Gewinnbringend umlagern

Feature | 1. Juni 2004 von admin 0

Bestände runter, Lieferfähigkeit rauf – dieser Anspruch ist leichter gestellt als erfüllt. Denn der Materialbestand, den Unternehmen in ihren Lagern vorhalten und in ERP-Systemen verwalten, ist meist so groß, dass es schwer fällt, den Überblick zu behalten – geschweige denn Optimierungsmaßnahmen zu ergreifen. Gerade im Mittelstand stellen sich viele Geschäftsführer die Frage, an welcher Stelle sie ansetzen sollen, um ihre Bestände zu verringern, ohne die Lieferfähigkeit zu gefährden. Für ihre Werksleiter wiederum ist es wichtig zu wissen, ob Material ausgeht, das in der Fertigung benötigt wird. Unterdessen grübeln Disponenten darüber, welche Meldungen aus dem Dispositionslauf sie zuerst bearbeiten müssen.
Antworten auf diese Fragen geben zwei neue Zusatzprogramme zur Bestandsoptimierung in SAP R/3 und SAP R/3 Enterprise. Die Werkzeuge, entwickelt von der Steeb Anwendungssysteme GmbH, strukturieren die aktuelle Bestandssituation eines Unternehmens und erleichtern es damit, geeignete Maßnahmen zur Optimierung einzuleiten. Die Lösung namens “Steeb Be-Opt” besteht aus einem Analyse- und einem Optimierungswerkzeug und arbeitet in zwei Stufen. In einem ersten Schritt berechnet ein in ABAP programmiertes Analyse-Add-on mit Hilfe von SAP-Daten, in welchen Bereichen die Bestände verringert werden können und welches Einsparpotenzial dabei besteht. Das zweite, in die ERP-Lösung integrierte Optimierungs-Werkzeug unterstützt den Disponenten bei seiner täglichen Arbeit, indem es die Ergebnisse des SAP-Dispositionslaufs nach speziellen Fragestellungen auswertet.

Wie lange reicht der Bestand aus?

Steeb Be-Opt ist speziell für kleine und mittelständische SAP-Anwender konzipiert und lässt sich branchenunabhängig sowohl in der Industrie als auch im Großhandel für eine bessere Beschaffungslogistik einsetzen. Die Grundlage hierfür ist ein “abflussorientiertes” Reichweiten-Konzept. Danach werden Beschaffungsaktionen erst dann ausgelöst, wenn sich der Bestand verringert, etwa durch neue Fertigungsaufträge.
Voraussetzung für die Analysen in Steeb Be-Opt sind Bestände, die klar nach ihrer Wertigkeit für das Unternehmen strukturiert sind, zum Beispiel in Form der dreistufigen ABC-Klassifikation. Denn welcher Materialbestand notwendig ist, um eine optimale Lieferbereitschaft zu gewährleisten, ist von Unternehmen zu Unternehmen verschieden und häufig auch eine Frage der Firmenphilosophie. Daten aus Benchmarks mit vergleichbaren Unternehmen ermöglichen eine differenzierte Betrachtung des Lagerumschlags und der Lagerreichweite. Daher flankiert Steeb sein Software-Angebot mit Beratungen sowie Konzept- und Anwendungsschulungen.

Wo schlummert Optimierungspotenzial?

Die Basis der Berechnungen sind Daten aus den logistischen Komponenten von SAP R/3, wie Vertrieb (SD), Materialwirtschaft (MM), Produktionsplanung (PP), Qualitätsmanagement (QM) und Instandhaltung (PM). Um aussagekräftige Daten zu liefern, muss die ERP-Lösung “eingeschwungen”, also seit mindestens einem Jahr produktiv sein. Das Analyse-Add-on extrahiert daraus die logistischen Daten, beispielsweise Verbrauchs- und Bedarfszahlen, Bestände oder Preise, und überträgt sie auf PC. Dabei schreibt ein ABAP-Report die Daten auf den Applikationsserver, ein weiteres Programm transferiert sie als Text-Files auf PC, wo sie in eine Access-Datenbank geladen werden. Auf diese Weise lässt sich die Analyse unabhängig vom SAP-R/3-Systemzugriff durchführen. Anwender können die Parameter für Simulationen rasch anpassen, ohne SAP-Stammdaten zu verändern. Die Extraktion berücksichtigt verschiedene kundenspezifisch definierte Parameter, etwa die Klassifikation der Bestände oder die Anzahl der in die Analyse einzubeziehenden Verbrauchs- und Bedarfsperioden.

