Im Dienst der Dienste

Feature | 20. September 2006 von admin 0

Enterprise-Services sind die wesentlichen Bausteine einer Enterprise Service-Oriented Architecture (Enterprise SOA). Sie sind sofort nutzbar und enthalten universelle betriebswirtschaftliche Semantik, mit deren Hilfe sich Prozesse flexibel abbilden und bei Bedarf leicht verändern lassen. Auf diesen Diensten basieren die Composite Applications, die unternehmens- und anwendungsübergreifende Geschäftsprozesse ermöglichen.

Für die Entwicklung von Enterprise-Services arbeitet SAP eng mit Kunden und Partnern, etwa Softwareherstellern oder Systemintegratoren, zusammen. Seit April 2006 bildet die Enterprise Services Community (ES Community) das branchenübergreifende Forum für die Definition der Dienste. Ziel der Zusammenarbeit ist es, den Satz an Enterprise-Services, den SAP über Packages zur Verfügung stellt, kontinuierlich weiter zu entwickeln. Die Prozess- und Schnittstellenbeschreibungen der Dienste sind im Enterprise-Services-Repository hinterlegt, das den Kunden jeweils individuell mit der Business Process Platform ausgeliefert wird. Die ES Community ist der einzige Kanal, über den Kunden und Partner neue Enterprise-Services anfordern oder darauf basierende Lösungen lizenzieren können.
Die ES Community ergänzt das bestehende Partnernetz von SAP und ist seit ihrer Gründung von damals rund 60 auf inzwischen fast 100 Mitglieder gewachsen. Die beteiligten Firmen nehmen über verschiedene Arbeitsgruppen direkt Einfluss auf die Geschäftsanforderungen sowie die technischen Grundlagen der SAP-Plattform – also die mySAP Business Suite mit ihren Applikationen sowie SAP NetWeaver und die Business Process Platform. Das detaillierte Regelwerk der ES Community schützt die Urheberrechte der Mitglieder und gewährleistet, dass sie detailliert über vorhandene und geplante Enterprise-Services informiert werden. So sind den Mitgliedern die Rechte an allen ihren Beiträgen und Ideen vertraglich zugesichert. Darüber hinaus erhalten die Teilnehmer eine gebührenfreie Lizenz zur Nutzung der Enterprise-Services, um damit eigene Applikationen zu entwickeln.

Branchenspezifische Arbeitsgruppen

Die Enterprise Services Community besteht aus einem zentralen Lenkungsausschuss sowie dezidierten Arbeitsgruppen – Definition Groups und Advisory Groups –, die jeweils für einzelne Fragestellungen etabliert werden und sich etwa drei bis sechs Monate später nach Abschluss der Arbeit wieder auflösen. Teilnehmer der so genannten Request Definition Groups stellen Anfragen nach neuen Enterprise-Services, erarbeiten Änderungsvorschläge für bestehende Dienste und formulieren technische Anforderungen. Die Review Definition Groups wiederum prüfen die Enterprise-Services nochmals vor ihrer Implementierung. Zur Zeit gibt es Definition Groups für das Gesundheitswesen, den Bereich Banken sowie die RFID-Technologie in verschiedenen Branchen. Weitere Arbeitsgruppen sind für das Vertragsdatenmanagement in der Luft- und Raumfahrt und der Rüstungsindustrie geplant sowie für das Tax and Revenue Management im öffentlichen Dienst und das Sales Order Change Management in der High-Tech-Branche.
Außerdem gibt es Advisory Groups, um die Arbeit der ES Community mit Dokumentationen und Best Practises zu unterstützen. Derzeit entwickelt die Advisory Group für Network Services beispielsweise Best Practices für Anbieter von Routern und Netzwerk-Infrastruktur. Zu den Teilnehmern gehören die Unternehmen Akamai, Cisco Systems, Citrix Systems und Juniper Networks.

70 neue Enterprise Services für den Bankensektor

Als eine der ersten Arbeitsgruppen hat die Defintion Group für den Bankensektor, an der sich unter anderem die Geldinstitute ABN Amro, ABSA, Banca Intesa, Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA), Barclays, BBVA, Credit Suisse, Deutsche Postbank, ING, Nordea und die Standard Bank beteiligten, ihre Arbeit Ende Juli erfolgreich abgeschlossen. Sie erstellte fast 70 Enterprise-Services – und damit weit mehr, als die rund 35 Dienstdefinitionen, die SAP im Schnitt von den Gruppen erwartet. Die Enterprise-Services erleichtern Kunden aus dem Bankenbereich den Übergang zur Enterprise SOA.
Darüber hinaus entwickelte die Gruppe

  • eine Taxonomie für eine allgemeine Sprache und Leitlinie,
  • eine Enterprise-Services-Landschaft, die allgemeine Bankabläufe beschreibt,
  • Enterprise-Service-Definitionen für das Geschäftspartnermanagement und die Kontoführung, die die Hauptelemente für die Implementierung und Umsetzung einer Enterprise SOA in einer Bank enthalten.

