Ist IT-Outsourcing out?

Feature | 26. September 2013 von Andreas Schmitz 0

Foto: Shutterstock

Foto: Shutterstock

Die Entscheidung bei Automobilhersteller Daimler ist bekanntlich gefallen: Der SAP-Betrieb soll wieder reingeholt werden, eine dreistellige Millionen-Euro-Summe eingespart werden. In der Türkei und Indien will CIO Michael Gorriz nach Angaben der Computerwoche eigene Teams aufbauen, die künftig die Aufgaben der SAP-Dienstleister – darunter IBM, T-Systems und EDS – ersetzen sollen. Dabei regt sich inzwischen leichte Unruhe unter Daimler-Mitarbeitern. Nicht, weil ihre Arbeitsplätze wackeln würden, denn es geht ja um die Aufträge der Dienstleister. Viel mehr ist ihnen nicht klar, ob in der Türkei derart viel Knowhow anzutreffen ist, wie Daimler für den Aufbau hochqualifizierter eigener Teams benötigt. „White spot“ nennt das ein Experte, bestenfalls „grey“. Die Dichte an hochqualifizierten Beratern – so viel scheint klar – ist weitaus geringer als etwa in Deutschland, wenn auch entschieden günstiger. In Indien ist die Situation etwas anders: Zwar ist Indien als IT-Kompetenzfeld alles andere als eine Unbekannte, wahrscheinlich sind auch genügend Experten vor Ort. Dafür ist mindestens fraglich, ob die „Skalierbarkeit“ noch ein Argument ist. Die Gehälter sind – zumindest in den höheren Hierarchieebenen – inzwischen stark gestiegen. Nimmt man die Reibungsverluste durch kulturelle Unterschiede hinzu, verliert das Rechenexempel möglicherweise an Überzeugungskraft.

Statt Outsourcing: Die Autobranche im Insourcing-Fieber

Die Autobranche steckt mitten im Insourcing-Fieber. General Motors hatte mit der Revitalisierung der Eigen-IT Ende vergangenen Jahres begonnen, Daimler nachgezogen. VW prüft aktuell, von welchen Dienstleistern man sich trennen könne. „Vendor-Consolidation“ heißt das im Fachjargon, was kein Insourcing bedeutet, aber in jedem Fall eine Überprüfung der eingesetzten Ressourcen. Die hohe Effizienz ist eine Stärke des Selbstmachens. Dadurch, dass genügend Experten vor Ort sind, lassen sich Projekte ohne Umschweife umsetzen, Bugs schnell beheben, Analysen schnell durchführen. Nachteil: Gerne ergänzen Mitarbeiter eigens programmierte Funktionalitäten, die lediglich lokale Bedeutung haben und nicht als Standard und Blaupause für weltweite Standorte einsetzbar sind. Besonderer Nachteil: Die Eigen-IT bewegt sich in ihrem eigenen „Korridor“, ist möglicherweise in den klassischen Themen ERP und BI sehr stark. In den Trendthemen Mobility und Cloud kann das anders aussehen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Begriffe IT-Outsourcing und Cloud Computing verschwimmen

Dieser Beitrag ist Teil unseres Themenschwerpunkts Outsourcing. Alle Beiträge des Schwerpunkts finden Sie in unserem Special.

A propos Cloud: Gerade hier setzen Dienstleister augenblicklich an, indem sie SAP-Systeme aus der Cloud anbieten und zu flexiblen Konditionen verfügbar machen. „Wächst ein Unternehmen, können wir sehr schnell darauf reagieren“, erläutert der Cloud-Experte Florian Eisner vom Dienstleister CSC,  „genauso schnell, wie wir Kapazitäten erweitern können, lassen sie sich auch reduzieren“. Etwa die Hälfte der Outsourcing-Anfragen beziehen sich bei CSC folgerichtig auf diesen Bereich derzeit. Die Zeiten sind weitgehend vorbei, als es 5-Jahres-Verträge mit festen Abnahmevolumina gab. Grundsätzlich stellt sich für die Kunden also die Frage, ob sie Standardmodelle aus der Cloud einsetzen wollen, mit dem Nachteil, dass ca. 80 Prozent der Funktionalitäten festgelegt und nur 20 Prozent individuell angepasst werden können.  Oder sie die individuelle, aber teure Lösung bevorzugen.

Transfer von Mitarbeitern zum Dienstleister wird seltener

Klar ist: Die Begriffe IT-Outsourcing und Cloud Computing verschwimmen. Der komplette Transfer der gesamten Mitarbeiter zu einem Dienstleister wird eher seltener werden. Auch Autohersteller BMW watet mit einer neuen Sourcing-Strategie auf. BMW betreibt seine IT weitgehend selbst, baut nun eine eigene private Cloud auf, mit eigener Hardware und eigenen Experten. Kein externer Dienstleister, kein klassisches Outsourcing, dafür eine eigene Cloud. Nur eins ist richtig: Es gibt kein Outsourcing mehr, es kommt kein Cloudsourcing. Was bleibt, ist eine Sourcing-Strategie. Und die ist so vielfältig wie nie zuvor.

Tags: ,

Leave a Reply