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HR 4.0: Die Folgen der Techno-Trends

20. Mai 2015 von Andreas Schmitz 0

Industrie 4.0, Internet der Dinge, Smart Services – die Technologie hat Auswirkungen auf die Arbeitswelt. Hier neun Thesen von Professor Wolfgang Jäger von der Hochschule RheinMain über HR 4.0.

Heute gehen gerade einmal 20 Prozent der gesamten Wertschöpfung in der Wirtschaft auf digitale Geschäftsmodelle zurück. In fünf Jahren werden es 80 Prozent sein. Das hat gravierende Konsequenzen für den Arbeitsmarkt, denn Unternehmen wie Mitarbeiter werden umdenken und dazu lernen müssen.

1. Zusammenarbeit erfindet sich neu

Unternehmen werden mit Wettbewerbern und externen Ideengebern vermehrt zusammenarbeiten. Das fördert die Ideenvielfalt und stärkt letztlich die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Kunden und Lieferanten werden ebenso enger miteinander vernetzt sein.

2. Zielvereinbarungen müssen sich ändern

In der täglichen Arbeit geht es heute und in der Zukunft mehr um Kollaboration mit Lieferanten und Kooperationspartnern. Soft Skills im persönlichen Umgang mit Menschen werden immer wichtiger für die tägliche Arbeit. Entsprechende Fähigkeiten spielen in aktuellen Zielvereinbarungen allerdings kaum eine Rolle. Hier dominieren vorrangig wirtschaftliche Ziele. Das ist nicht mehr zeitgemäß.

3. Der Führungsstil wird ein anderer

Der Führungsstil demokratisiert sich zunehmend. Es geht weniger darum, seine Meinung aufzuoktroyieren oder gar Entscheidungen zu erzwingen als viel mehr darum, seinen Mitarbeitern Orientierung zu geben und als Berater zu fungieren.

Foto: privat

Prof. Wolfgang Jäger von der Hochschule RheinMain. Foto: privat

4. Zusätzliche Kompetenzen sind erforderlich

Während früher etwa handwerkliche Fähigkeiten wie Fräsen, Feilen, Drechseln gefragt waren, stellen cyberphysische Systeme herkömmliche Ausbildungsberufe in Frage. Entscheidungen beruhen nach wie vor auf alten Urteilsmethoden, doch sind zusätzlich neue Kompetenzen nötig. Denn Maschinen führen im Zeitalter der Sensortechnik und des Internets der Dinge die Befehle aus, die ein Mensch gibt, der Prozesse versteht und nicht weiter „nur“ ausführt.

5. Weiterbildung wird immer individueller

Das Lernen in Klassenzimmern ist Vergangenheit. Massive Open Online Courses (MOOC), mobiles Lernen oder Video-Seminare über Youtube-Videos ersetzen immer öfter langatmige Weiterbildungen vor Ort. Die Aufgaben werden stetig komplexer und individueller. Deshalb sind auch individuellere Lösungen gefragt, die online schneller zu bekommen sind.

6. Algorithmus ergänzt Bauchgefühl

In der Personalbeschaffung kommen mehr und mehr Big-Data-Lösungen zum Einsatz, die Potenziale von Bewerbern über deren Online-Aktivitäten analysieren. Hier werden Personaler dazu lernen und die technischen Hilfsmittel akzeptieren lernen.

7. Schaulaufen der Unternehmen

Mitarbeiter wollen sich am Arbeitsplatz wohlfühlen und ihre Arbeit gestalten und weiterentwickeln. Nur Unternehmen, die Inhalte und Aufgaben in einer modernen Arbeitsumgebung in den Mittelpunkt stellen, werden auch Bewerber anziehen. Unternehmen kommen nicht umhin, sich „hübsch“ zu machen für die Bewerber und glaubhaft eine moderne Unternehmenskultur zu leben.

8. Alt macht Karriere

Wer denkt, ältere Mitarbeiter gehören in die Rente, irrt. Sie werden durch ihre Erfahrung mehr und mehr gefragt sein – nicht zuletzt deutet die Alterspyramide das bereits an. Zudem ist die Lernbereitschaft keine Frage des Alters, sondern eine der Persönlichkeit. Wer sich diese Flexibilität, lernen zu wollen, erhalten hat, wird auch Industrie 4.0 und mobile Technologien verstehen und einsetzen können.

9. Karrierewege werden unkalkulierbar

Konzerne arbeiten heute schon mit völlig neuen Methoden – etwa in der Forschung und Entwicklung mit Crowd- oder Open-Innovation-Ansätzen. Die vorgezeichnete Karriere nach einem Einstieg in den Konzern ist nicht mehr möglich, da Ideen und Produkte ganz anders entstehen als noch vor Jahren. Das schafft Unsicherheit bei einigen Mitarbeitern und Chancen für andere. Gleichzeitig gehen auch topausgebildete Absolventen von Unis nicht unbedingt mehr in den Konzern, sondern bauen sich eigene Geschäfte auf, in denen sie ihre eigenen Ideen und Geschäftsmodelle umsetzen. Unsicherheit gehört plötzlich zum Arbeitsleben.

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Foto: Shutterstock

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