Mit ihrer Arbeit möchte die Definition Group einen störungsfreien, schrittweisen Übergang zu Lösungen der nächsten Software-Generation sicherstellen und Banken bei der Integration neuer Funktionen und Enterprise-Services in ihre bestehenden IT-Landschaften unterstützen. Um eine hohe Akzeptanz in der Branche zu erreichen, adressieren diese Enterprise-Services bevorzugt die aktuellen Anforderungen der Banken. Zudem stellt sich die Frage, wie sich Enterprise-Services aus verschiedenen Geschäftsvorgängen integriert bereitstellen und über diverse Kanäle „verteilen“ lassen.
Beispielsweise wurde eine Definition zur Verwaltung von Konten und Geschäftspartnern vorgeschlagen, eine zentrale Aufgabe, die allen Banken gemeinsam ist. Eine standardisierte Servicebeschreibung sorgt dafür, dass sich der Dienst über die verschiedenen Geschäftsfelder einer Bank und über nationale Grenzen hinweg integriert bereitstellen lässt. Die Servicebeschreibung ist in den von SAP gelieferten Enterprise-Services gekapselt. Damit ist sicher gestellt, dass alle betreffenden Anwendungen auf die einheitliche Kontenverwaltung zugreifen können. Hieraus resultiert im Weiteren eine Konsolidierung der IT-Landschaft.

Direkter Weg in die Lösungsentwicklung

Ein sorgfältig vorbereiteter Prozess gewährleistet, dass die Ergebnisse der Arbeitsgruppen sofort in die Weiterentwicklung der SAP-Lösungen einfließen. Damit die Ideen nicht in einer Warteschleife hängen bleiben, ruft SAP grundsätzlich nur solche Gruppen ins Leben, die innerhalb der ES Community auf großes Interesse stoßen und deren Ergebnisse sich im Zeitraum von neun Monaten implementieren lassen. Ausschlaggebend ist unter anderem die Komplexität des vorgeschlagenen Services, sowie ob und wie stark er sich mit den Anforderungen der Entwicklungsteams und mit den Kundenwünschen deckt. Die Auswahl und Koordination der Teilnehmer steuern die branchenspezifischen Geschäftsbereiche bei SAP zusammen mit den entsprechenden Partnerforen.
Damit der Prozess rund läuft, hat SAP die ES Community in das bestehende Partnernetzwerk eingebettet, betont Aaron Williams, Director des ES Community Programm Office bei SAP: „Die ES Community bietet die einzige Möglichkeit für das SAP-Ökosystem, direkt an der Bereitstellung von Enterprise-Services mitzuwirken, die Bausteine für wichtige Composite Applications sind. Kunden und Partner aus diesem Netzwerk können über ihre Teilnahme in der ES Community dazu beitragen, dass SAP diejenigen Enterprise-Services bereitstellt, die sie in ihrem Entwicklungsprozess benötigen, mit denen sie Integrationskosten senken und die sich als wiederwendbare Bausteine für Geschäftsprozesse und zum Erstellen von Composite Applications nutzen lassen. Darüber hinaus werden sie früh über die von SAP geplanten Enterprise-Services informiert und können die Entwicklung von Composite Applications darauf abstimmen. Diese Vorteile bilden die Basis, auf der Innovationen im Bereich der Geschäftsprozesse schnell und einfach auf den Weg gebracht werden können.“
Die gründliche Vorbereitung zahlt sich aus: „Wir bekommen sehr positive Rückmeldungen, insbesondere dazu, dass SAP wirklich eng mit Kunden und Partnern zusammenarbeitet. Es geht hier nicht darum, dass alle aufgerufen sind, ihre guten Ideen abzuliefern, sondern darum, dass die Ideen über einen funktionierenden Prozess in unsere Lösungen integriert werden. Daher ist es eine große Herausforderungen, die Erwartungen richtig zu steuern. Vor diesem Hintergrund gründen wir nicht in allen Bereichen Arbeitsgruppen. Das ist besser, als Vorschläge anzunehmen und dann nichts damit anzufangen”, erklärt Williams.

TechEds zeigen Beispiel-Implementierungen

Dass die ES Community kein Diskussionsforum ist, sondern greifbare Ergebnisse produziert, macht unter anderem eine Demo-Implementierung der neuen Enterprise Services für den Bankensektor deutlich. Sie wird derzeit auf den TechEds in Las Vegas, Amsterdam und Bangalore vorgestellt und zeigt beispielhaft, wie die Dienste funktionieren und für welche Zwecke sie sich nutzen lassen. Darüber hinaus hat SAP für die Konferenzen etwa zehn Workshops rund um das Thema Enterprise Services vorbereitet. Die Workshops bieten zum einen den bestehenden Arbeitsgruppen der ES Community Gelegenheit für ein Treffen. Zum anderen dienen sie dazu, Ideen für neue Arbeitsgruppen zu sammeln. Auf den SAPPHIRE-Konferenzen im Frühjahr hat sich das Vorgehen bereits bewährt. In den kurzen Arbeitssitzungen gelang es, eine Reihe wichtiger Themen aus Sicht von Kunden und Partnern zu identifizieren. So ergab der Workshop für den Bereich Tax and Revenue Management im Öffentlichen Dienst, dass die Themen Registrierung und Tax Filing bei Kunden hohe Priorität besitzen. Sie wurden daher für die Bildung von Definition Groups vorgesehen.
Aaron Williams ist hoch zufrieden mit der bisherigen Entwicklung des Netzwerks und dessen Akzeptanz bei Kunden und Partnern. „Die ES Community entwickelt sich von einer Initiative, über die man spricht, zu einem Netzwerk, das Ergebnisse erarbeitet und Vorteile bietet. Wir sind bereit für die nächste Phase. Statt fünf oder sechs Arbeitsgruppen wird es bald 15 bis 20 Gruppen gleichzeitig geben. Die große Herausforderung für uns in den nächsten zwei Quartalen ist es, die Erwartungen intern und extern zu erfüllen. Wir müssen die Community an die große Nachfrage und das Interesse anpassen.“
Weitere Informationen:
http://esc.sap.com

Sabine Höfler

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