Grün kommt in Fahrt

Feature | 24. September 2009 von Uta Spinger 0

Die Bahnspedition Green Cargo verlagert den Transport auf die Schienen

Die Bahnspedition Green Cargo verlagert den Transport auf die Schienen (Foto: Green Cargo)

Allein in Deutschland verstopfen Tag für Tag rund 1,2 Millionen Lkw die Transportwege. Die Konkurrenz ist hart; nur wer Güter schnell und billig von A nach B bringt, überlebt. Doch langsam entdecken die Auftraggeber ihr grünes Gewissen und versuchen, die CO2-Bilanz ihrer Logistik zu verbessern. Die Bahn kommt wieder in Mode, hat allerdings gegenüber der flexibleren Konkurrenz von der Straße einiges aufzuholen. Zu den Dienstleistern, die die Zeichen der Zeit erkannt haben, gehört Green Cargo, entstanden 2001 durch Ausgliederung der Logistiksparte der schwedischen Staatsbahn. Das Unternehmen positioniert sich vor allem als saubere Alternative zum Transport auf der Fernstraße.

Seit Jahren investiert es in Lokomotiven mit niedrigem Energieverbrauch. „Den Großteil der Fracht transportieren wir mit Elektroloks“, so CIO Björn Rosell. „Außerdem modernisieren wir unsere Dieselmotoren, damit der CO2-Ausstoß unserer Flotte sinkt.“

Doch damit nicht genug. Die Logistiker bieten ihren Kunden auch an, Container zunächst den Großteil der Strecke per Bahn zu befördern, in Zielnähe auf Lastwagen umzuladen und damit zum Bestimmungsort zu fahren. Auf Wunsch kümmert sich die Logistikabteilung auch um die Lagerung. Der flexible Service überzeuge viele Kunden, auf die Schiene zu wechseln, erklärt Rosell. „Jetzt macht sich unsere Nachhaltigkeitsstrategie bezahlt. Die Kunden wissen, dass umweltfreundliche Logistik unser Geschäftsmodell ist.“

Neue Ziele, neue IT

Möglich werde das vielseitige Angebot durch eine Modernisierung der Konzern-IT, betont der Chefinformatiker. Die alte Software genügte einem Monopolisten, der lediglich für einen reibungslosen Bahnbetrieb zu sorgen hatte. Um im Wettbewerb zu bestehen, brauchte Green Cargo aber ein System, das Produktion, Vertrieb und Planung gleichermaßen unterstützte. Deshalb entschied man sich für die SAP Business Suite 7.

Die Module Finanzwesen, Materialwirtschaft und Vertrieb hatten die Schweden bereits im Einsatz. Ergänzend führten sie binnen 18 Monaten die SAP-Applikationen Transportation Management, Customer Relationship Management, Event Management, NetWeaver Business Warehouse und NetWeaver Portal ein. Die Integrationsplattform Microsoft BizTalk ersetzten sie durch SAP NetWeaver Process Integration. „Bald werden wir unser gesamtes Kerngeschäft mit SAP abwickeln“, berichtet Rosell.

Prozesse ohne Umsteigen

„Erst der hohe Integrationsgrad des SAP-Systems verschafft uns ein Gesamtbild unserer Abläufe und ermöglicht durchgängige Prozesse über alle Sparten hinweg“, so der CIO. Die Geschäftsfelder Bahn, Straße und Logistik waren zuvor separate Firmen, die jeweils eigene Systeme betrieben. Mit dem SAP Event Management könne man Aufträge nun ohne Medienbruch bearbeiten und dem Kunden den Status jederzeit im Internet anzeigen. Zudem, glaubt Rosell, fielen die IT-Betriebskosten auf der Integrationsplattform geringer aus.

Die Kunden sind vom neuen System ebenfalls angetan, denn sie erhalten jetzt mehr Informationen. Zu den 1.500 Klienten der Spedition gehören neben der Industrie (Stahl, Holz, Papier, Automobil) auch Weinhändler sowie die Filmbranche. In ihrem Auftrag bringt Green Cargo Streifen aus anderen europäischen Ländern in die schwedischen Kinos.

In der Auslieferung arbeitet das Unternehmen mit Zustelldiensten zusammen. Auch hier bewährt sich die neue Software. Per EDI geht die Order an den Partner, dessen Rechnung auf demselben Weg zurück. „Als nächstes planen wir elektronische Ausschreibungen“, erzählt Rosell. Bei diesem Verfahren geben die Spediteure ihre Angebote online ab, und Green Cargo wählt den günstigsten aus.

„Mit der SAP Business Suite lassen sich neue Transportkonzepte oder Services schneller umsetzen“, schwärmt der IT-Leiter. „Von der Idee zum Prozess ist es im System nur ein kurzer Schritt. So sichern wir uns einen Wettbewerbsvorsprung.“

Europaweit freie Bahn

Die Schweden verfolgen ehrgeizige Pläne. Zusammen mit Bahnbetreibern aus sechs weiteren Ländern, darunter die Deutsche Bahn und die französische SNCF, schmieden sie nach dem Vorbild der Luftfahrtbranche eine Allianz europäischer Schienenlogistiker. Gemeinsam will man Routen, Systeme und Zeitpläne zum grenzüberschreitenden Gütertransport optimieren. Dabei sind unter anderem EU-Vorschriften über den Datenaustausch zwischen den Betreibern einzuhalten. In Zusammenarbeit mit 50 Unternehmen der Branche entwirft die Firma ELOG aus der Schweiz die IT-Lösung dazu.

Um dem Lastwagen den Rang abzufahren, muss sich die Bahnlogistik freilich noch stärker am Markt orientieren. Rosell nennt ein Beispiel: „Wenn wir dem Kunden ein Angebot über eine Fuhre von Schweden nach Italien unterbreiten wollen, fragen wir zuerst die Deutschen, die Österreicher und die Italiener, was das jeweils auf ihrem Streckenabschnitt kostet. Ist der Preis dem Kunden zu hoch, fängt die Verhandlung mit allen Parteien von vorne an. So kann sich das Wochen hinziehen. Wendet sich der Interessent hingegen an eine LKW-Spedition, bekommt er binnen 24 Stunden eine Antwort.“

Daher sei es in den nächsten Jahren vordringlich, in Europa ein transparentes und effizientes Schienentransportnetz zu knüpfen. Davon werden nicht nur Logistiker wie Green Cargo profitieren – auch die Umwelt wird es danken.

Green Cargo

Das schwedische Logistikunternehmen Green Cargo ist mit rund 3.200 Mitarbeitern an über 100 Standorten in Skandinavien und im übrigen Europa vertreten. Die Fracht wird zu 94 Prozent in elektrisch angetriebenen Güterzügen befördert. Green Cargo ist mit dem Umweltzeichen des schwedischen Naturschutzvereins zertifiziert. Die Spedition liefert vor allem nach Norwegen, Deutschland und Italien. Vom Umsatzerlös entfallen 80 Prozent auf den Schienenverkehr, 13 auf den Transport per LKW und 7 auf sonstige Logistikdienste.

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