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Mit Cloud-Technologie zum mündigen Patienten

21. März 2017 von Frank Wittmann 42

Während in der Wirtschaft die Vernetzung von Daten auf Hochtouren läuft, werden in der Gesundheitsbranche Informationen noch weitgehend analog erfasst, händisch übertragen und verteilt gespeichert. Fragt man Wissenschaftler des Hasso-Plattner-Instituts (HPI), soll damit bald Schluss sein. Sie arbeiten an einer patientenzentrierten Plattform für Gesundheitsdaten. Der Ideengeber für dieses Projekt: SAP-Gründer und HPI-Stifter Professor Hasso Plattner.

Halbrund ordnen sich die Sitze um die ebenerdige Bühne. Was aussieht, wie ein römisches Amphitheater, ist in Wirklichkeit ein Vorlesungsraum am Potsdamer Hasso-Plattner-Institut (HPI). Auf den Rängen sitzen Informatikstudenten und -wissenschaftler. Vor ihnen spricht Hasso Plattner, SAP-Gründer, -Aufsichtsratsvorsitzender – und eben auch: Professor. Als Leiter des HPI-Fachgebiets „Enterprise Platform and Integration Concepts“ hält er sein Seminar zu Trends in der Softwareindustrie. Der Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf dem Gesundheitswesen. Gemeinsam mit seinen Studenten und Mitarbeitern möchte er Ordnung in die Masse der dort anfallenden Daten bringen, um diese für Analysen nutzbar zu machen und der Digitalisierung der Branche einen neuen Impuls zu geben.

„Es ist in erster Linie ein Datenmengenproblem, mit dem wir es hier zu tun haben“, erklärt Plattner. Gemeint ist, dass die Anzahl an Gesundheitsinformationen rasant wächst, diese aber zumeist unbereinigt abgelegt und isoliert verwaltet werden. „Wir müssen verstehen, welche Informationen in diesem Bereich anfallen“, ergänzt er gegenüber seinen Studenten. Nur so könne man skalierbare Strukturen schaffen, um die Daten zentral zu ordnen. Die Mitarbeiter an seinem Fachgebiet sind schon einen Schritt weiter. Betreut von Dr. Matthias Uflacker, Lehrstuhlvertreter an Plattners Fachgebiet, arbeitet ein Team an der Entwicklung einer patientenzentrierten Plattform für Gesundheitsdaten.

Cloud-Architektur soll Gesundheitsdaten sicher verwahren

Mithilfe einer Cloud-Architektur wollen die Wissenschaftler Struktur in die Datenmengen bringen und Nutzern den Zugang erleichtern. Das kürzlich gestartete Projekt „Gesundheitscloud“ soll persönliche Gesundheitsdaten sicher an einem zentralen Ort verwahren. Neben Daten aus ärztlicher Behandlung könnten auch Genom- oder Fitnessdaten dazuzählen. Entsprechend sensibel soll damit umgegangen werden. „Unser Grundsatz ist, dass Patienten die Hoheit über ihre Daten haben und selbstbestimmt über deren Nutzung entscheiden können“, sagt Uflacker. Ziel sei es, die Nutzer vom Einsatz moderner Analysetechnologien zu überzeugen. „Dank der in den letzten Jahren weiterentwickelten In-Memory-Technologie haben wir die Möglichkeit, große Datenmengen blitzschnell zu verarbeiten“, so der Informatikwissenschaftler. Diese Technik solle nun Ärzten dabei helfen, Diagnosen zu stellen.

Machine Learning könnte bei Arztdiagnosen helfen

Wie das aussehen könnte, weiß Dr. Stephan von Schorlemer, Leiter des Gesundheitscloud-Projekts. Mit seinem Team arbeitet er aktuell am technischen Konzept der Plattform. „Die zentrale Speicherung von Daten in einer Cloud erlaubt es uns, diese zu verknüpfen und mithilfe moderner Analysemethoden neue Erkenntnisse zu gewinnen“, sagt der Potsdamer Wissenschaftler. Durch den Einsatz von Machine-Learning-Techniken könne man so beispielsweise Zusammenhänge zwischen Krankheitssymptomen, genetischen Dispositionen, körperlicher Verfassung und Therapiemaßnahmen aufspüren. „Machine Learning basiert auf selbstlernenden Algorithmen. Je größer die Datenbasis ist, mit der man diese ‚trainiert‘, desto besser die Ergebnisse“, erklärt von Schorlemer. Die nach Einverständnis des Patienten verfügbaren Daten einer Gesundheitscloud bieten hierfür ideale Voraussetzungen. Mit ihrer Hilfe könne man beispielsweise die individuelle Wirksamkeit von Arzneimitteln evaluieren oder die Interpretation von Röntgen-  und Kernspintomographie-Bilder unterstützen. Ärzte könnten zudem durch die Anbindung medizinischer Forschungsdatenbanken neueste wissenschaftliche Erkenntnisse in die Behandlung einfließen lassen.

Gesundheitscloud als Plattform für Gesundheitsanwendungen

„Langfristig soll die Gesundheitscloud auch als Plattform für Drittanwendungen aus dem  Fitness- oder Gesundheitsbereich dienen“, so von Schorlemer. Aus der Vielzahl der Anwendungen könne der einzelne Nutzer dann seinen Bedürfnissen entsprechend die passenden auswählen. Neben einer individuelleren und wirksameren ärztlichen Behandlung erhielten die Patienten so auch einen einfachen Zugang zu den eigenen Daten.

Diesen weitreichenden Nutzen hat auch Professor Hasso Plattner erkannt und die langfristige Unterstützung des Projekts zugesichert. Die Studenten seines Seminars entwickeln schon Konzepte, wie Schlaganfälle, Herzkrankheiten oder Krebserkrankungen durch eine Gesundheitscloud schneller erkannt und besser therapiert werden könnten.

Weitere Informationen:

https://hpi.de/gesundheitscloud

Verfasser: Frank Wittmann ist Online-Redakteur und Referent für Digitale Medien am Hasso-Plattner-Institut.

Kontakt:

Frank Wittmann
Online-Redakteur

Hasso-Plattner-Institut
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14482 Potsdam

Tel.: +49-(0)331 5509-295
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