Implantate – Von der Werkbank in den OP

Feature | 16. Mai 2007 von admin 0

Portrait

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Pioneer Surgical Technology entwickelt und vertreibt Lösungen für chirurgische Aufgabenstellungen, die sich in der Vergangenheit sowohl für die Ärzte als auch für die Patienten als schwierig erwiesen haben. Standbein bei der Firmengründung im Jahr 1992 war ein neuartiges Wirbelsäulenimplantat. Als Alternative zu dem bis dato gängigen Implantat aus Draht, setzte Songer auf flexible Kabel – mit der sich die Wirbelsäule nach Verletzungen oder Skoliose sanfter und flexibler ausrichten lässt. Als sich dieses Implantat durchgesetzt hatte, konzentrierte sich Pioneer Surgical Technology auf den OEM-Markt. Mit Erfolg. Das Unternehmen rechnet derzeit mir einer Wachstumsrate von 50 Prozent. Zusammen mit Chirurgen, Patienten und Orginalgeräteherstellern arbeitet Pioneer an der Entwicklung neuer Produkte, etwa dem Peek-Plus-System für den Wirbelkörperersatz, das mit Gewindeeinsätzen, so genannte Threaded Inserter, für eine sichere Passform sorgt und sich leichter einsetzen lässt.
Pioneer Surgical Technology sorgte mit seinen Produkten und immer neuen Innovationen für zufriedene Chirurgen, schmerzfreie Patienten und zugängliche Risikokapitalgeber. Im Gegenzug sah sich das Unternehmen im operativen Bereich mit Schwierigkeiten, etwa Lieferengpässen, konfrontiert, die nicht mehr länger unbeachtet bleiben konnten. „Wir brauchten ein Werkzeug, das uns sagt, ob wir für die geplanten Verkäufe auch tatsächlich die entsprechenden Waren am Lager haben oder das die zugehörigen Produktionspläne aufstellt“, erklärt Dean Stetson, IT-Manager bei Pioneer. Anders ausgedrückt: Wie kommen die Implantate möglichst schnell in den OP?

Keine Integration zwischen Finanz- und Produktionsdaten

Vor SAP All-in-One verfügte Pioneer Surgical lediglich über eine simple Software für das Manufacturing Resource Planning. Hier bestand keine Integration zwischen dem Finanzwesen und der Produktion, unternehmenskritische Informationen ließen sich nur schwer abrufen. „Wir hatten viele manuelle Abläufe”, gibt Stetson zu, „und konnten die Software darüber hinaus nur schwer an neue Geschäftsprozesse anpassen”. Die IT-Situation verschlimmerte sich, als Pioneer begann, mit den OEMs zusammenzuarbeiten. Das Altsystem, eine Kombination von Exact MAX und Great Plains mit einer Pervasive-Datenbank auf einem Novell-Betriebssystem, war der Aufgabe nicht gewachsen. Je rascher sich das Unternehmen von einem Ein-Mann-Betrieb zu einer multinationalen Organisation mit mehreren Standorten mauserte, je augenfälliger wurde die Notwendigkeit integrierter Daten für Produktion und Finanzwesen.
SAP All-in-One setzte sich aus einer Liste von 15 Mitbewerbern durch, die ein spezielles Auswahl-Komitee bei Pioneer erstellt hatte. Deren Kriterien: Eine vergleichsweise kostengünstige Implementierung vorkonfigurierter Funktionalität, die sich an wandelnde Geschäftsprozesse anpassen lässt und in spätestens sechs Monaten lauffähig sein sollte. Die Wahl unter den beiden Finalisten fiel nach Demo-Veranstaltungen: „Hiernach war ich überzeugt, dass es keine andere ERP-Anwendung gibt, die den notwendigen Funktionsumfang vollständiger abdeckt“, erklärt Stetson.
Entscheidend für Pioneer war die breite Installationsbasis der SAP-Anwendung, vor allem auch die starke Marktpräsenz in Forschung und Entwicklung. „Es gibt einem ein gewisses Gefühl von Sicherheit, wenn man weiß, dass es sehr viele andere Unternehmen gibt, die diese SAP-Anwendung ebenfalls implementiert haben und schon jahrelang damit arbeiten,” begründet Stetson. Und: Er sei keinesfalls darauf erpicht gewesen, nach einem Jahr bereits wieder eine andere Lösung einzuführen.

