Hosted Solutions im Aufwind – ein Trend im Mittelstand?

Feature | 18. Juni 2008 von admin 0

Rechtfertigt die Reaktion des Mittelstands die Hoffnungen, die die IT-Branche erneut in gehostete Lösungen setzt?

Boggs: Hosted Services sind im Mittelstand im Aufwind. Unsere Daten von 2007 zeigen: Auf jedes Unternehmen, in dem eine SaaS-Lösung bereits etabliert ist, kommen fünf Firmen, die nach einer passenden Hosted-Service-Option suchen. Folglich erwarten wir, dass 2008 die Nachfrage für SaaS deutlich ansteigt.

Anfangs war der Mittelstand sehr zurückhaltend. Bedenken bestanden in den Punkten Sicherheit, Verfügbarkeit und Integration. Wie steht es heute damit?

Boggs: Web-basierte Anwendungen werden kontinuierlich verbessert. Außerdem gehört es mittlerweile auch im Mittelstand zum Alltag, das Internet zu benutzen. Daher ist der Boden für den Einsatz von SaaS im Prinzip bereitet. Allerdings ist die technologische Evolution nur eine Seite der Marktwirklichkeit. Tatsächlich sind wirtschaftliche Faktoren die Treiber hinter der aktuell steigenden Nachfrage.

Können Sie das näher ausführen?

Boggs: Der von IDC durchgeführten Studie lässt sich entnehmen, dass die IT-Ausgaben im Mittelstand 2008 um etwa sieben Prozent steigen werden – und damit geringer als im Vorjahr. Diese Prognose liegt aber immer noch deutlich über den Erwartungen der meisten IT-Anbieter – und damit bleibt der Mittelstand ein interessanter Markt. Das Investitionsverhalten im Mittelstand spiegelt die globale Wirtschaftsentwicklung wieder. Rezessionsbedingter Druck in Europa und vor allem in den USA sorgt für eine zögerliche Haltung. Zudem steigen die Energiepreise, die Nebenkosten zehren am Gewinn.

Um diese wirtschaftlichen Herausforderungen meistern zu können, konzentrieren sich die Mittelständler auf Lösungen, die einen schnellen Return-on-Investment (ROI) versprechen. Das macht Alternativen zu traditionellen Softwareinstallationen vor Ort attraktiv. Bei Mietsoftware fallen nicht nur Investitionen in die Software selbst und die notwendige Infrastruktur weg. Mietsoftware steht auch schnell und unkompliziert zur Verfügung – und verspricht somit, sofort zum Unternehmenserfolg beizutragen.

Dann müsste doch eigentlich SaaS für kleinere Unternehmen – Firmen mit weniger als 100 Mitarbeitern – die perfekte Wahl sein. Ist das so?

Boggs: Paradoxerweise zeigt unsere Studie genau das Gegenteil. Die Marktumfragen ergeben, dass 15 Prozent der mittleren Unternehmen planen, im kommenden Jahr SaaS einzusetzen – aber nur fünf Prozent der kleinen Firmen.

Warum ist das Ihrer Meinung nach so?

Boggs: Vielleicht widerspricht das Modell „Miet-Services“ zu stark dem traditionellen Geschäftsempfinden im Mittelstand. Vereinfacht gesagt: Die Inhaber kleiner unternehmen wollen eine Software kaufen, bei sich installieren – und dann damit machen, was sie wollen, egal, ob das nun gut ist oder nicht. Hierbei bleiben allerdings meist die Kosten für Upgrades oder Services außen vor. Dennoch bleibt es viel Überzeugungsarbeit, diesen Unternehmen die Scheu vor einer monatlichen Miete für Software zu nehmen und Ihnen die breiten Möglichkeiten von SaaS nahe zu bringen.

Die langfristigen Vorteile – von finanziellen Einsparungen bis hin zu verbesserter Kommunikation und unternehmensübergreifender Zusammenarbeit – zählen für die kleinen Unternehmen noch weniger. Mangel an technischem Wissen und begrenzte IT-Möglichkeiten machen es vermutlich auch eher schwierig, in diesen Bereichen die Möglichkeiten von SaaS voll auszunutzen. Hier haben mittelgroße Unternehmen Vorteile – bei ihnen kommen diese Vorteile zum Tragen und helfen, SaaS strategisch zu nutzen.

