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Die Immobilienwirtschaft im digitalen Wandel

Blog | 16. Juni 2017 von Tanja Rückert 17

Immobilien sind mehr als nur ein Dach über dem Kopf: Gerade in Unternehmensimmobilien hält sich jeder dritte Deutsche mehr auf als in den eigenen vier Wänden und die entsprechenden Räumlichkeiten sind Teil eines diversen Netzwerks an Partnern und Mitarbeitern verschiedener Bereiche. Obwohl Studien belegen, dass die Digitalisierung für 90 Prozent der befragten Immobilienbetreiber ein großes Thema sei, werden auch heute noch Unternehmensimmobilien im Wert von mehr als 3 Billionen Euro in Spreadsheets abgebildet und verwaltet.

Solch fehleranfällige Prozesse auf Basis von inkonsistenten Daten und Informationssilos begünstigen Zustände, in denen beispielsweise bis zu 40 Prozent der Raumfläche in Unternehmensimmobilien ineffizient genutzt werden – und das obwohl Immobilien nach Personalkosten den zweitgrößten Posten auf der Bilanz bilden. Die digitale Transformation kann in dieser Branche nicht nur Kosten einsparen, sondern auch mithilfe von modernen technologischen Möglichkeiten Innovationen von bisher nicht da gewesenem Ausmaß für Mitarbeiter und Arbeitsumgebungen aktivieren und die Immobilienwirtschaft schon heute in die Welt von morgen katapultieren.

Intelligent Menschen, Gebäude und Geschäftsprozesse verknüpfen

Bereits in der Bauphase sollen die Zusammenarbeit in einem Bau- bzw. Infrastrukturprojekt durch ein unternehmensübergreifendes Netzwerk, dem SAP Project Information Network, erleichtert und Informationen zwischen dem am Bau beteiligen Partnern ausgetauscht werden können. Die Grundlage hierfür ist ein digitales Modell für unternehmens- und organisationsübergreifende Prozesse. Auch das SAP Innovation Center Network und die Line of Business Real Estate testen momentan Blockchain-Szenarien, in denen die Vision eines digitalen Zwillings mit sicheren und dezentralisierten Gebäudedaten während der Betriebsphase eines Gebäudes abgebildet werden könnte. Digitale Zwillinge in der Immobilienwirtschaft beinhalten demnach Informationen wie beispielsweise zur Konstruktion, Ablauf und Zeitplanung, Beschaffung, Fertigung, Budgets und Kosten, Logistik, Betrieb und Wartung. Zeitgleich läuft ein Forschungsprojekt mit dem Hasso-Plattner-Institut in Potsdam zum Thema „Generalized Building Information Modeling“ (BIM), um Gebäude über ihren kompletten Lebenszyklus hinweg konsistent und visuell zu dokumentieren. So genannte Point Clouds bieten auf kostengünstige und zeitsparende Weise an, Umgebungen als 3D-Objekte zu erfassen und abzubilden. Präzise Raumpläne von Bestandsimmobilien, die zuvor noch nicht erfasst wurden, sind durch den entsprechenden Scan und darauf aufbauendes Mapping einfach und kostengünstig zu erstellen.

Point Clouds könnten zusätzlich durch Image Recognition auch Ausrüstungsgegenstände der Gebäude erfassen und für Facility Manager ersichtlich inventarisieren, ohne dass diese vor Ort sein müssen beziehungsweise sich zeitintensives Ablaufen der Einrichtungen sparen könnten. Sensoren zeichnen derweil Schlüsseldaten zu Aktivitäten im Inneren als auch Äußeren des Gebäudes auf. Auch im erst kürzlich verkündeten SAP Leonardo Innovationsportfolio taucht das Thema der vernetzten Gebäude mit Bezug zum Internet der Dinge auf, das prominent und anschaulich in Bill McDermott’s Eröffnungsrede auf der SAPPHIRE 2017 dargestellt wurde.

