„SAP ist ein Datenbankunternehmen“

20. April 2012 von Jennifer Lankheim 0

SAP HANA ist das am schnellsten wachsende Produkt in der Geschichte der SAP und ein wesentlicher Aspekt der Datenbank-Strategie. (Foto: Malcolm Kimberlin)

„Was ich Ihnen heute berichten werde, ist noch viel spektakulärer als die Aussicht“, sagte Jonathan Becher, Chief Marketing Officer, in Anspielung auf die Rundumsicht aus dem 32. Stock des Westin St. Francis Hotel.

Laut Becher wird sich mit der Nachricht, dass das Unternehmen nun in Bereiche vordringt, die so gar nicht zu seinem Ruf als reiner ERP-Anbieter passen, die allgemeine Wahrnehmung der SAP grundlegend verändern.

„Wenn man nach dem heutigen Tag den Begriff ,Datenbank‘ hört, wird man an SAP denken“, so Becher auf der Pressekonferenz in San Francisco.

SAP – ein Datenbankunternehmen

Die SAP verkündete, sich bis 2015 zu einem führenden Datenbankanbieter etablieren zu wollen und erläuterte ihre Vision von einer Plattform zur Datenverarbeitung in Echtzeit – bestehend aus der Plattform SAP HANA, den Angeboten von Sybase im Bereich Datenmanagement sowie den SAP-Lösungen für Enterprise Information Management (EIM).

„Wir sind davon überzeugt, dass wir mit unserer revolutionären, zukunftsweisenden Architektur und 28 Jahren Erfahrung in der Bereitstellung erfolgskritischer Datenbanktechnologien (durch Sybase) nun in der Lage sind, das am schnellsten wachsende Datenbankunternehmen der Welt zu werden“, so SAP-Vorstandsmitglied Vishal Sikka.

<Vishal Sikka, Vorstandsmitglied der SAP (Foto: Malcolm Kimberlin)

SAP gab bei einer Pressekonferenz in San Francisco bekannt, ein wichtiger Wettbewerber in der Datenbanken-Industrie werden zu wollen. (Foto: Malcolm Kimberlin)

Zentrale Rolle bei dieser Strategie spielt die In-Memory-Datenbankplattform SAP HANA. Den Worten von Steve Lucas zufolge, Executive Vice President und General Manager für den Bereich Datenbanken und Technologie bei der SAP, hilft SAP HANA den Kunden dabei, in noch nie dagewesenen Geschwindigkeiten Informationen abzurufen und bereitzustellen. Weiterhin sagte er, dass sich SAP HANA bereits als äußerst erfolgreich etabliert hat. Im Jahr 2011 habe SAP HANA 200 Millionen US-Dollar Umsatz erwirtschaftet und wurde von mehr als 300 Kunden eingesetzt.

„Es war sicherlich ein aufregender Schritt, aber unsere Kunden äußern sich in großer Zahl begeistert über SAP HANA. Die Plattform ist das am schnellsten wachsende Produkt in der SAP-Geschichte“, sagte Lucas. „SAP HANA ist der Antriebsmotor, den wir brauchen, um ein echtes Technologie- und Datenbankunternehmen zu werden“, erklärte er.

Bei vielen SAP-Kunden läuft das Vorzeigeprodukt der SAP – die ERP-Anwendungen der SAP Business Suite – noch auf Datenbanken von Wettbewerbern. SAP hofft, sie davon überzeugen zu können, stattdessen SAP HANA zu nutzen.

„SAP ist ein Datenbankunternehmen. Wir setzen auf diesen Markt. Und wir wollen unsere Kunden mit dieser Technologie äußerst erfolgreich machen“, sagte Lucas. „Wir haben uns auf diesen Markt langfristig festgelegt.“

Aber warum?

