Im Gespräch mit der Werkbank

Feature | 12. Dezember 2005 von admin 0

Einer Umfrage von AMR Research aus dem September 2005 zufolge pflegt weniger als ein Prozent der befragten Unternehmen Produktionsdaten automatisch in ihre ERP-Lösungen ein. Bereits ein typisches, kleineres Fabrikationsunternehmen verfügt über zehn bis 50 so genannte Shop-Floor-Automation-Systeme (SFA), deren Daten in aller Regel nicht effizient weiter verwertet werden. Im Juni 2005 hat SAP die Lighthammer Software Development Corporation übernommen, einen Spezialisten für Enterprise Manufacturing Intelligence. Dessen Collaborative Manufacturing Suite hat SAP zum SAP xApp Manufacturing Integration and Intelligence (SAP xMII) erweitert, einer packaged composite application zur Unterstützung von Geschäftsprozessen in der Fertigung.

Adaptive Manufacturing

Berichtsfenster im SAP NetWeaver Portal

Berichtsfenster im SAP NetWeaver Portal

Um die Fertigungsprozesse zu verbessern muss der Ist-Zustand in der Produktion erfasst, analysiert und mit Vorgaben wie Leistung und Qualität verglichen werden. Diese Bewertung dient als Grundlage für produktionsrelevante Fortschritte. Das Stichwort heißt Adaptive Manufacturing. Prozessdaten aus der Produktion werden direkt an SAP-Produktions- und Logistikmodule übertragen. Analysedaten, Qualitätsdaten, Berichte und Warnungen stehen somit für Entscheidungen zentral auf einer Plattform bereit. Durch die konsequente Verzahnung von SAP-Geschäftslösungen und Applikationen in der Produktionssteuerung werden Supply-Chain- und Produktions-Prozesse umfassend und in Echtzeit abgebildet. SAP xMII verbindet vorhandene Produktions- und ERP-Systeme zur ISA-95-konformen Fertigungslösung.
Fiel beispielsweise bislang in der Produktion eine Maschine aus, so verging meist eine längere Zeitspanne, bis dieser Zwischenfall im Management bekannt wurde. Die Information ging zunächst unstrukturiert und ohne IT-Unterstützung an den Vorgesetzten der Produktionsabteilung und von dort an den Werksleiter. Konnte dieser keine Lösung finden, wurde die Meldung an das zuständige Vertriebsmanagement im kommerziellen Bereich des Unternehmens weitergereicht. Im schlechtesten Fall war bis dahin so viel Zeit verstrichen, dass es nicht mehr möglich war, den Auftrag termingerecht zu erfüllen. Eine denkbare Folge: Der Kunde storniert, der Auftrag ist verloren. Mit SAP xMII wird ein Produktverantwortlicher im Vertrieb automatisch über die Probleme des betroffenen SFA-Systems informiert. Er bekommt die Meldung unverzüglich in seiner SAP-Portalumgebung. Das gibt ihm die Möglichkeit, rasch und zielgerichtet zu reagieren.

Integration und Intelligenz

Verbindung Produktion - ERP

Verbindung Produktion - ERP

Die beiden Haupt-Bestandteile von SAP xMII sind Manufacturing Intelligence und Manufacturing Integration. Die Integrations-Schicht ist die technologische Grundlage jeglicher Verbindung zu ERP-Lösungen oder beispielsweise auch einer Anwendung zum Supply Chain Management. Gekoppelt mit SAP NetWeaver Exchange Infrastructure sorgt diese Schicht für eine umfassende Integration. Sie bildet die Verbindung von der Werkshalle in den kommerziellen Bereich des Unternehmens.

Bestandteile SAP xMII

Bestandteile SAP xMII

Die darüber liegende Manufacturing-Intelligence-Schicht dient der Analyse. Sie sammelt Daten, Ereignisse, Alarme und Kennzahlen und übergibt diese an die darstellende Schicht innerhalb SAP NetWeaver, die Manufacturing Intelligence Dashboards. Eingebettet in SAP NetWeaver bildet SAP xMII auf diese Weise gemeinsam mit dem SAP Business Information Warehouse, mySAP ERP, SAP Manufacturing und mySAP SCM eine durchgängige Intelligence-Lösung für die Fertigungsindustrie.

