter Gedanke. „Man muss nur wissen, wie man Arbeitskräfte und Betriebsmittel kreativer miteinander kombinieren kann, um mehr Wert zu schöpfen.“ So werde Innovation zu einer starken Währung.

Auch hier spielt die Informatik eine Hauptrolle. „Durch kompetenten IT-Einsatz können Unternehmen ihre Gesamtproduktivität ankurbeln“, glaubt Hedrick-Wong. Ein Beispiel: Die in der Expansionsstrategie für 2009 vorgesehenen neuen Stellen werden aus Angst vor einer Implosion der Weltwirtschaft nicht besetzt.

Am Wachstumsziel hält der Vorstand dennoch fest. „In dieser Zwangslage stecken heute die meisten Führungskräfte in Asien“, weiß der Ökonom. „Als Ausweg bleibt ihnen nur, aus ihrem Personal und Betriebsvermögen mehr herauszuholen.“

Dr. Yuwa Hedrick-Wong berät Mastercard Worldwide und sitzt dem Expertengremium des Konzerns für Asien vor. Überdies ist er Chefökonom der Southern Capital Group und berät das private Statistikinstitut Global Demographics. Mehr unter www.insightbureau.com.

Doch wie sollen Unternehmen ihre IT genau einsetzen? „So, dass jeder einzelne Mitarbeiter deutlich mehr leisten kann“, betont Hedrick-Wong. „Das ist das Schöne an der Informationstechnik.“ Wenn schon ein Einstellungsstopp verhängt werde, dann solle man zumindest die Arbeitskräfte eng miteinander verbinden. So werde das Unternehmen agil. „IT bedeutet Vernetzung“, resümiert er. „Und kreative Vernetzung ist in Krisenzeiten der Schlüssel zum Geschäftserfolg.“

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