„Es ist nicht so, dass wir eines Morgens aufwachten und beschlossen, ein Datenbankunternehmen zu werden“, sagte Lucas. „Wir haben uns dazu entschlossen, weil uns unsere Kunden um Hilfe baten. Ihrer Meinung nach brachten die bestehenden Datenbankanbieter nicht schnell genug Innovationen hervor. Und sie brachten immer mehr -anstatt weniger- verschiedene Dinge auf den Markt: Erst transaktionale Datenbanken, dann jetzt Data Warehouses und darauf aufbauend multi-dimensionale Speicher und OLAP-Cubes und Data Marts, und so geht die Liste immer weiter und weiter.“

„Ziel der SAP ist es, den Kunden zu helfen, alle diese Systeme zusammenzubringen“, erklärte Lucas, „um dann letztendlich vieles mit einer Lösung – einer einzigen – zu machen und damit gleichzeitig Geld zu sparen.“

Mit der Konsolidierung allein ist es aber nicht getan, so Lucas. Es geht um die Anwendungen.

„Niemand, der ein Unternehmen führt, wacht eines Morgens auf und sagt ‚Ich brauche eine riesige Datenbank im Kühlschrankformat, um damit mein Geschäftsproblem zu lösen‘“, erklärte er. „Er wacht auf und sagt: ‘Ich habe ein Geschäftsproblem und brauche eine Anwendung, um dieses Problem zu lösen.‘ Anwendungen lösen Bedarf nach Datenbanken aus und nicht umgekehrt. Wir entwickeln die Anwendungen. Wir entwickeln die Datenbank. Und wir werden uns in diesem Markt als Sieger etablieren.“

Die In-Memory Datenbank vereinfacht die IT-Landschaft massiv. (Foto: Malcolm Kimberlin)

Vorstandsmitglied Vishal Sikka gab sich noch weitblickender. Die Hinwendung der SAP zum Datenbankmarkt sei nicht einfach ein logischer Schritt auf dem Weg nach oben. Es gehe stattdessen darum, Kunden vollkommen neue Wege der Geschäftsabwicklung zu eröffnen und neue Horizonte zu suchen oder gar neu zu definieren.

„Unserer Ansicht nach haben wir die Chance, der am schnellsten wachsende Datenbankanbieter der Welt zu werden. Uns motiviert aber dabei etwas ganz Anderes“, sagte er. „Wir glauben, dass wir die einzigartige Chance haben, die Echtzeitabwicklung für Unternehmen neu zu überdenken. Wir haben die Chance, jedes unsere Produkte ohne größere Unterbrechung zu erneuern. Noch wichtiger aber ist, dass wir in völlig neue Bereiche vordringen können wie das Gesundheitswesen, die vorbeugende Instandhaltung, das Echtzeit-Banking oder Anwendungen für Verbraucher. Uns motiviert viel mehr, was wir tun können, um dort Nutzen zu bringen.“

Investition in die Zukunft

Um dieses Ziel zu erreichen, wird SAP einen Venture Fund mit einem Volumen von 155 Millionen US-Dollar für Start-ups einrichten, die Anwendungen auf der neuen Plattform entwickeln. Desweiteren ist ein Incentive-Programm in Höhe von 337 Millionen US-Dollar geplant, um Kunden für den Umstieg auf SAP HANA zu gewinnen.

Laut Sikka sollen diese Initiativen der SAP dabei helfen, Grenzen zu durchbrechen. „Unser Ziel ist es nicht, einfach nur besser zu machen  was wir bisher gemacht haben. Unser Ziel ist, in völlig neue Gebiete vorzudringen“, so Sikka. „Unsere Köpfe denken irgendwie immer, dass die Zukunft einfach nur eine Fortführung der Vergangenheit ist. Das muss aber nicht zwangsweise so sein. Denn wir können die Zukunft auf der Grundlage dessen gestalten, was erstrebenswert, machbar und realisierbar ist. Deshalb sind wir sehr motiviert, mit diesen Technologien völlig neue Sphären für SAP zu erschließen.“

SAP wird auch sicherstellen, dass Entwickler und Datenbankadministratoren Zugriff auf die besten Schulungsunterlagen für SAP HANA sowie Gratiszugang zu entsprechenden Entwicklungs- und Testumgebungen haben. „Wir wissen, wie wichtig es ist, dass unsere Kunden und Partner uns auf diesem Weg begleiten“, sagte Lucas. „Wir werden dafür sorgen, dass die Entwickler und Datenbankadministratoren kostenlosen Zugriff auf das beste Schulungs- und Zertifizierungsmaterial erhalten.“