Einsparpotenziale ermitteln

Einsparpotenziale ermitteln

Anschließend werden die Daten nach Benchmark-Regeln ausgewertet und Kennzahlen zur Reichweite des derzeitigen Lagerbestands berechnet. Das Analyse-Add-on zeigt aufgeschlüsselt nach den einzelnen Materialien an, wie lange der Bestand ausreicht. In die Berechnung sind sämtliche Zu- und Abflüsse, beispielsweise durch Materialbestellungen und Fertigungsaufträge, einbezogen. Geschäftsführer erhalten dadurch einen strategischen Überblick über den Lagerbestand und erkennen leichter, wo sie eingreifen können, um ihn zu optimieren. Gleichzeitig können Anwender mit dem Analyse-Werkzeug einen geringeren Materialbestand oder eine kürzere Reichweite simulieren und auf diese Weise Einsparpotenziale ermitteln.

Fokus auf kritische Situationen

Das Optimierungstool als zweites Werkzeug von Steeb Be-Opt unterstützt die tägliche Arbeit von Disponenten oder Einkäufern. Es zeigt auf, bei welchen Materialien es kurzfristig – also innerhalb der nächsten Tage oder Wochen – zu kritischen Situationen kommt. Gleichzeitig ermittelt das Programm, wie viel Geld in den einzelnen Beständen gebunden ist.
Dazu werden Daten aus SAP R/3 nach verschiedenen Fragestellungen analysiert: Wie sieht die tagesaktuelle Bestandssituation aus? Bei welchen Materialien wurde zu viel, bei welchen zu wenig bestellt? Wie ist die aktuelle Reichweite? Welchen Einfluss haben Stammdatenparameter auf die Reichweite? Für die Berechnungen stehen dem Anwender fünf einfach zu bedienende SAP-Transaktionen zur Verfügung. Der Analyse liegen die Ergebnisse des Dispositionslaufs in der SAP-R/3-Funktionalität Produktionsplanung (PP) zu Grunde. Das ABAP-Programm greift dazu direkt auf SAP-Daten zu, ohne diese zu verändern. Sollten Änderungen nötig sein, wird in Standardtransaktionen verzweigt.

Durchblick dank grafischer Darstellung

Schneller Überblick über die Reichweite

Schneller Überblick über die Reichweite

Das Optimierungstool wertet die Daten nach dem Reichweitenkonzept aus und zeigt dem Disponenten an, welche Problemfälle er kurzfristig lösen muss. So macht eine grafische Darstellung der Reichweitenverteilung auf einen Blick klar, welche Materialien auffällig lange ausreichen, also möglicherweise in zu großer Menge im Lager vorhanden sind. Anhand der Daten kann der Disponent in SAP Artikel für Artikel prüfen, ob die große Reichweite gerechtfertigt ist, etwa bei langwierig zu beschaffenden Teilen, ob ein Stammdatenfehler vorliegt oder ob schlicht zu viel bestellt wurde.
Um gegenzusteuern, verzweigt der Anwender aus Steeb Be-Opt mit einem Mausklick in die entsprechenden SAP-Anwendungen, etwa Disposition, Einkauf oder Vertrieb. Dort prüft er beispielsweise, ob er die unnötige Bestellung stornieren kann. Ausnahmesituationen lassen sich damit leichter und effektiver bearbeiten. Zurzeit läuft Steeb Be-Opt bei einem Pilotkunden. Hier wird mit einer täglichen Arbeitszeitersparnis von zehn Prozent gerechnet.

Winfried Mergenthaler

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