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Was Gesundheit wert ist

22. Mai 2015 von Andreas Schmitz 0

Demographie, Digitalisierung und globale Konkurrenz zwingen Menschen zu längerer Arbeit und mehr Effizienz: Mitarbeiter fit zu halten wird zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Nicht zuletzt, weil es um Wirtschaftskraft geht.

Ein Blick auf die volkswirtschaftlichen Kosten durch attestierte Arbeitsunfähigkeit zeigen zwei Trends: Zum einen steigen die Kosten kontinuierlich an, zum anderen nehmen die psychischen Erkrankungen in Deutschland stark zu. 46 Milliarden Euro „Produktionsausfallkosten“ in 2011 stehen 2013 bereits 59 Milliarden Euro gegenüber. Durch Burnout, Depression und Erschöpfung bedingte ausgefallene Arbeitstage belaufen sich heute auf 79 Millionen, gegenüber 59 Millionen zwei Jahre zuvor, so die aktuellsten Zahlen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Diese Fakten sprechen eine klare Sprache. Nicht erfasst werden allerdings jene so genannten Präsentismus-Kosten, die bisher in keinen Tabellen auftauchen, jene, die unmotivierte Mitarbeiter verursachen, die sich nicht mehr mit dem Unternehmen identifizieren, oder Kollegen, die innerlich längst gekündigt haben, sich aber immer noch zur Arbeit schleppen.

Gesunde Mitarbeiter: Dreimal produktiver und kreativer, acht Mal mehr engagiert

Gerade diese nicht erfassten Mitarbeiter haben gravierende Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit eines Unternehmens, wie Untersuchungen zeigen:

  • Bereits 2010 veröffentlichte das World Economic Forum Ergebnisse einer Studie, an der weltweit 20.000 Menschen teilnahmen. Das Ergebnis: Unternehmen, die ihre Mitarbeiter aktiv darin unterstützen, gesund zu bleiben und die Wert darauf legen, dass sie gerne zur Arbeit gehen, haben leistungsfähigere Mitarbeiter. Sie gehören zweieinhalb Mal eher zu den Leistungsträgern, sind drei Mal so produktiv, acht Mal mehr engagiert, dreieinhalb mal kreativer und innovativer als Mitarbeiter, denen diese Haltung nicht entgegengebracht wird.
  • Die Universität St. Gallen befragte 2013 für die Studie „Gesunde Führung“ über 15.500 Mitarbeiter aus knapp hundert mittelständischen Unternehmen. Das Ergebnis: Gesunde Führung steigert das Wohlbefinden (+30 Prozent), das Engagement (+19 Prozent) und damit auch die Unternehmensleistung (+15 Prozent). Das wiederum hat zur Folge, dass Mitarbeiter seltener kündigen (-75 Prozent), weniger destruktiv (-63 Prozent) und resignativ (-52 Prozent) sind. Gerade also die psychische Gesundheit der Mitarbeiter profitiert davon, wenn der Chef etwa inspiriert und ergebnisorientiert führt und seine Mitarbeiter nach stressigen Phasen auch mal nach Hause schickt und erkennt, wenn Pausen nötig werden. Das zu erkennen und gezielte Regenerationsphasen zuzulassen, erhöht nach Analyse der Uni St. Gallen die Gesundheit der Mitarbeiter (+23 Prozent) und steigert die Unternehmensleistung (+6 Prozent).

Der globalisierte Wettbewerb mit seinem hohen Kosten- und Effizienzdruck und die digitalen Medien führen dazu, dass jeder einzelne Mitarbeiter immer schneller immer mehr Arbeit zu bewältigen hat und das in einem hochdyamischen, sich ständig veränderndem Umfeld, sagt Natalie Lotzmann, Chief Medical Officer (CMO) bei SAP – insgesamt sind weltweit zunehmende psychomentale Belastungen zu beobachten mit erheblichen Herausforderungen für die eigene Gesundheit und Lebensbalance“. Freiräume schaffen, mehr Wertschätzung durch Vorgesetzte, eine höhere Fehlertoleranz, Vertrauensarbeitszeit: Das sind nur einige der Maßnahmen, die bei SAP helfen sollen, den zunehmenden Belastungen ein Stück weit zu trotzen. Denn klar ist auch: Die überwiegende Mehrheit der Mitarbeiter kommt mit hoher Arbeitslast sehr wohl klar, wenn die Führung unterstützend erlebt wird, sprich: der Mitarbeiter als Person und in seiner Arbeit geschätzt und in seinem Bestreben nach Balance unterstützt wird.

Leadership Trust Index bewertet Führungskräfte

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„Das Führungsverhalten, insbesondere die Fähigkeit zu begeistern, zu vertrauen und Zusammenhalt zu fördern ist der wichtigste Faktor für Gesundheit, Zufriedenheit und Produktivität im Team”, ist die Themenbotschafterin der Initiative Neue Qualität der Arbeit und Chief Medical Officer bei SAP Natalie Lotzmann überzeugt.

