Technologietage: SAP HANA und mehr

Feature | 16. Februar 2011 von Christiane Stagge 0

DSAG-Technologietage 2011: Neue Produkte und versöhnliche Töne (Foto: Christiane Stagge)

DSAG-Technologietage 2011: Neue Produkte und versöhnliche Töne (Foto: Christiane Stagge)

Grauer Schneeregen, eisiger Wind und Minusgrade – in Hannover beginnt die CeBIT zwar erst in zwei Wochen, das schlechte Wetter scheint sich jedoch jetzt schon traditionell darauf einzustimmen. Noch sind die großen Hallen leer und nur vereinzelt umherfahrende LKWs erinnern an die Aufbauarbeiten der weltgrößten IT-Messe.

Im Convention Center herrschte jedoch schon jetzt Messestimmung: 1420 Teilnehmer treffen sich derzeit auf den Technologietagen der DSAG. Mit dabei: SAP-Vorstände Michael Kleinemeier und Gerd Oswald.

Der Tenor des Kongresses ist versöhnlich, was wohl auch daran liegen mag, dass die eigentlichen Diskussionen nicht öffentlich, sondern in den Arbeitskreisen geführt werden. Ging es im vergangenen Jahr auf den DSAG-Technologietagen in Mannheim noch um die Entflechtung von SAP-Systemen, steht diesmal die individuelle Software für jede Firma im Mittelpunkt.

Fokus auf ERP 6.0

Kurz zuvor hatte die DSAG eine Umfrage unter ihren Mitgliedsunternehmen zum Thema Investitionsbereitschaft in IT durchgeführt. Das Ergebnis: ERP 6.0 bleibt das Kernprodukt. Mittlerweile setzen 83 Prozent der Firmen diese Software ein. Unter denjenigen, bei denen  das aktuelle Release noch nicht im Einsatz ist, planen 13 Prozent ein Upgrade auf Version 6.0. Auch wenn kein neues Release wie ERP 7.0 derzeit geplant ist, geht die DSAG davon aus, dass Support und Wartung von ERP 6.0 bis 2020 laufen.

Auch Virtualisierung ist eines der Themen, das die Kunden am meisten bewegt und in dem Investitionen geplant sind. Mobile und Cloud Computing stoßen zwar auf reges Interesse, Geld wollen aber dafür bisher die wenigsten Firmen ausgeben. Grund dafür seien Hemmnisse und Unsicherheiten, die bezüglich Compliance, Sicherheit und Datenschutz bestehen.

Einfach, flexibel, effizient, mobil – das sind laut Dr. Marco Lenck die Haupteigenschaften, die Unternehmenssoftware erfüllen muss. In seiner Eröffnungsrede betont der DSAG-Technologie-Ressortchef die Erfolge des letzten Jahres und lässt die wichtigsten SAP-Produkte Revue passieren:

EHPs: Zu wenig Informationen seitens SAP

Erweiterungspakete, sogenannte Enhancement Packages, finden bei den Kunden deutlichen Anklang. Wie eine Umfrage ergab, setzen 60 Prozent der Nutzer EHPs ein, jedoch nutzt nur die Hälfte davon wirklich alle Funktionen. Hier müsse die SAP in ihrer Informationspolitik, einiges nachholen. EHPs in Kombination mit Service Packages setzen sich beim Kunden immer mehr durch. Ebenfalls ein Erfolg: Releasewechsel erfolgen laut Lenck heute nur noch mit geringer Unterbrechung. Die Ausfallzeiten seien deutlich minimiert worden.

Auch in der Bedienung gibt es Verbesserung: EHP Installer und Maintenance Optimizer helfen beim Einspielen der Enhancement Packages.  Zudem wird der SAP Solution Manager von EHP 5 voll unterstützt. Es ist möglich, entweder ein selektives oder komplettes Upgrade durchzuführen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: SAP HANA ersetzt Datenbanken?

Zwei Wochen vor der CeBIT: Technologietage 2011 in Hannover (Foto: Christiane Stagge)

Zwei Wochen vor der CeBIT: Technologietage 2011 in Hannover (Foto: Christiane Stagge)

Gut besucht: 1420 Teilnehmer auf den DSAG-Technologietagen (Foto: Christiane Stagge)

Gut besucht: 1420 Teilnehmer auf den DSAG-Technologietagen (Foto: Christiane Stagge)

SAP HANA ersetzt Datenbanken?

SAP HANA ist ein Produkt, dass offiziell auf der TechEd 2010 vorgestellt wurde, dessen Prinzip Hasso Plattner aber auf der SAPPHIRE 2010 bereits erklärt hat. Zur Erinnerung zeigte Lenck die Fotografie einer der handgezeichneten Folien des SAP-Gründervaters. SAP HANA ermöglicht die Auswertung von Geschäftsdaten in Echtzeit. Damit sollen ganze ERP-Systeme im Hauptspeicher abgebildet werden können.