Jonathan Becher, SAP Chief Marketing Officer und Steve Lucas (Foto: Malcolm Kimberlin)

Sanjay Poonen, President und Corporate Officer, SAP Global Solutions (Foto: Malcolm Kimberlin)

Mobile 2.0-Strategie

Die SAP kündigte außerdem an, ihre Angebote bei den mobilen Lösungen durch einen Firmenerwerb, drei neue Partnerschaften und die branchenweit erste einheitliche Plattform für mobile B2E- (Business-to-Employee) und B2C-Anwendungen (Business-to-Consumer) zu erweitern.

„Wenn man unsere Pläne, die Datenbank neu zu erfinden, mit einer mobilen Plattform kombiniert, kommt dies einer Revolution gleich“, sagte Sanjay Poonen, President und Corporate Officer für SAP Global Solutions. „Da fügt sich zusammen, was zusammengehört: optimaler mobiler Benutzerkomfort und Echtzeitzugriff auf SAP-Informationen.“

Bei der Pressekonferenz gab SAP auch drei neue Partnerschaften bekannt. (Foto: Malcolm Kimberlin)
SAP kündigte Entwicklungspartnerschaften im Bereich der mobilen Lösungen mit Adobe, Appcelerator und Sencha an. Ziel dieser Partnerschaften ist, den Anwendern eine offene Entwicklungsplattform bereitzustellen, auf der sie kostengünstig und effizient Applikationen entwickeln können. „Wenn wir unsere Kräfte mit diesen führenden Anbietern mobiler Anwendungen bündeln, erleichtern wir es den großen Entwicklergemeinden, die zuweilen mehreren Millionen Mitglieder haben, innovative Anwendungen auf unseren Plattformen zu entwickeln“, meinte Poonen.

Außerdem gab SAP bekannt, das Unternehmen Syclo kaufen zu wollen, einen führenden Anbieter mobiler Unternehmensanwendungen und Technologien in Branchen wie Versorgungswirtschaft, Öl und Gas, Life Sciences und Fertigung. Mit diesem Kauf erwirbt SAP die Erfahrung und das Know-how von Syclo im Bereich mobiler Anwendungen für Versorgungs-, Fertigungs- und andere Unternehmen. Die Lösungen von Syclo werden in das SAP-Portfolio für mobile Lösungen aufgenommen. Auch die Mitarbeiter von Syclo werden in die SAP integriert. Der Abschluss dieser Transaktion wird für das zweite Quartal 2012 erwartet.

Die nächsten Schritte

Zum Abschluss der Pressekonferenz unterstrich die SAP erneut ihre Absicht, Investitionen gemeinsam mit Kunden zu tätigen, um die Einführung ihrer Datenbankplattformtechnologien zu beschleunigen. „Wenn ein Unternehmen in diese Technologien investiert, investieren wir zusammen mit diesem Unternehmen in entsprechende Services“, erklärte Lucas. „Wir wollen den Prozess beschleunigen. Denn dieses Jahr ist ein wichtiges, ein entscheidendes Jahr. „Wir können auf einem enormen Erfolg aufbauen, der 2011 zum entscheidenden Durchbruch geführt hat. Nun ist es an uns, unseren Kunden bessere Lösungen anzubieten und größere Marktanteile für uns zu gewinnen.“

Die SAP HANA Experten beantworten Fragen aus dem Publikum. (Foto: Malcolm Kimberlin)

Ab sofort allgemein verfügbar

SAP gab auch bekannt, dass im April die Komponente SAP NetWeaver Business Warehouse (SAP NetWeaver BW), powered by SAP HANA, und SAP Sybase Adaptive Server Enterprise (ASE) als Datenbankoption für die SAP-Business-Suite-Anwendungen allgemein verfügbar sind.

SAP Sybase ASE: Damit bietet sich SAP Sybase ASE künftig als Option für die Anwendungen der SAP Business Suite an. SAP HANA soll die umfassenden Transaktionen von SAP Sybase ASE mit Echtzeitfunktionen für das Reporting ergänzen.

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