Großer Vorsprung für SAP-Lösungen

Feature | 7. Juli 2003 von admin 0

Kaum ein größeres produzierendes Unternehmen verzichtet heute noch auf eine ERP-Software. Doch welche Lösung und welche Funktionalitäten werden genutzt? Welche Branchen verwenden welche Lösungen? Und wie beurteilen die Anwender die einzelnen Funktionalitäten ihrer ERP-Lösung?
Um Antworten auf diese Fragen zu erhalten, untersucht der Konradin Verlag seit 1999 die Nutzung von ERP-Lösungen in kleinen, mittleren und großen Unternehmen in Deutschland. Die Studien beleuchten detailliert und differenziert nach verschiedenen Branchen, welche Systeme in den Firmen anzutreffen sind. Dies ist ein entscheidender Unterschied zu den Rankings vieler Marktforschungsunternehmen, die in der Regel auf den Umsatz- oder Lizenzzahlen der Hersteller von ERP-Software basieren. So taucht beispielsweise Oracle in der Konradin-Untersuchung nicht unter den ersten 20 Herstellern auf. Laut den aktuellen Umsatz- und Lizenzrankings zählt das Unternehmen zwar zu den führenden Anbietern, doch in den untersuchten Branchen des deutschen ERP-Anwendermarkts sind Oracle-Lösungen zu wenig verbreitet.

Fünf Branchen unter der Lupe

Die aktuelle ERP-Studie 2003 konzentriert sich auf 1.500 Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern der Branchen Elektrotechnik/Elektronik, Ernährungsindustrie, Fahrzeugbau und -zulieferindustrie, Maschinenbau sowie Metallbe- und -verarbeitung. Der Verlag befragte ERP-Entscheider, etwa EDV- und Betriebsleiter oder Geschäftsführer, ob das Unternehmen eine ERP-Lösung produktiv nutzt und wenn ja, ob es sich um eine Eigenentwicklung oder um ein Standardsystem handelt. Der Verlag erhob zudem die Namen der verwendeten Standardsysteme und der jeweiligen Hersteller.
Diese Befragung ist Grundlage für alle Aussagen der Konradin-Studie in Bezug auf die Verbreitung von ERP-Systemen in Deutschland. Um das Ranking der ERP-Hersteller nach Marktanteilen zu erstellen, wurden die Anteile aller genutzten ERP-Lösungen eines Anbieters summiert. Die Erhebung enthält auch Systeme, die zum Zeitpunkt der Untersuchung übernommen worden sind und solche, die aufgrund ihrer geringeren Verbreitung in der deutschen Industrie nicht im Ranking der Marktanteile erscheinen.

SAP liegt vorn, . . .

Marktanteile

Marktanteile

Die Untersuchung ergab: Mit einem Marktanteil von insgesamt 33 Prozent ist die SAP AG der führende Hersteller. Auf Platz zwei steht die inzwischen vom US-Hersteller Agilisys übernommene Brain AG mit 10,4 Prozent. Danach folgt Microsoft Business Solutions mit 6,6 Prozent – allerdings noch ohne die Anteile der Ende 2002 übernommenen ehemaligen Nixdorf-Lösung Comet.
Nach Betriebsgrößen sortiert zeigt sich, dass kleine Unternehmen häufiger mit kleineren ERP-Herstellern zusammenarbeiten als mit großen. Die Ausnahme ist die SAP AG, die in allen drei untersuchten Betriebsgrößenklassen die Spitzenposition belegt. Bei Betrieben mit 50 bis 99 Mitarbeitern erreicht SAP einen Anteil von 16,8 Prozent, gefolgt von Microsoft Business Solutions mit 8,7 Prozent. In den Betrieben mit 100 bis 499 Mitarbeitern erzielt SAP 29,6 Prozent. Die Nummer zwei ist Brain mit 14,5 Prozent. Im Vergleich zur ERP-Studie 2002 verlor das süd-badische Softwareunternehmen allerdings 3,6 Prozent, während die SAP AG ihren Anteil um 5,2 Prozent ausbauen konnte.

ERP-Nutzung in kleinen Betrieben

ERP-Nutzung in kleinen Betrieben

Insgesamt gesehen sind kleine und mittlere Betriebe die Domäne der deutschen ERP-Anbieter. Neben SAP und Brain sind dies beispielsweise Bäurer, Proalpha, Infor, PSI, Soft M, Abas oder AP. Diese Anbieter haben sich mit ihrer Lösung und ihrem Know-how zumeist auf bestimmte Branchen und Unternehmensgrößen spezialisiert. In Unternehmen mit 500 und mehr Mitarbeitern sind dagegen häufiger die Lösungen internationaler ERP-Hersteller, wie Baan, Geac, J.D. Edwards, IFS, Microsoft Business Solutions, SSA oder Mapics zu finden. Mit einem Marktanteil von 62,6 Prozent ist hier der Vorsprung von SAP allerdings enorm, vor Brain mit 10,4 und Baan mit 9,7 Prozent.

