Generation Design Thinking

3. Januar 2013 von Susan Galer 0

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Früher mussten Kunden, die SAP-Software gekauft hatten, oft monate- oder gar jahrelang warten, bevor sie diese tatsächlich nutzen konnten. Seit die SAP ihre Software nach den Prinzipien des Design Thinking entwickelt, hat sich das geändert. Design Thinking ermöglicht die schnelle Entwicklung von Lösungen mit hohem Bedienkomfort. Im Mittelpunkt des Konzepts steht der „Entwickler 2.0“. Mit dem Klischee eines menschenscheuen Genies haben diese neuen Entwickler nur wenig gemein. Wer nach den Prinzipien des Design Thinking arbeitet, hat stets die Anforderungen und Wünsche der Kunden im Blick. Die Entwickler 2.0 erstellen und überarbeiten Lösungen innerhalb kürzester Zeit und arbeiten stets in Teams zusammen.

Das Deployment Cockpit ist ein Beispiel dafür, wie Design Thinking in der Praxis aussehen kann. Das Werkzeug befindet sich noch in der Pilotphase und bietet Kunden, die eine SAP Rapid-Deployment Solution (RDS) gekauft haben, Zugriff auf alle Materialien, die sie für eine schnelle Implementierung benötigen. Das Deployment Cockpit besteht aus einem Online-Portal, über das die Kunden Dokumente abrufen, aber auch mit Beratern von SAP Consulting kommunizieren können. Die Kunden wissen in jeder Phase des Prozesses, an wen sie sich wenden können, da sie sehen, wer welche Aufgabe bearbeitet und welchen Status diese Aufgabe hat.

Funktionen auf die Bedürfnisse der Benutzer abstimmen

Nach Überzeugung von Ariane Skutela, Product Owner und Design Thinking Coach bei SAP, sorgt dies für eine reibungslose Zusammenarbeit zwischen Projektleitern, Technologieberatern in der IT und Anwendungsberatern. „Kunden, die das Werkzeug schon im Einsatz erlebt haben, erkennen dessen Vorteile. Sie wissen, dass sich die Entwicklungsprozesse bei SAP geändert haben. Unsere RDS-Lösungen lassen sich einfach implementieren“, erläutert sie.

Skutela betreute das Design-Thinking-Team von der Forschungs- und Prototyping-Phase bis hin zur Entwicklung und Bereitstellung. Ihre wichtigste Aufgabe war es dafür zu sorgen, dass das Deployment Cockpit genau die Funktionen enthielt, auf die es den Benutzern am meisten ankam. „Früher haben die Teams mitunter Werkzeuge entwickelt, die niemand nutzte“, erinnert sie sich. „Wir haben auch in Gesprächen mit den Beratern die Prinzipien des Design Thinking verwendet, um vor der Entwicklung herauszufinden, welches Produkt wirklich gebraucht wird.“

Nabi Zamani, ein Entwickler des Teams, hatte angesichts der neuen Methode zunächst Zweifel, ob sich der Projektzeitplan einhalten ließ. Es zeigte sich jedoch, dass das Prototyping auf der Grundlage laufender Rückmeldungen der Kunden den Prozess sogar beschleunigte. Denn beim Design Thinking arbeitet das gesamte Team von der Definition des Produkts bis zur Implementierung zusammen. „In den meisten meiner bisherigen Projekte gab es vordefinierte Anforderungen“, erzählt er. „Dadurch, dass Design und Implementierung miteinander verknüpft sind, fühlen sich alle für das Produkt verantwortlich und arbeiten auf ein gemeinsames Ziel hin.“

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Anfängliche Skepsis weicht Begeisterung

Das Design entwickelte sich aus den Rückmeldungen von mehr als einem Dutzend Benutzern des Werkzeugs in aller Welt. Ihre Anregungen und Kritik standen teilweise im Widerspruch zu den ursprünglichen Designvorgaben des internen Managementteams bei SAP. Schließlich einigten sich die Entwickler auf ein Design, das den Anforderungen der drei wichtigsten Teammitglieder gerecht wurde, die mit den Kunden arbeiten: der Projektleiter, der IT-Berater und der Anwendungsberater. Diese Benutzer wünschten sich ein Werkzeug, das alle benötigten Informationen in einer Quelle zusammenführt, so dass alle Projektbeteiligten effektiv zusammenarbeiten und Lösungen schnell und einfach implementiert werden können.

Das frühzeitige und kontinuierliche Feedback der Benutzer sorgt für Klarheit im Entwicklungsprozess, was die Entwicklung beschleunigt. Das Team hatte ursprünglich eine lange Liste geplanter Funktionen erstellt. Als die Benutzer den Prototyp sahen, wiesen sie jedoch darauf hin, dass sie nur rund zehn Prozent dieser Funktionen benötigten. „Uns wurde klar, dass wir nicht alles entwickeln mussten, was technisch machbar ist, sondern das, was die Benutzer wirklich brauchen“, meint Teammitglied Srinivas Reddy.

Anfängliche Skepsis weicht Begeisterung

Skutela räumt ein, dass das Team anfangs nicht die geringste Vorstellung hatte, welches Ergebnis am Ende herauskommen würde. „Manche hatten Bedenken, was die Methode betrifft und weil es keine klare Liste der Funktionen gab, mit der wir arbeiten konnten“, erinnert sie sich. „Doch durch den Prozess ist ein Werkzeug entstanden, mit dem die Benutzer auch arbeiten möchten.“ Zamani ist überzeugt, dass das Design Thinking den Teamgeist und damit auch die Kreativität fördert. „Durch die Zusammenarbeit mit den Beratern, die sich mit den Kunden unterhalten, und die laufende Aktualisierung der Prototypen waren alle gezwungen, ihre Meinung zu äußern. Dadurch bringt sich jeder mehr in den Prozess ein, und das Team entwickelt gemeinsam ein Design mit höchster Qualität“, erläutert er.

Das Deployment Cockpit ist seit Herbst in Betrieb. Die Teams in Deutschland, den USA, Kolumbien, Australien und Großbritannien arbeiten derzeit mit einer englischsprachigen Version. Aufgrund zahlreicher Anfragen sind weitere Sprachversionen und die Unterstützung zusätzlicher SAP-Lösungen bereits geplant.

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