Geregelte Flexibilität

Feature | 12. Juli 2006 von admin 0

Geschäftsregeln legen fest, wie sich eine betriebswirtschaftliche Software bei den einzelnen Schritten eines Geschäftsprozesses verhalten soll. Meist sind sie zahlreich und komplex, da sie von unterschiedlichen Parteien definiert werden, beispielsweise von der Unternehmensführung, den Verantwortlichen aus den verschiedenen Ressorts oder auch vom Gesetzgeber. Ziel heutiger IT-Strategien ist es, diese Komplexität und vor allem die ständigen Veränderungen für das Geschäft, die sich unmittelbar auf die Regeln in den IT-Anwendungen auswirken, in den Griff zu bekommen. Unternehmen, denen es mithilfe flexibler Architekturen und Werkzeuge gelingt, ihre IT-Lösungen rasch und zielsicher anzupassen, genießen einen spürbaren Wettbewerbsvorteil. Um also Geschäftsprozesse zu automatisieren, müssen auch die ihnen zugrunde liegenden Regeln automatisiert werden. Spezielle Werkzeuge, so genannte Business-Rules-Management-Systeme (BRMS), übernehmen diese Aufgabe. Mit ihrer Hilfe sind die Verantwortlichen selbst in der Lage, Geschäftsregeln zu definieren und zu verändern – selbst wenn sie keine Techniker sind. Das BRMS “visual rules”, als eines der ersten BRMS-Produkte als Plug-in für das SAP NetWeaver Developer Studio von der SAP AG zertifiziert, visualisiert die Geschäftsregeln und macht sie damit auch für Nicht-Techniker greifbar.

Kommunikation mit SAP-Systemen

Damit Geschäftsregeln sinnvoll ausgeführt werden, benötigen sie die zum Treffen der Entscheidungen notwendigen Informationen – im Fall eines Profilings wären das beispielsweise die Daten der Kunden. Für ein Business-Rules-Management-System ist also der effektive Zugriff auf Daten entscheidend. Ein BRMS sollte grundsätzlich in der Lage sein, direkt auf beliebigen Java-Objektmodellen (JavaBeans) zu arbeiten und auch auf externe Datenquellen wie Datenbanken oder Dateien zuzugreifen. Für SAP-Anwender ist es zudem unerlässlich, dass das BRMS Informationen aus den vorhandenen SAP-Lösungen heranholt und die Ergebnisse der Regelverarbeitung auch wieder dort ablegt.

Beispiel SAP Connectivity

Beispiel SAP Connectivity

visual rules stellt zu diesem Zweck beispielsweise die SAP Connectivity bereit. Das Plug-in erlaubt den regelgesteuerten Zugriff auf SAP-Anwendungen per BAPI. In den Regelmodellen wird dieser als “Aktionen” definiert. Es lassen sich – gesteuert durch vorangegangene Entscheidungen und Berechnungen – beliebige BAPI-Aufrufe tätigen. Vereinfacht heißt das, dass zunächst Daten aus der SAP-Lösung geholt, anschließend durch Regeln verarbeitet und die Ergebnisse schließlich in die SAP-Lösung zurückgeschrieben werden. Sämtliche derartigen SAP-Connectivity-Aktionen werden einmalig in Java implementiert. Die Aktionen lassen sich aber in den Regeln beliebig oft wiederverwenden. visual rules kommuniziert zur Ausführung der Regeln via SAP Java Connector (JCo) mit den SAP-Anwendungen.

BAPI-Aufrufe direkt aus den Regeln

BAPI-Aufrufe direkt aus den Regeln

Üblicherweise sind Geschäftsregeln in den Gesamtcode einer Anwendung integriert, wo sie nur mit einigem Aufwand zu finden sind. Da sich Geschäftsregeln häufig ändern, ist das problematisch. visual rules kapselt daher diese Regeln vollständig in wiederverwendbaren Regelkomponenten, die sich dadurch einfacher aufspüren lassen – und beschleunigt so die Regeländerung. Auch Nicht-Techniker sind daher jederzeit in der Lage, die Komponenten in ihrem jeweiligen fachlichen Umfeld zu verwenden oder zu ändern. Gemeinsam mit den IT-Experten modellieren sie die Regeln.