Zügige Altdatenkonversion

Dank Stetsons enger Vorgaben war keine Zeit zu verlieren. Als vergleichsweise kleines Unternehmen mit begrenzten IT-Ressourcen wendete sich Pioneer an Answerthink. Der SAP-Partner unterstütze Pioneer bei der Bereinigung und Konversion der Altdaten und übernahm die Mitarbeiter-Schulung. Für Stetson war der Altdaten-Transfer die größte Herausforderung: „Bei jeder ERP-Implementierung steckt darin viel Arbeit, ein großer Kraftakt und der meiste Zeitaufwand.”
Dennoch ging das Projekt termingerecht und im Kostenrahmen über die Bühne. „Wir im Management hatten schon mit Abweichungen, Verzögerungen oder auch mit Auswirkungen auf das Tagesgeschäft gerechnet, und uns auf Schadensbekämpfung eingestellt – doch der Go-Live hatte keine negativen Auswirkung auf Verkauf, Produktion oder Lieferung“ so Stetson weiter.

Geänderte Abläufe in Fertigung und Vertrieb

SAP All-in-One hat Prozesse und Betriebskultur bei Pioneer Surgical Technology drastisch verändert. Mit den Planungswerkzeugen innerhalb SAP All-in-One kann Pioneer heute Planungsengpässe minimieren. „Die hierfür notwendigen Analysen fahren wir mit der SAP-Anwendung in ein paar Minuten machen, während wir mehrere Wochen brauchten, als wir hierfür noch mühsam unsere Excel-Tabellen durchforsten mussten,” betont Stetson.
Auch der Vertrieb verfügt nun über durchgängige Informationen, etwa über die Chirurgen, die Pioneer mit seinen Produkten versorgt. „Früher endete unsere Datenerfassung gewissermaßen am Eingang des Krankenhauses, in das wir lieferten, doch nun können wir auch tatsächlich das Kaufverhalten der Einzelpersonen analysieren, die sich für unser Produkt entschieden hat”, erläutert Stetson diesen wichtigen Aspekt.
Bei der Auftragserfüllung koordiniert SAP All-in-One den gesamten Lieferprozess, der Versand ist zudem informationstechnisch in den Vertrieb integriert. „Momentan läuft das Geschäft bei uns sehr gut. Mit der SAP-Software müssen wir nicht eine große Mannschaft an Mitarbeitern engagieren, die die Aufträge bearbeiten und abwickeln. Stattdessen heuern wir lieber Ingenieure für die Forschung und Entwicklung an – um mit diesem Kerngeschäft auch für künftiges Wachstum zu sorgen.“
Als Unternehmen einer Branche, die den strengen Kontrollen der Federal Drug Association (FDA) unterliegt, muss Pioneer Surgical Technology mit detaillierten Audits stets Nachweis über seine Produkte liefern – genaue Herkunft, Herstellungsdatum, Materialprüfung und vieles mehr. Die Audit Trails in SAP All-in-One bieten dem Unternehmen hier Schutz, sowohl vor möglichen Sperren durch die FDA, als auch vor Haftungsansprüchen.

Mehr Bedarf, mehr Lösungen

Erst vor kurzem hat Pioneer Surgical Technology über SAP All-in-One hinaus auch SAP xApp Manufacturing Integration and Intelligence (SAP xMII) eingeführt, eine Packaged Composite Application, mit der sich die Geschäftsprozesse in den Produktionshallen weiter unterstützen lässt. Pioneer sorgt mit diesem SAP xApp für Echtzeitkommunikation zwischen der Geschäftwelt und der Fertigung –mit Informationen über Aufträge, Material, Ausrüstung, Kosten und Produktqualität. Vermutlich wird in diesem Jahr auch noch eine Lösung für das Product Lifecycle Management (PLM) folgen. Damit will Pioneer die Abläufe im Dokumentenmanagement verbessern, neue Produkte rascher vermarkten und die produktbezogenen Daten, die von der FDA benötigt werden, besser verwalten.
„Wir sind mit SAP mehr als zufrieden. Aus unserer Sicht steckt in der Software mehr Potenzial – zu Effizienzsteigerung und Kostenersparnis – als in allen Konkurrenzprodukten, die wir intensiv unter die Lupe genommen haben”, bilanziert Stetson. „Unsere IT ist nun sehr gut aufgestellt und deckt sicherlich auch in Zukunft alle Anforderungen unseres Geschäfts ab.”

Ian Alexander

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