Abgesehen von der Kostenfrage – warum treffen Hosted Services sonst noch auf stärkere Akzeptanz bei mittelgroßen Unternehmen?

Boggs: Die Skalierbarkeit und Flexibilität von SaaS-Lösungen sind ein großer Vorteil für wachsende mittelgroße Unternehmen. Um dem derzeitigen finanziellen und Konkurrenzdruck Stand zu halten, müssen mittlere Unternehmen neue Wege finden, um mit weniger einen Mehrwert zu erzielen. Den mittelgroßen Unternehmen fehlt es zwar oft an den nötigen Ressourcen, aber trotzdem wird wie von Ihnen gefordert, Qualität ebenso schnell und zuverlässig abzuliefern wie große Weltmarktführer.

Hosted Services ermöglichen es Ihnen jedoch, erprobte Geschäftslösungen über Inselstrukturen hinweg auszurollen, sich rasch geänderten Marktanforderungen anzupassen oder wenn nötig den Funktionsumfang zu erweitern. Sie verteilen Informationen und Funktionalität an jeden gewünschten Standort oder sogar den Heimarbeitsplatz – ein Hauptverkaufsargument.

Nehmen die mittelgroßen Unternehmen SaaS als IT- und als Geschäftsstrategie an?

Boggs: Das Potential, Hosted Services auch als Geschäftsmodell in Betracht zu ziehen, ist sicherlich vorhanden – aber die Denkweise fehlt noch weitgehend. Das ist ja schon bei SaaS in der IT so. Für die meisten Mittelständler ist ein Technologiekauf nicht Ergebnis einer langfristigen strategischen Planung. Der Mittelständler hat vielmehr ein Problem, und sucht nach einem Weg, es zu lösen.

Der Mittelständler sucht eine Lösung, mit der er Kundenbesuche vor Ort durch eine andere Art der Betreuung ersetzen kann. Es ist für ihn zweitrangig, ob es hierfür dann eine mobile SaaS-Applikation gibt oder etwas anderes. Reduziert die Lösung die Kosten? Ist sie erschwinglich? Passt sie zum Unternehmen? Ist sie ausbaufähig? Wichtig wird ausschließlich sein, ob die Anbieter gehosteter, Web-basierter Lösungen diese Fragen schlüssig beantworten können.

Also zählt die „Kundenorientierung“?

Boggs: Die Anbieter müssen sich die Anforderungen der Mittelständler genau vor Augen führen. Geringe Kosten, ein schneller ROI, Skalierbarkeit und eine einfache Implementierung – das ist entscheidend. Hierauf müssen sich die Anbieter konzentrieren. Dem Mittelständler eine komplexe und elegante SaaS-Lösung zu präsentieren und dann mit ihm zusammen abzuspecken, um den Preis zu drücken, wird nicht zum Ziel führen. Es gilt herauszufinden, welchen Funktionsumfang genau der Mittelstand braucht.

Das wird vielleicht im Zweifelsfall sogar derselbe Umfang sein wie bei der komplexen Lösung. Aber: Die Lösung muss sich leicht implementieren und bedienen lassen. Der Erfolg wird auch vom Service und Support abhängen. Hier werden die Vertriebspartner eine große Rolle spielen. Systemhäuser, Softwarehersteller und weitere Partner können nicht nur technologische Ressourcen anbieten. Sie bieten auch das Fachwissen, das kleinere Unternehmen brauchen, um mit den neuen Web-fähigen Lösungen richtig umzugehen. Und sie sind vor Ort und schaffen Vertrauen. Gute Kundenbeziehungen wiederum geben tieferen Einblick in die Marktanforderungen. Und in einer solchen Atmosphäre lassen sich die Kunden über die mehr strategischen, weiter reichenden Vorteile von SaaS informieren. Der Kreis beginnt sich dann zu schließen.

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