Gefordert: Der flexible Mittelstand

Feature | 2. April 2008 von admin 0

Steve Niesman, CEO von itelligence USA, spricht im Interview über die Herausforderungen und Chancen, die sich dem Mittelstand bieten. Und er zeigt auf, wie starke und gut geführte mittelständische Unternehmen die Messlatte für ihre Wettbewerber höher legen.

Was ist heutzutage die größte Herausforderung für mittelständische Unternehmen?

Steve Niesman: Die größte Herausforderung ist zweifellos das, was der Kolumnist der New York Times, Thomas Friedman, das Abflachen der Welt nennt. In seinem Buch „Die Welt ist flach“ geht er auf die Globalisierung der Wirtschaft und der Unternehmen mit ihren multinationalen Lieferketten ein. Sie vollzieht sich in rasantem Tempo vor unseren Augen. Die Herausforderungen – und die Chancen – liegen in der Fähigkeit, sich an diese Veränderungen anzupassen.

Einige mögen es Chaos nennen. Doch es ist eine unaufhaltsame Entwicklung, und es gibt kein Zurück.

Können Sie an einem Beispiel erläutern, wie diese Herausforderungen aussehen?

Niesman: Vor kurzem habe ich mit dem Management eines amerikanischen Fliesenherstellers gesprochen, der seine Rohstoffe aus Italien, China, Russland und Brasilien bezieht. Das Unternehmen verkauft die Fliesen im Westen und Südwesten der USA. Der schwache Dollar zehrt die Unternehmensgewinne auf. Ferner hat das Unternehmen mit dem hohen Ölpreis und mit hohen Transportkosten zu kämpfen. Damit ist der Fliesenhersteller mittendrin in den globalen makroökonomischen Schwierigkeiten.

Wie überlebt das Unternehmen?

Niesman: Die Fliesen werden auf dem heimischen Markt an Bauträger verkauft. Allerdings ist das Baugewerbe rückläufig. Die Zinsen für Kredite steigen und der Konsum wächst langsamer. All das hat den Fliesenabsatz stark belastet.

Das Unternehmen hebt sich durch seinen Kundenservice und seine Zusatzleistungen, wie Finanzierung und Schulung, von der Konkurrenz ab. Deshalb ist es für den Wettbewerb gut gerüstet. Die Geschäftsführung ist sich darüber im Klaren, dass Wachstum in Zukunft nur durch eine Absatzsteigerung über globale Vertriebskanäle erzielt werden kann.

Dieses Beispiel zeigt, dass für viele Unternehmen, die derzeit nur vor Ort verkaufen, die Chance in einer dem globalen Markt angepassten Funktionsweise und im Auslandsgeschäft liegt. Das Internet macht es möglich, auf der ganzen Welt nach den gewünschten Produkten und Geschäftspartnern zu suchen. Die Wettbewerber des Fliesenherstellers kommen aus Lateinamerika, Kanada und anderen Ländern.

Es geht nicht mehr darum, zu Hause zu präsent zu sein.

Was empfehlen Sie den Unternehmen?

Niesman: Das Abflachen der Welt beschleunigt und verstärkt das Bedürfnis nach umfassender Unternehmenssoftware, die den Anforderungen globaler Unternehmen gerecht werden kann − wie sie SAP bereits anbietet. Zwar ist es für die Unternehmen von Vorteil, ihren mittelständischen Fokus beizubehalten. Doch dieser Fokus muss durch Software gestützt werden, die den Unternehmen hilft, auf einem globalen Parkett Prozesse abzuwickeln, Material zu beschaffen und Produkte zu verkaufen.

Es ist an der Zeit, nach Software Ausschau zu halten, die den Unternehmen Grenzen öffnet. Die Produkte werden nicht mehr einfach nur an einem Ort verkauft. Das erfordert einen anderen Blick auf die sich bietenden Chancen.

Heißt das, sie müssen wie Großunternehmen agieren?

Niesman: Mittelständische Unternehmen unterscheiden sich in ihren Bedürfnissen nicht wirklich von Fortune-500-Unternehmen. Problematisch ist, dass der Mittelstand in der Regel nicht so viele interne Ressourcen hat wie große Unternehmen.

Deshalb benötigen die kleinen Unternehmen leistungsfähige Software, die ihnen zu geringen Kosten und mit kurzer Einführungszeit „Globalität“ verschafft. Das sind vorkonfigurierte Lösungen, die dem Management innerhalb kurzer Zeit eine umfassende und funktionsreiche Umgebung bereitstellen.

Aber dabei geht es doch nicht nur um Software?

Niesman: Ich gehe immer von einem – wie IDC es nennt – „veränderungsbereiten“ Unternehmen aus. Eins steht fest: Reagiert ein Unternehmen flexibel auf schnelle Veränderungen, können die möglichen negativen Auswirkungen auf ein Minimum reduziert werden.

Das Unternehmen kann neue Geschäftsmodelle für die sich ändernden Zeiten auswerten. Eine Unternehmensführung, die sich auf die externe Welt und das interne Umfeld einstellt, kann sich an die neuen Anforderungen und den Fortschritt anpassen.

Technologie ist natürlich nicht alles. Es geht um die Geisteshaltung, die Einstellung und die Bereitschaft, innovative Ideen zu belohnen. Technologie ist derzeit jedoch zu sehr günstigen Preisen verfügbar. Heute erhalten Unternehmen weit mehr zu weit geringeren Kosten als noch vor ein paar Jahren.

Systemhäuser und unabhängige Softwarehersteller haben Geschäftsmodelle aufgegriffen, mit denen sie den kleinen und mittelständischen Unternehmen dieselben Funktionen anbieten wie Großunternehmen – in einer abgespeckten Version. Das ist wirklich sehr erstaunlich.

Wie können kleine und mittelständische Unternehmen ihren Erfolg sicherstellen?

Niesman: Nur die Unternehmen werden überleben und florieren, die über ihren eigenen Tellerrand blicken und neuen Technologien gegenüber offen sind. Sie müssen in der Lage sein, sich immer wieder neu zu erfinden – und zwar täglich. Das galt früher nur für Großunternehmen, jetzt aber auch für den Mittelstand.

Was erwartet den Mittelstand in den nächsten drei bis fünf Jahren?

Niesman: Mittlere Unternehmen, die zu großen Unternehmen werden – sei es durch eine Übernahme oder durch organisches Wachstum – sind sich der schnelleren Veränderungen bewusst und werden diesen gegenüber offen sein. Sie werden sagen: „Das ist zwar störend und unheimlich, aber es ist auch sehr belebend – birgt Spannung und Faszination.“ Alle anderen werden auf der Stelle treten oder von der Bildfläche verschwinden.

Was für eine Belegschaft benötigen kleine und mittlere Unternehmen?

Niesman: Unternehmen müssen Leute einstellen und fördern, die dort Chancen erkennen, wo andere nur Hindernisse sehen. Ihnen muss klar sein, dass die Datenflut zunehmen wird. Vor diesem Hintergrund steigt die Bedeutung von rechtzeitigem Informationszugriff und wahren Business-Intelligence-Lösungen für schnelle strategische Entscheidungen.

Um die Produktivität und Flexibilität zu verbessern, ist in die beste und flexibelste Unternehmenssoftware zu investieren. Die Software muss an das Wachstum angepasst werden. Die Unternehmen dürfen keine Zeit verlieren. Sie müssen bei allem, was sie tun, schneller, billiger und besser sein.

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