Bisher wollen laut Lenck nur zwei Unternehmen die neue Technologie einsetzen. Der Grund: In Sachen Hardware müsse man einiges investieren. Vielen Firmen genüge die klassische Reporting-Software und sie warteten erstmal ab. Wenn HANA allerdings wirklich Realität wird, erläuterte Lenck und zeigte dabei auf Plattners Folie, bestehe die Möglichkeit, ganze Datenbanken damit abzulösen. Künftig würden keine BW-Systeme mehr benötigt werden. Firmen könnten IT- und Personalkosten sparen.

SAP Solution Browser spricht deutsch

Der Solution Browser liefert alle nötigen Informationen zu den Neuerungen in den einzelnen Releaseupgrades und Enhancement Packages. Er hilft demzufolge beim Einspielen von EHP 5. Bisher war das Tool nur in englischer und koreanischer Sprache verfügbar, was bei vielen Kunden für Verständigungsprobleme sorgte. Nun ist er auch in Deutsch erhältlich. Gleiches gilt für SAP Business Function Prediction, mit dem sich eine Firma die neuen Funktionen und Verbesserungen konkret an Beispielen vorführen lassen kann.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: NetWeaver 7.3 & Technologie-Roadmaps

Roadmaps, Diskussionen, Vorträge: Reger Austausch zwischen SAP und Kunden (Foto: Christiane Stagge)

Roadmaps, Diskussionen, Vorträge: Reger Austausch zwischen SAP und Kunden (Foto: Christiane Stagge)

NetWeaver 7.3: Eine einheitliche Plattform

ABAP und Java: Mit NetWeaver 7.3 ist ein Wunsch vieler Kunden in Erfüllung gegangen. Das neue Release ist eine konsolidierte Plattform und verursacht keine Trennung mehr in zahlreiche, unabhängige Systeme. NetWeaver 7.3 ist Applikationsserver und Technologieplattform in einem und beherrscht neben ABAP und Java auch WebPage, Composer, bietet Wikis und Kollaborationsmöglichkeiten. BusinessObjects 4.0 ist das erste Release, das komplett auf NetWeaver 7.3 abgestimmt ist.

Roadmaps für SAP-Technologie

In seiner Rede erinnert Lenck an weitere Erfolge: In Sachen ABAP gebe es Produktivitätsverbesserungen. Der DSAG-Technologiechef lobt Funktionen wie Page Builder, WebDynpro und ABAP-Konfiguration.

Ein weiterer Vorteil: Für SAP-Kunden gibt es im Service Marketplace jetzt auch Roadmaps, die die Technologie betreffen. Bisher konnte man nur die geplanten Businessfunktionen einsehen. Die SAP Technologie-Roadmaps können Admins unter http://service.sap.com/roadmap abrufen.

Lesen Sie morgen im zweiten Teil, was SAP seinen Kunden an neuen Produkten verspricht.

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2 comments

  1. T. Carnes

    Lieber Herr Lenck, liebe SAP.info,
    ich bin über die Qualität Ihrer Beiträge doch sehr überrascht! Wie kann man einerseits von HANA als DB reden und dann glauben, dass man damit BW (eine DW Anwendung aufbauend auf einer DB) ersetzen kann? Es gibt im SDN eine Menge guter Beiträge zum Thema und die – meist auch von SAP Seite – genau das Gegenteil darstellen! Siehe z.B.
    http://www.sdn.sap.com/irj/scn/weblogs?blog=/pub/wlg/23069
    http://www.sdn.sap.com/irj/scn/weblogs?blog=/pub/wlg/21575
    Da habe ich mir doch wirklich mehr Qualität von Ihrer Seite erhofft.

    • cstagge

      Hallo T. Carnes, Herr Dr. Lenck bezog sich in seinem Vortrag auf die Rede von Hasso Plattner (SAP-Gründer) auf der SAPPHIRE NOW Mai 2010. In seiner Rede erläuterte Plattner die In-Memory-Technologie, siehe Artikel “Plattners Strategie: Daten im Arbeitsspeicher” http://de.sap.info/plattners-strategie-daten-im-arbeitsspeicher/32550 oder “Ungekochte Spaghetti” http://de.sap.info/sapphire-2009-hasso-plattner/11605. SAP HANA basiert auf In-Memory Technologie, die es ermöglicht, Daten in Echtzeit auszuwerten, weil sich diese im Arbeitsspeicher befinden und nicht wie üblich über Umwege aus der Datenbank gezogen werden müssen.

      Mit freundlichen Grüßen, Christiane Stagge – Redaktion SAP.info –

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