Herausforderung russischer SMB-Markt

Feature | 19. Dezember 2003 von admin 0

Unter dem Motto „From Order in Business – To Intellectual Management” fand der dritte SAP-Kongress im Radisson Slavyanskaya Hotel in Moskau statt. Trotz eines wirtschaftlich schwierigen Umfelds in Russland konnte SAP CIS eine erfreulich große Anzahl von Besuchern begrüßen. Am ersten Tag fanden rund 1100 Interessenten aus den GUS-Staaten, Litauen, Lettland und Estland den Weg zur Veranstaltung. Und selbst am zweiten Tag besuchten noch circa 800 Teilnehmer den Kongress. In 30 Vorträgen und Round-Table-Gesprächen informierten sich die Interessenten über das Lösungsportfolio von SAP. SAP ist inzwischen seit über zehn Jahren auf dem russischen Markt präsent und besetzt dort bei den Business-Lösungen laut IDC einen Marktanteil von 48 Prozent. Erstmals präsentierte SAP zusammen mit russischen Business Partnern in einem eigenen Mittelstandsbereich die Branchenlösungen mySAP All-in-One und SAP Business One. Alexander Antipov, Business Director SMB, SAP CIS und Baltic States, erläuterte in gut besuchten Vorträgen die SMB-Strategie von SAP für den russischen Markt und stellte die ersten Business Partner für mySAP All-in-One vor.

Neue Partner braucht das Land

Einer der neuen SAP Business Partner ist Tops Business Integrator. Der russische Softwareanbieter konnte bereits zwei Kunden für die SAP-Lösungen gewinnen: Toyota Car Dealer sowie einen Service-Provider. Und welchen besseren Beweis für die Qualität der SAP-Mittelstandslösungen kann es geben: Tops Business Integrator arbeitet intern selbst mit einer mySAP-All-in-One-Lösung.
Itelligence, Global Service Partner von SAP, ist seit kurzem ebenfalls auf dem russischen Markt aktiv. Mit IT Trade Solution bietet das Unternehmen bereits seit August eine lokalisierte Einzelhandelslösung für den russischen Markt an. Im Portfolio von itelligence befinden sich bereits zwölf auf mySAP All-in-One basierende Lösungen, die nach und nach auch für den russischen Markt lokalisiert werden sollen. Besonders die Anpassung des innerbetrieblichen Rechnungswesens (Finance and Managerial Accounting) an die komplizierten russischen Verhältnisse stellte den SAP Business Partner vor eine große Herausforderung. Die Schwierigkeit: Durch die hohe Inflation in Russland lassen sich interne Unternehmensbewertungen nur schwer abbilden. Daher muss eine IT-Lösung mehrwährungsfähig sein, um auf Basis einer stabilen Fremdwährung eine klare Bewertung vornehmen zu können. Die meisten russischen Unternehmen haben in dieser Beziehung erst vor kurzer Zeit vom US-Dollar auf den Euro umgestellt. Für das Jahr 2003 erwartet SAP CIS and Baltic States noch fünf bis acht Partner, die sich im mySAP-All-in-One-Umfeld betätigen.
SAP Business One liegt noch nicht in einer russischen Variante vor. Diese soll im März 2004 fertig gestellt sein. Demzufolge dürfte der nächste SAP CIS Congress im September 2004 ganz unter dem Zeichen des SAP-Business-One-Launchs stehen.

Großer Markt mit eigenen Gesetzen

Im Rahmen der Veranstaltung präsentierte Market-Visio eine Studie zu den Besonderheiten und Herausforderungen des russischen SMB-Markts. Eines der Ergebnisse: der russische Enterprise-Solution-Markt wird zu 50 Prozent von mittelständischen Kunden abgedeckt. Die russischen Anbieter von Softwarelösungen vermarkten ihre Produkte in der Regel als Lösungen für Großunternehmen, obwohl die Produkte ursprünglich für kleinere und mittlere Unternehmen entwickelt wurden. Einer der Gründe dürfte in der Unternehmensstruktur des russischen Marktes liegen, der zu Beginn der Neunzigerjahre vorwiegend von Großunternehmen dominiert war. Trotz der angespannten ökonomischen Situation bietet der russische Markt aber weiterhin ein großes Geschäftspotenzial.

Unterschiedliche Strukturen

In puncto Lösungsimplementierung verfügt der russische SMB-Markt im Vergleich zum Großkundenmarkt über einige Besonderheiten. So besitzen mittelständische Unternehmen in Russland relativ einfache Organisationsstrukturen und daraus resultierend auch weniger komplexe Geschäftsprozesse. Aus diesem Grund lassen sich auch bisher bewährte Businessmodelle aus anderen Ländern nicht auf den russischen Markt übertragen. Gleichzeitig garantiert dieser niedrige Organisationsgrad aber auch, dass russische Unternehmen sich leicht an verändernde wirtschaftliche Umweltbedingungen anpassen können: In der Vergangenheit war dies oft ein Garant für das wirtschaftliche Überleben. In diesem Zusammenhang verwundert es daher wenig, dass sich auch die durchschnittlichen IT-Kosten auf niedrigem Niveau bewegen. Russische SMBs verlangen standardisierte IT-Lösungen, die keinen hohen Implementierungs-, Schulungs- sowie Supportaufwand erfordern. Gleichzeitig sind viele SMBs nicht bereit, weit über die Lizenzgebühren hinausgehende Kosten für Implementierung, Anpassung an Kundenwünsche und sogar Hardware zu tragen. Denn der russische Mittelständler muss sich anpassen, um unter den schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen zu überleben. Zumal auch noch die gesetzlichen Rahmenbedingungen starken Schwankungen unterworfen sind.

Chancen für SAP

Trotz der schwierigen Voraussetzungen ergeben sich für SAP auf dem russischen Markt große Chancen. Immerhin warten rund zwei Millionen mittelständische Unternehmen und somit potenzielle Kunden in Russland auf die richtige ERP-Lösung. Denn im Zuge einer fortschreitenden Formalisierung und Vereinheitlichung der Geschäftsprozesse werden Lösungsangebote von international tätigen Anbietern wie SAP für russische Mittelstandsunternehmen immer interessanter. Vor allem in puncto Funktionsumfang und Qualität kann SAP hier punkten.

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