Hot Deployment

Hot Deployment

Das BRMS übersetzt die Geschäftsregeln auf Knopfdruck in Java-Programmcode, der in die Anwendungen eingebettet wird. Da die Regeln im Ablauf und in ihrer Beziehung zueinander eindeutig definiert sind, ist keine Interpretation hinsichtlich ihres Ablaufs erforderlich. Dieses Vorgehen macht die Regeln schnell ausführbar, wichtig insbesondere bei großen Datenbeständen. Ein spezieller Hot-Deployment-Mechanismus sorgt dafür, dass sich die Regeln trotz der direkten Integration von Code jederzeit austauschen lassen – ohne den laufenden Betrieb zu unterbrechen. Die aktualisierten Geschäftsregeln werden erst dann in eine Anwendung überspielt, wenn alle Ausführungen der bestehenden Regeln beendet sind.
Aus dem direkten Zugriff auf SAP-Lösungen ergeben sich interessante Anwendungsszenarien. So lässt sich zum Beispiel einfach eine Rechnungsprüfung realisieren, die im SAP-System befindliche Rechnungsdaten mit einem Regelwerk bewertet. Ebenso denkbar sind Provisionierungen oder ein Customer Scoring und Profiling im CRM-Umfeld. Hierbei weisen die Regeln jedem Kunden ein passendes Profil zu. Die Unterscheidung der Kundenprofile, die sich individuell festlegen lassen, richtet sich beispielsweise nach den Kriterien Geschlecht, Altersgruppe und gekaufte Menge bestimmter Produktlinien. Das Marketing ist somit in der Lage, Kunden individuell anzusprechen. Dieser Ansatz eignet sich jedoch auch für die Anbindung von Nicht-SAP-Systemen, insbesondere, um neben der reinen Datenschnittstelle auch die dabei zu berücksichtigenden fachlichen Bedingungen und Regeln der Schnittstelle abzubilden.

Business Rules – intuitiv und visualisiert

visual rules

visual rules

Im Allgemeinen verfügen BRMS über Simulations-, Test- und Debugging-Mechanismen, um Regeln zu validieren sowie über umfangreiche Möglichkeiten, die Regeln zu dokumentieren. Zur Überwachung in den operativen Systemen dienen ein entsprechendes Monitoring sowie Statistiken und automatisierte Ausführungsprotokolle.

Grafische Modellierung einer Geschäftsregel

Grafische Modellierung einer Geschäftsregel

Diese üblichen Funktionalitäten eines BRMS verbindet visual rules mit den Vorteilen eines grafischen Werkzeugs. Mit ihm werden die Geschäftsregeln intuitiv erstellt und in Form von Regelbäumen visualisiert. Der Modellierung einer Regel liegen Informationen zugrunde, zum Beispiel Kundendaten, die direkt aus der Anwendung, einer Datenbank oder einer anderen Quelle stammen. Die Darstellung erfolgt mit einfachen grafischen Elementen für Entscheidungen, Berechnungen, Strukturierung der Logik und Ausführung von Aktionen. Die Wahl eines bestimmten Kriteriums entscheidet, welcher nachfolgende Teil des Regelbaums weiter verfolgt wird. Nach einer Folge von Entscheidungen sind im Regelbaum die Aktionen erkennbar, die ein logisches Ergebnis repräsentieren oder Prozesse wie die Zuweisung von Kundenprofilen oder den Zugriff auf SAP-Anwendungen anstoßen.
Sucht ein Mitarbeiter etwa nach der geeigneten Zielgruppe für eine Werbekampagne – beispielsweise alle Männer über 25, die modebewusst sind und bereits ein bestimmtes Produkt gekauft haben – kann er die Regeln iterativ modellieren und die Schnittmenge an passenden Kunden schrittweise einschränken. Der Personenkreis, der übrig bleibt, erhält ein bestimmtes Profil. visual rules übernimmt dabei die Aufgabe, diese Suche zu veranschaulichen und dadurch zu erleichtern. Jeder Mitarbeiter visualisiert also sein Wissen in Form des Regelmodells, das sich während der Abfrage jederzeit ändern und an neue Fragestellungen anpassen lässt. Nicht jedes erstellte Profil muss in die Datenbank zurück übertragen werden – das entscheidet jeder Mitarbeiter nach Bedarf.

Eine Lösung, verschiedene Anwendungen

Innovations Softwaretechnologie

Innovations Softwaretechnologie

Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen arbeiten bereits mit visual rules. Die Anwendungsgebiete umfassen etwa Compliance, Risk Management, Anlageberatung, Customer Relationship Management, Leistungsabrechnung oder Antragsprüfung. Verschiedene Banken arbeiten mit visual rules, um die Beratungs- und Anlageprozesse im Frontoffice zu unterstützen. Weitere mit visual rules realisierte Anwendungen sind ein Frühwarnsystem für den Handel mit Kreditrisiken und ein Fonds-Accounting-System. Auch der Bereich Versicherungen und Krankenkassen setzt bei der automatischen Antragsbearbeitung auf die Technologie von visual rules. Intelligente Formulare erfassen Anträge und prüfen und verarbeiten diese regelbasiert nach den aktuell geltenden Gesetzen, Verordnungen und individuellen Vorschriften. Da sich die Rechtsgrundlagen stetig verändern, muss sich die Geschäftslogik immer wieder anpassen. Fachanwender übernehmen diese Änderungen selbständig in die Regelwerke.

Volker Großmann

Volker Großmann

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