Heilmittel für das ERP-Rückgrat

Feature | 17. Oktober 2007 von admin 0

Millionen Menschen werden von Schmerzen im unteren Rückenbereich geplagt, nach Aussage der britischen Medizin-Zeitschrift „Clinical Evidence“ sind es in den Industrienationen über 70 Prozent der Einwohner. Das Leiden gilt daher als eine der häufigsten Ursachen für Arztbesuche.
Den oft zu Grunde liegenden Abnutzungen der Bandscheiben im unteren Bereich der Lendenwirbelsäule wird meist mit einer chirurgischen Fusion begegnet. Jährlich führen US-Chirurgen mehr als eine Million Operationen an der Wirbelsäule durch. Obwohl Lendenwirbelfusionen nur einen Teil davon ausmachen, schlagen die Kosten hierfür mit mehr als einer Milliarde US-Dollar zu Buche.
Der Eingriff lindert zwar häufig effektiv die Schmerzen, schränkt jedoch auch die Bewegungsfreiheit ein und ist oft mit einer mehrmonatigen Rekonvaleszenz verbunden.

Kleinerer Eingriff, schneller fit

Hier setzt die TranS1 Corporation an, ein in Privatbesitz befindliches Unternehmen mit Sitz in Wilmington, North Carolina. Die Firma konstruiert, entwickelt und vertreibt Produkte, mit denen sich degenerative Bandscheibenerkrankungen in der Lendenwirbelsäule minimal-invasiv behandeln lassen. Das neue System „AxiaLIF“ beispielsweise soll gemäß klinischer Studien die Rekonvaleszenz erheblich verkürzen. Viele Patienten können schon 24 Stunden nach der Operation das Krankenhaus verlassen und sind nach zwei Wochen wieder arbeitsfähig.
Laut Rick Randall, Präsident und CEO der TranS1 Corporation, wurden seit der Markteinführung im Jahr 2005 weltweit über 2000 Patienten mit AxiaLIF behandelt. „Unsere Art der Lendenwirbelfusion besteht aus nur zwei ‚Stichen‘ und ist somit eine echte Alternative zu den ansonsten deutlich umfangreicheren Eingriffen oder dem Bandscheiben-Ersatz“, so Randall.
In 37 US-Bundesstaaten und weiteren sieben Nationen weltweit wird schon mit dem minimal-invasiven Verfahren operiert – Tendenz steigend, da immer mehr Wirbelsäulenchirurgen dafür ausgebildet sind.

Straffen für internationale Expansion

Das Wachstum der TranS1 Corporation gründet sich indes längst nicht nur auf den steigenden Marktanteil von AxiaLIF. So entwickelt das Unternehmen beispielsweise auch eine künstliche Bandscheibe und einen prothetischen Bandscheibenkern, die sich mit AxiaLIF einbringen lassen. Um mit dieser Palette international Fuß zu fassen, brauchte die Führungsriege um Randall auch eine geeignete Software-Lösung. Zum einen galt es, Betriebsabläufe zu straffen, etwa in der Warenwirtschaft und Bestandsführung, oder um bessere Absatzprognosen zu erhalten. Außerdem wollte die TranS1 Corporation bei der Losverfolgung gleich Nägel mit Köpfen machen.
Zum anderen war es zwingend notwendig, dass die gesuchte Software-Lösung die strengen Kriterien der US-Bundesbehörde zur Überwachung von Nahrungs- und Arzneimitteln (FDA) abbildet. Denn die TranS1 Corporation wollte sofort über eine wasserdichte Prüfungskette verfügen, ohne mit bestehenden Regularien zu kollidieren.

Validierung auf Platz 1

Für das Auswahlverfahren nahm die TranS1 Corporation daher Vertreter aus jedem Unternehmensteil an Bord, die zunächst die Anforderungen festklopften. Neben allgemeinen Kriterien – Blick auf sämtliche Geschäftsprozesse oder Budgettreue bei der Einführung – stand die Validierung der FDA ganz oben auf der Liste. „Wir brauchten eine Lösung, die die Überwachungstechnik der FDA für Qualitätssicherungssysteme (QSIT) abbildet“, so Greg Manson, Leiter der IT bei der TranS1 Corporation. „Nur wenige Softwareunternehmen konnten diese wichtige Vorbedingung erfüllen.“ Aus einem Feld von ursprünglich 15 Bewerbern kamen daher nur zwei in die Endauswahl, in der sich schließlich SoftBrands mit der FourthShift Edition für SAP Business One durchsetzte.
„Wir haben uns für die FourthShift Edition für SAP Business One entscheiden, weil die Lösung über das solide Fundament von SAP Business One verfügt und die integrierten Fertigungsmodule unseren Betrieb inklusive der Validierung unterstützen“, erklärt Manson. „Außerdem bekannte sich SoftBrands ganz klar dazu, die Implementierung – die sich am Ende als ganz unproblematisch erwies – mit uns zum Erfolg zu bringen.“