Technologische Grundlagen gekonnt einsetzen und intelligent verknüpfen

Die digitale Transformation von Unternehmen basiert jedoch nicht nur auf der reinen Technologie, sondern lebt von der Aufnahmebereitschaft des Konzepts einer digitalisierten Immobilie. Die digitale Transformation sollte daher nicht vorhandene Technologien, sondern den Menschen in den Mittelpunkt stellen. Die Umsetzung der digitalen Transformation und damit verbundenen Ansätzen benötigt dringend Offenheit und den Mut für Veränderung. Der Einsatz digitaler Technologien fordert auch traditionelle Denkmuster heraus, die mit dem richtigen Change Management hinterfragt und ergänzt werden können. Innovationsmethoden wie das Design Thinking oder der Open Innovation Ansatz – ein Innovationsprozess, bei dem interne und externe Ideen gleichermaßen in die Entwicklung neuer Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle einfließen – identifizieren derweil aktualisierte Anwendungsfälle. Erst mit der Bereitschaft die technologischen Grundlagen, die der digitale Wandel mit sich bringt, auch gekonnt einzusetzen und intelligent zu verknüpfen, kann die eigentliche Herausforderung der digitalen Transformation gemeistert werden. Technologie ist nicht länger nur Thema in den IT-Abteilungen von Unternehmen, sondern muss gleichsam von Nutzern wie Kommunen und Bürgern angenommen werden. Transformationsprozesse müssen neu geführt und herkömmliche Strukturen neu gedacht werden.

Durch das Neudenken von traditionellen Mustern in der Stadt und der Verknüpfung von Informationen in Echtzeit werden sowohl das Nutzerverhalten als auch die umgebende Infrastruktur für Immobilien nachhaltig verändert. Eine synchrone Entwicklung wird somit auch für die Immobilienwirtschaft unausweichlich bleiben. Die Intelligenz von Gebäuden spielt in der Stadt der Zukunft dabei eine bedeutende Rolle. Durch die Nutzung von digitalen Abbildern der Realität, so genannten digitalen Zwillingen, lassen sich Gebäude optimal auf die Anforderungen der Nutzer und Umgebung anpassen. Durch ein auf Daten basiertes Management der Objekte lassen sich Effizienz als auch der individuelle Nutzungskomfort steigern. Vorausschauende und vernetze Systeme werden zum Beispiel die Anfahrt ins Büro, die Parkplatzsuche, Termine sowie Sitzungsräume und Arbeitsplätze intelligent steuern. Die Grundlage solch neuer digitaler Prozesse und Geschäftsmodelle bildet ein solides Fundament, einen „Digitalen Kern“, um welchen neue Prozesse und Geschäftspartner eingebunden werden können. An diesem Punkt setzt SAP als einer der erfahrenen Schlüsselfiguren in der Bereitstellung von Technologien an, um Smart Buildings und somit auch die Smart City zu optimieren.

Gemeinsam in die digitale Zukunft

Im Wesentlichen liegt die Hoffnung darin, durch innovative Technologien eine äußerst dynamische, wenn auch physische Umgebung digital abzubilden und durch semi- oder ganzheitlich automatisierte Prozesse effektiv steuern zu können. Um einen Digitalen Zwilling von Gebäuden abzubilden, ist jedoch neben dem Bewusstsein für die notwendige Digitalisierung und ihrer technologischen Möglichkeiten in diesem Marktsegment auch die Zusammenarbeit mit den Branchenteilnehmern selbst von äußerster Relevanz, da kein Gebäude im Informationsvakuum existiert. Die Immobilienwirtschaft beinhaltet multiple Parteien –  vom Mieter, Staat, Vermieter, Zulieferer, Wirtschaftsprüfer, der Rechtsprechung, Versicherungen, Facility Managern, Personalabteilungen bis hin zum CFO -, die für ein digitales Immobiliennetzwerk und dessen Erfolgschancen in der Gebäudeverwaltung mitwirken werden müssen. Daher ist SAP eine Systempartnerschaft mit dem Zentralen Immobilienausschuss (ZIA), dem Spitzenverband der deutschen Immobilienwirtschaft, eingegangen, um gemeinsam Möglichkeiten und Synergien zu eröffnen und die Bereitschaft für den Fortschritt zu stärken. „Empathie für den Kunden“ darf kein Slogan bleiben, sondern ist der ermutigende Aufruf zu mehr Vernetzung auf diversen Ebenen. Die Notwendigkeit von Konversationen und offenen Diskursen bleibt zwingend, um eine Grundlage für das wirtschaftliche Wachstum einer ganzen Branche und somit von individuellen Organisationen zu etablieren. Diverse Perspektiven sind essentiell für eine erfolgreiche Aktivierung besserer Abläufe in unseren eigenen Betrieben, aber auch in denen unserer Kunden und um eine nachhaltige Innovationführung zu betreiben. Wir als SAP bauen darauf, dass wir durch unsere technologischen Innovationsstrukturen wie SAP Leonardo nicht nur bahnbrechende Lösungen, sondern auch die Menschen dahinter zusammenbringen können und auch wollen.

Zur Autorin: Dr. Tanja Rückert ist President, IoT and Digital Supply Chain, bei SAP.

Weitere Informationen:

Erfahren Sie mehr auf dem 20. SAP-Forum für die Immobilienwirtschaft

Top-Foto via Shutterstock

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