. . . unabhängig von Betriebsgröße und Branche

Die Untersuchung der fünf Branchen ergibt ebenfalls eine führende Position für SAP. In den Betrieben der Ernährungsindustrie erreicht der Walldorfer Softwarehersteller einen Anteil von 31 Prozent – das heißt, fast jedes dritte Unternehmen dieser Branche, das eine Standardsoftware einsetzt, nutzt eine SAP-Lösung. Position zwei nimmt mit 12,4 Prozent Microsoft Business Solutions ein, Rang drei wird von dem Branchenspezialisten CSB mit 6,8 Prozent belegt.
In der metallbe- und verarbeitenden Industrie erreicht SAP einen Marktanteil von 24,6 Prozent, gefolgt von Brain mit 12,6 Prozent. Aber auch hier sank der Brain-Anteil um 4,6 Prozent unter den des Vorjahres. Auf Position drei kann sich Baan mit 6,7 Prozent platzieren. Auf den weiteren Rängen finden sich Infor, Bäurer, Microsoft Business Solutions, Ordat, AP Proalpha und Sage KHK.
In Unternehmen des Maschinenbaus erzielt SAP einen Marktanteil von über 34 Prozent, vor Microsoft Business Solutions mit 9,2 Prozent. Die Berliner PSI AG erreicht Position drei, vor Brain und Proalpha. Im Fahrzeugbau und in der Fahrzeugzulieferindustrie liegt der SAP-Marktanteil bei 37,4 Prozent. Die Nummer zwei ist der Branchenspezialist Brain mit 21,7 Prozent, gefolgt von Bäurer, Baan und PSI.
Mit 40,5 Prozent Markanteil besonders stark vertreten ist die SAP in der Elektrotechnik und Elektronik: An zweiter Stelle liegt Brain mit sieben Prozent, gefolgt von Bäurer, Baan, Microsoft Business Solutions und J.D. Edwards.

Gute Noten für HR-Funktionalitäten, Nachholbedarf beim E-Business

Die unabhängig vom Anbieter am häufigsten genutzten Funktionalitäten in den Industriebetrieben, so ein weiteres Ergebnis der ERP-Studie 2003, sind Materialwirtschaft, Finanz- und Rechnungswesen, Produktionsplanung und -steuerung sowie Vertriebsabwicklung. Sie sind jeweils bei über 80 Prozent der Betriebe integriert. Die Funktionalitäten für E-Business und Dokumentenmanagement werden dagegen nur von jedem vierten, solche für Customer Relationship Management (CRM) und Supply Chain Management (SCM) nur von jedem fünften Betrieb genutzt.
Konradin fragte die Anwender auch nach dem Reifegrad der jeweils verwendeten Funktionalitäten. Die Bewertung erfolgte nach einer Schulnotenskala von sehr gut bis ungenügend. Human Resources (HR) erhielt dabei die besten Noten, während den Funktionalitäten E-Business und Instandhaltung von den Anwendern der geringste Reifegrad attestiert wird. Neben Human Resources – bereits in der ERP-Studie 2002 der Primus – gehören die Finanzbuchhaltung und die Vertriebsabwicklung mit einer 2,2 als Durchschnittsnote zu den nach Ansicht der Anwender ausgereiftesten Funktionalitäten. Es folgen sechs Anwendungen mit Note 2,3, darunter die erstmals untersuchten Funktionalitäten Projektmanagement und Unternehmensplanung/Kontrolle, sowie Betriebsdatenerfassung (BDE), Dokumentenmanagement, Materialwirtschaft und Produktionsplanung und -steuerung (PPS). Auch hier ist der Reifegrad also bereits sehr hoch.

Bewertung der Serviceleistungen

Bewertung der Serviceleistungen

Kundenservice/Wartung, ebenfalls neu abgefragt, erhielt im Durchschnitt eine 2,4, dieselbe Note erhielt PDM und bleibt damit auf dem Niveau des Vorjahres. SCM verbesserte sich um ein Zehntel auf 2,4. Sechs weitere Funktionalitäten erhielten Noten zwischen 2,5 und 2,7, darunter Einkauf und Verkauf per Internet. Hier ist die Anwenderzufriedenheit offensichtlich noch steigerungsfähig. Der Verkauf per Internet bildet mit einer 2,7 das Schlusslicht in der Rangfolge. Die Noten für die Anwendungen Instandhaltung (2,5), Variantenkonfigurator (2,5) und Qualitätssicherung (2,6) verbesserten sich gegenüber dem Vorjahr leicht.
Auf die Frage, wie SAP-Anwender die Funktionalitäten des ERP-Systems SAP R/3 beurteilen, zeigte sich folgendes Bild: Finanzbuchhaltung (FI) und Materialwirtschaft (MM) erhielten eine glatte Zwei. Mit 2,1 ebenfalls eine gute Note gab es für die Vertriebsabwicklung (SD). Die Funktionalitäten Human Resources und Unternehmensplanung/Kontrolle erhielten jeweils eine 2,3, Produktionsplanung und -steuerung bekam die Note 2,4. Die Funktionalitäten CRM, Einkauf über Internet und Qualitätssicherung wurden von den Anwendern mit 2,5 benotet. SCM, Projektmanagement, Verkauf übers Internet und Dokumentenmanagement (DMS) erreichten die Note 2,6.
Weitere Informationen zu der aktuellen ERP-Studie 2003 sowie Auszüge aus den vorangegangenen Studien 1999 bis 2002 sind im Internet unter www.computer-produktion.de, Menüpunkt “Marktstudien” zu finden.
Weitere Artikel zum Thema ERP stehen in der Print-Ausgabe von SAP INFO.

Hans-Joachim Stotz

Hans-Joachim Stotz

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