Regeln erstellen, Regeln umsetzen

Manson zitiert eine Grundregel für Technologieprojekte von James Owen, InfoWorld, die der Implementierung als Philosophie diente: „Intelligente Instrumente liefern nur dann intelligente Ergebnisse, wenn sie auch von intelligenten Menschen benutzt werden. Übertragen auf die TranS1 Corporation haben wir daher Regeln für unsere Unternehmensprozesse aufgestellt und in die Software integriert, die uns wiederum dabei geholfen hat, Regeln aufzustellen.“
So wurden beispielsweise innerhalb von SAP Business One die Regeln für Arbeitsabläufe mit den Zugriffsrechten der Anwenderprofile gekoppelt. Außerdem legte die TranS1 Corporation bevorzugte Lieferanten fest, erstellte Liefertabellen und wies externen Partnern wie Spediteuren oder Behörden eindeutige Identitäten zu. Ein besonders Augenmerk galt dem Dokumentenmanagement und dem Umgang mit Datenquellen. Hier musste die Integrität der Geschäftsunterlagen gewährleistet sein, indem die Unternehmensregeln zuverlässig angewendet werden.

Risikomanagement bis zum Go-Live

Die Validierung wiederum wurde vor dem Wechsel auf die neue Unternehmenssoftware abgeschlossen. Für Qualitätsmanagerin Cheryl Wagoner war das eine der Grundvoraussetzungen für die Risikominimierung: „SoftBrands unterstützte mich bei der Anpassung der nötigen Skripte. Das ganze Verfahren ging reibungslos vonstatten“, sagt sie. „Ich habe insgesamt nur rund zwanzig Stunden für die Überprüfung gebraucht – wesentlich angenehmer, als wochenlang Skripte selbst zu schreiben und sich dann am Ende noch jemanden suchen zu müssen, der wiederum meine Arbeit überprüft.“
Für die TranS1 Corporation war ebenfalls wichtig, dass die Implementierung von einem Risikomanagement begleitet wurde. Es schaltete sich immer dann ein, wenn Daten oder Funktionen in FourthShift Edition für SAP Business One mit behördlichen Anforderungen an Arbeitsprozesse (current good manufacturing processes) in Einklang zu bringen waren. Genau an diesen Stellen nahm SoftBrands schwerpunktmäßig Tests vor und erstellte ausführliche Dokumentationen – anstatt den gesamten Funktionsumfang der Lösung zu überprüfen.

Weniger Bestand, raschere Antworten

Auf der operativen Ebene, bilanziert Greg Manson, „hat die neue Software die Kosten in der Lagerhaltung erheblich reduziert.“ Ein Beispiel ist die Bestandshaltung für den Außendienst: Früher konnten die Vertriebsmitarbeiter jeden gewünschten Bestand anfordern und vorhalten – Ein teures und ineffizientes Konzept. Heute ist jeder Außendienstler in der Software durch einen „Behälter“ repräsentiert, der sich zentral einsehen lässt und gemäß der Vertriebshistorie gefüllt wird. Hinzu kommt jeweils noch eine Reserveeinheit. Dadurch ist beispielsweise der Bericht über die Außendienstbestände von zehn auf eine Seite geschrumpft.
Bei der Losverfolgung wechselte die TranS1 Corporation von einem papiergestützten Ablauf zu einem voll automatisierten Prozess. Cheryl Wagoner: „Wenn es früher irgendwo Fragen gab, mussten wir uns in Handarbeit durch Unterlagen wühlen. Wenn überhaupt jemand da war, der dafür Zeit hatte, dauerte das gut und gerne eine Stunde oder länger. Jetzt brauchen wir nur eine Minute, und ich habe von meinem Schreibtisch aus gleich alle Informationen zur Verfügung.“

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