Gerade an guter Führung scheint es in den meisten Unternehmen jedoch aktuell zu hapern. Die Studie Global Human Capital Trends 2015 vom Beratungshaus Deloitte zeigt, dass die Kluft zwischen Anspruch und Realität im Vergleich zum vergangenen Jahr von der Führung über Kultur und Engagement der Belegschaft bis hin zum Lernen und persönlicher Entwicklung durch die Bank weg größer geworden ist. So halten beispielsweise 78 Prozent der befragten 3.300 weltweit befragten HR-Entscheider das Thema Weiterentwicklung und Lernen in der Organisation für wichtig und sehr wichtig, im Unternehmensalltag spiegelt sich das allerdings nur zu 42 Prozent wieder. Nicht zuletzt deshalb hat SAP den so genannten Leadership Trust Index im Einsatz, einen Wert, der aus der Bewertung der Führungskräfte durch Mitarbeiter ermittelt wird. „Das Führungsverhalten, insbesondere die Fähigkeit zu begeistern, zu vertrauen und Zusammenhalt zu fördern ist der wichtigste Faktor für  Gesundheit, Zufriedenheit und Produktivität im Team”, ist die Themenbotschafterin der Initiative Neue Qualität der Arbeit Lotzmann überzeugt.

SAP: 1 Prozentpunkt im Business Health Culture Index (BHCI) entspricht 65 bis 70 Millionen Euro

Um weitere „Hard Facts“ zu schaffen, hat SAP 2009 den Business Health Culture Index geschaffen und ihn mit Price Waterhouse Coopers auf seinen Einfluss auf das Unternehmensergebnis hin untersucht. „Dieser Index beschreibt die Fähigkeit einer Organisation, die Menschen, die dort arbeiten, durch gute Rahmenbedingungen ganzheitlich gesund zu halten“, beschreibt SAP-CMO Lotzmann. Zusätzlich unterstützen Gesundheitsangebote, dass die Mitarbeiter fit bleiben. Dazu gehören bei SAP etwa vergünstigte „Self-Tracker“, die dokumentieren, wie viel man sich täglich bewegt, Check-ups und psychologische Beratung für alle, Gesundheitskurse, das Sabbatical-Programm, also die Möglichkeit, durch ein Arbeitszeitkonto „auszusteigen“ und aufzutanken, oder das Programm COPE, in dem Mitarbeiter, die an Krebs erkrankt sind, auf Kosten des Unternehmens innovative Genanalysen nutzen können, um die optimalen Therapien zu selektieren. All das bewirkt, dass der Mitarbeiter einerseits etwas für sich tut, andererseits aber auch durch das Unternehmen darin unterstützt wird, sich um seine Gesundheit und Lebensbalance zu kümmern und zufrieden und leistungsfähig zu bleiben.

Die Herausforderung bei all diesen Aktivitäten, die organisationale Gesundheit positiv zu beeinflussen: Es fehlten bislang meist die „Hard Facts“ und die bezifferbare Konsequenz für das Unternehmen. Im aktuellen Integrierten Bericht 2014 von SAP ist nachzulesen, welchen finanziellen Einfluss das Engagement und die Bindung der Mitarbeiter sowie der BHCI haben. „Jedes Prozent, um das sich der BHCI verbessert, spart unser Unternehmen etwa 65 bis 70 Millionen Euro“, sagt CMO Lotzmann, für die spätestens damit bewiesen ist: „Gesundheit im Unternehmen ist kein Nice-to-have, sondern ein ökonomisches Gebot.“

Seit langem schon will die CMO das Thema Gesundheit aus der Soft-Factor-Ecke herauskriegen. In den BHCI fließen die jährlichen Mitarbeiterbefragungen ein, also Fragen zur Gesundheit und der Stress- und Life-Balance genauso wie zu Führungsthemen und zur Loyalität zum Unternehmen. Insgesamt sind es vier Leadership- und drei Lebensbalance-Bereiche. Vom Jahr 2010 bis heute hat dieser unternehmensinterne Index inzwischen um 11 Prozentpunkte auf nun 70 verbessert, was dann mehr als 700 Millionen Euro ausmacht. Selbst für ein Unternehmen, das im vergangenen Jahr 17,5 Milliarden Euro Umsatz (bei  einem Gewinn von 4,3 Milliarden Euro) erwirtschaftet hat, ist das eine nicht zu verachtende Summe.

Prävention: „Jeder investierte Euro bringt mindestens 10 zurück“

Einen besonders großen Einfluss auf den BHCI hat die Führungskompetenz, allerdings ist auch der Einzelne gefordert, sich etwa präventiv mehr zu bewegen, Wellness-Programme der Unternehmen zu nutzen oder im Notfall die integrierte psychologische Ambulanz aufzusuchen: „In der inviduellen Beratung bringt uns jeder investierte Euro mindestens 10 zurück“, ist Lotzmann überzeugt. Zudem steckt hier noch einiges an Potenzial: So fand das World Economic Forum heraus, dass nur jeder zehnte Mitarbeiter Gesundheit nicht nur gut findet, sondern auch aktiv etwas dafür tut.

Weitere Informationen zu Personalthemen finden Sie hier.

Bildquelle: Shutterstock

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