Bidirektionale Verbindung

Viele SAP-Produkte verarbeiten Daten aus dem Produktionsbereich. Hierzu zählen im ERP-Bereich beispielsweise die Komponenten für die Materialverwaltung, die Produktionsplanung, die Produktionsplanung für die Prozess-Industrie, die Werksinstandhaltung oder das Qualitätsmanagement. Jede dieser Komponenten kann über BAPIs Daten mit externen Anwendungen austauschen. Ob sich BAPIs nutzbringend verwenden lassen, hängt von zwei Faktoren ab. Zum Einen ist dies der Konfigurationsgrad der gesamten SAP-Installation. Zum Anderen sind externe Systeme nur bedingt dazu in der Lage, Verbindungen zu diesen BAPIs herzustellen und die von SAP bereitgestellten Daten zu verstehen. Spezielle Adaptionen waren bislang auch für die Gegenrichtung erforderlich, wenn es galt Daten aus der Produktion in die SAP-Lösungen zu übermitteln. Sie mussten inhaltlich und vom Aufbau an den “Empfängerhorizont” angepasst werden. Ökonomisch und technisch waren und sind solche Systemübergänge stets problematisch.

Manufacturing Dashboards

Manufacturing Dashboards

Eine moderne, effiziente Produktion setzt auf wichtigen Stammdateninformationen auf. Verglichen mit den Verbindungen über BAPIs synchronisiert SAP xMII Prozesse und übergibt Produktionspläne, Spezifikationen, Materialdaten, Rezepte oder andere notwendige Informationen aus dem ERP-Umfeld automatisch an die Produktion, ohne dass diese Daten repliziert werden müssen. Für Informationen in die Gegenrichtung greift SAP xMII auf unterschiedlichste Produktionsdaten zu. Der so genannte Manufacturing Services Adapter (MSA) innerhalb von SAP xMII eröffnet den universellen Zugriff auf Prozesse der Produktionsebene – von SCADA (Supervisory Control And Data Acquisition – ein Netzleitsystem für elektrische Netze) über LIMS (Labor Informations- und Management Systeme) und SPC (Statistical Process Control) bis zu MES (Manufacturing Execution System). SAP xMII übergibt die Daten aus den verschiedenen Quellen über die SAP NetWeaver Exchange Infrastructure an das SAP NetWeaver Portal beziehungsweise das SAP Manufacturing Dashboard. Dort werden sie als benutzerspezifische Indikatoren für die Produktionsleistung (Key Performance Indicators – KPI) dargestellt. Auf diese Weise unterstützt SAP xMII Mitarbeiter rollenbasiert dabei, komplexe Produktionsprozesse zu überwachen und durch event-gesteuerte Alarmierungen auf Ausnahmesituationen zu reagieren.
Mehr als 400 erfolgreiche Installationen des Vorgängerproduktes unterstreichen die Bedeutung von SAP xMII für die Fertigungsindustrie. Ein Kostenvergleich für ein Unternehmen mit 20 Produktionsstätten und einer umfassenden, integrierten Produktionslösung über einen Fünf-Jahres-Zeitraum macht die Vorteile von SAP xMII deutlich. Ohne eine integrierte Lösung sind mindestens 50 Schnittstellen zu SAP-Komponenten erforderlich. Programmierung und Wartung – mit üblichen Kosten von etwa 20.000 Dollar pro Schnittstelle – verursachen in diesem Zeitraum Kosten von etwa 5 Millionen Dollar. Da sich SAP xMII direkt in die vorhandenen Lösungen auf ERP-Seite und in der Produktion integriert, entfallen Pflegeaufwand und Kosten. Diese Rechnung ist nicht fiktiv. “Neue ERP- und MES-Architekturen auf Basis von Web-Services bilden eine Grundlage für Composite Applications, die verteilte Produktionsstätten mit standardisierten, globalen Prozessen synchronisieren. Dow Corning, Whirlpool, Procter & Gamble, Colgate Palmolive und andere haben demonstriert, dass es möglich ist, Composite Applications wie SAP xMII innerhalb von wenigen Monaten einzuführen und innerhalb von wenigen Wochen einen Return-on-Investment zu erreichen”, belegt AMR Research.

Torsten Kipping

Torsten Kipping

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