Gesundheitsversorgung in Echtzeit

Feature | 12. Dezember 2005 von admin 0

So nennt McKinsey die Möglichkeit zum Austausch klinischer Daten als wichtige Voraussetzung für den Aufbau eines nationalen Informationsnetzes im Gesundheitswesen. Alleine in den USA könnte dies jährlich Gesundheitsausgaben in Höhe von gut 115 Milliarden Euro einsparen helfen. Für eine Organisation mit etwa 5.000 Ärzten und 10 großen Krankenhäusern, so die Analysten, kann ein SOA-Netz zwar 1,8 Millionen Euro im Jahr kosten. Allerdings beliefe sich der Nettovorteil für das Unternehmen auf 4,7 Millionen Euro jährlich.
Eine nachhaltige Automatisierung der Arbeitsabläufe im Gesundheitswesen kann messbare Vorteile bringen: unter anderem mehr Sicherheit für die Patienten, die Steigerung der Leistungsfähigkeit, Kosteneinsparungen, eine größere Patientenzufriedenheit sowie eine leichtere Anwerbung und engere Bindung von medizinischem Personal. Innovationen wie die computergestützte ärztliche Leistungsanforderung (Computerized Physician Order Entry -CPOE) können laut McKinsey ein unwirtschaftliches und zersplittertes Gesundheitssystem in ein wachsendes, integriertes Gesundheitsnetz verwandeln.
Die folgenden Funktionen spielen eine Schlüsselrolle in der digitalen Gesundheitseinrichtung:

  • Integriertes Patientenmanagement, das Termine und Leistungen plant, alle damit verbundenen Ressourcen koordiniert, Kosten korrekt erfasst und somit eine schnellere Abrechnung und Kostenerstattung erlaubt
  • Business-Intelligence-und Business-Warehouse-Komponenten, die die Planung, Analyse und Berichterstattung verbessern
  • Web-Portale, die unterschiedlichen Benutzergruppen gezielte Informationen und Kooperationsmöglichkeiten bieten: zum Beispiel Gesundheitsmanagern, Beschäftigten, Ärzten, Patienten und externen Partnern
  • Ein Kundenbeziehungs-Management (Customer Relationship Management – CRM), das es Gesundheitsversorgern ermöglicht, ihre Geschäftsprozesse auf die Bedürfnisse von Patienten, Ärzten, Beschäftigten und anderen wichtigen Zielgruppen abzustimmen
  • Enterprise Master Patient Index (EMPI), Stammdatenbanken mit Patienteninformationen, die korrekt, aktuell und organisationsweit einheitlich sind
  • Elektronische Patientenunterlagen, umfassende Protokolle der Interaktion zwischen Patient und Arzt, Anamnesen, Diagnosen, Therapien, digitale Bilder und Röntgenaufnahmen. Hierzu zählt auch die dokumentierte Versorgungs- und Abrechnungserfassung für den Patienten, die parallel zur Leistungserbringung in Echtzeit aktualisiert wird
  • Medikationsmanagement-Tools verbessern die Qualität der Medikamentenverabreichung. Sie straffen Dokumentation, Ausgabe und Bestandskontrolle und senken die Fehlerquote.
  • Durch die computergestützte Leistungsanforderung (Computerized Physician Order Entry – CPOE) können Ärzte die Versorgung elektronisch anordnen und dadurch den Behandlungsprozess verkürzen. Darüber hinaus werden Fehler vermieden, die durch manuelle Prozesse entstehen. Da die ärztlichen Entscheidungen durch ein elektronisches Alarmsystem unterstützt und auf Doppelverordnungen überprüft werden, lassen sich Verordnungsfehler reduzieren.

Bisher ist das Ideal des digitalen Krankenhauses in vielen Fällen noch keine Realität.„Die moderne Gesundheitsversorgung wird zunehmend als personal- und informationsintensives Geschäft wahrgenommen, doch in vielen Organisationen des Gesundheitswesens sind die modernen IT-Ressourcen unterentwickelt “, beschreibt ein Bericht von PricewaterhouseCoopers die aktuelle Situation (März 2005, Reactive to Adaptive). Die Ergebnisse deuten auf ein Problem hin, das durchaus geeignet ist, alle Bemühungen um eine bessere Gesundheitsversorgung im Keim zu ersticken.
Eine papierbasierte Gesundheitseinrichtung verursacht grundsätzlich unnötig hohe Arbeitskosten und fehleranfällige klinische und administrative Prozesse. PricewaterhouseCoopers schätzt, dass heute weniger als 10 Prozent der Gesundheitsversorger über eine allgemeine Prozessautomatisierung verfügen. In fünf Jahren werden es dieser Schätzung zufolge 20 Prozent sein. Obwohl der Gesundheitssektor bei der Einführung neuer Technologien wie SOA oder auch etablierter Technologien wie ERP und CRM traditionell im Rückstand ist, rechnen Analysten mit einer unmittelbar bevorstehenden Veränderung. Die Einführung integrierter IT-Lösungen ist für Gesundheitsdienstleister unerlässlich. Wer keine geeigneten Lösungen einführt, muss mit erheblichen Problemen rechnen, sei es bei der Diagnose und Therapie, bei der Kommunikation zwischen den Abteilungen ,bei der Zusammenarbeit mit Partnern oder auch in der Finanzbuchhaltung und Personalverwaltung.
Außerdem werden Rechtsvorschriften womöglich nur unzureichend umgesetzt, was sogar zu einer Existenz bedrohenden Situation führen kann. Es ist möglich, dass Gemein- und Personalkosten explodieren. Das Schlimmste aber ist: Die Patientenversorgung kann darunter leiden.

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