Eine ERP-Plattform für alle

30. August 2012 von Andreas Schaffry 0

Dekor der Firma impress, Foto: impress Gruppe

Strapazier- und widerstandsfähige Oberflächen mit ansprechenden Dekoren veredeln Fronten von Möbeln und die Oberflächen von Arbeitsplatten oder Laminat-Fußböden. Da in der Dekorpapierbranche ein hoher Preis- und Wettbewerbsdruck herrscht, sind „standortübergreifend einheitliche, durchgängige und effiziente Betriebsabläufe ein wettbewerbsrelevanter Faktor“, sagt Detlef Tiedt, Leiter IT der impress Gruppe. Das Unternehmen, das zur Constantia Industries AG Wien gehört, ist auf die Entwicklung und Herstellung innovativer Oberflächen von Dekorpapieren, Finish Folien, Melaminimprägnierten Papieren sowie Farben und Lacken spezialisiert.

Geschäftsprozesse laufend verbessern

Am Hauptsitz in Aschaffenburg und in sieben weiteren Produktionsstandorten weltweit werden Spezialpapiere an modernsten Tiefdruckrotationsmaschinen und einer Elektronenstrahl-Lackieranlage (ESH) bedruckt und zu dekorativen Oberflächen veredelt. Diese werden rund um den Globus von den Kunden aus der Möbel- und Holzwerkstoffindustrie weiterverarbeitet.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Zukunftssichere IT-Architektur schaffenimpress ist im Jahr 2006 durch die Verschmelzung der Firma Letron und der MASA-Decor Gruppe entstanden. Durch Umstrukturierungen im Konzern wurde im Jahr 2007 die impress Gruppe um den Bereich Impregnated Papers der FunderMax GmbH ergänzt. Um nach dem Zusammenschluss die Geschäftsziele effektiv und nachhaltig umsetzen zu können, war es erforderlich, die Leistungsfähigkeit der Geschäftsprozesse kontinuierlich zu verbessern und die Kosten zu senken. Zum Einsatz kommen dabei Best-Practice-Methoden und Scorecards mit standardisierten Leistungskennzahlen (KPIs).

Zukunftssichere IT-Architektur schaffen

Unerlässlich war dabei auch die wirkungsvolle Unterstützung der Prozesse durch eine einheitliche, moderne und zukunftssichere IT-Architektur. Die Einzelfirmen brachten in den Zusammenschluss ihre eigene IT-Landschaft mit, wobei der Kernstandort Aschaffenburg eine eigen programmierte Software einsetzte. Dadurch waren innerhalb der Gruppe Kundenauftragseingänge und Kosten nur schwer nachvollziehbar und die werksübergreifende Kalkulation wie auch die Intercompany-Abwicklung waren sehr aufwändig.

Der Einführung von SAP ERP 6.0 in Verbindung mit der Reporting-Lösung SAP NetWeaver Business Warehouse (SAP NetWeaver BW) kam daher eine hohe strategische Bedeutung zu. Die Entscheidung fiel nach einem intensiven Auswahlprozess. Die ERP-Lösung unterstützte die Anforderungen am besten, denn sie ist mehrsprachig und unterstützt den Unicode-Standard und wird kontinuierlich weiterentwickelt.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Standorte unter einem IT-Dach vereinen
Gleichzeitig verband das Unternehmen die Abläufe in der Produktion über die MES CAT Suite des SAP-Partners T.CON aus Plattling, der auch mit der Gesamtimplementierung beauftragt war, nahtlos mit den betriebswirtschaftlichen Prozessen. Das webbasierte Manufacturing Execution System (MES) ist eine SAP-basierte Add-On-Lösung und komplett in SAP ERP integriert.

Standorte unter einem IT-Dach vereinen

Mithilfe der neu eingeführten IT-Plattform konnte der Dekorspezialist applikationstechnisch nahezu alle Fertigungsstandorte unter einem IT-Dach vereinen und die Datenbasis konsolidieren. Geschäftsprozesse sind jetzt werksübergreifend miteinander verknüpft und vereinheitlicht. Die Vorteile der integrierten Betriebsabläufe machten sich kurze Zeit nach dem Produktivstart für die rund 450 Endanwender bemerkbar.

Zum Beispiel können die Mitarbeiter im Vertrieb Kunden schnell und zuverlässig Auskunft über den Auftragsstatus geben. Dazu genügt ein Blick in die ERP-Anwendung. Auch der Austausch von Auftrags-, Bestell-, Material- und Bestandsdaten zwischen den Gesellschaften im Rahmen der Intercompany-Abwicklung läuft jetzt schnell, reibungslos und vor allem verlustfrei ab.

Kapazitäten besser auslasten

Ebenso lassen sich die mit jedem Kundenauftrag verbundenen Termin-, Personal- und Materialplanungen für die Produktion und die Prozesse im Einkauf bedarfsgerecht und wirtschaftlich steuern. Kapazitäten werden besser ausgelastet und Engpässe, etwa beim Material, sofort erkannt, sodass die benötigte Menge frühzeitig geordert werden kann.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Den Shop Floor mit dem ERP verbundenDafür setzt das Unternehmen eine eigenentwickelte ABAP-basierte Planungslösung ein, die das SAP-Modul für die Produktionsplanung (PP) modifikationsfrei erweitert. Sie prüft anhand der Bestellinformationen und des gewünschten Liefertermins automatisch die Verfügbarkeit von Personal, Maschinenkapazität, Druckzylindern und Material. Die Anwendung beinhaltet auch eine grafische Plantafel, die anzeigt, welche Fertigungsaufträge in den Werken gerade laufen oder eingeplant sind.

Den Shop Floor mit dem ERP verbunden

Die Fertigungsaufträge für die Druck-, Lack- und Imprägnier-Anlagen werden im Rahmen der Feinplanung zu einem Fertigungsblock gebündelt und dieser an MES CAT übergeben. Das ME-System verteilt nach Abschluss der Fertigungsaufträge die gebuchten Stunden für definierte Zeitarten, etwa für das Rüsten, Mustern und Verpressen, sowie die gebuchten Lackverbrauchsmengen und damit die Kosten einer Maschine automatisch auf die in einem Block enthaltenen Fertigungsaufträge.

Die Maschinenführer greifen über Terminals in der Fabrikhalle direkt auf das MES zu und können alle notwendigen Informationen zu den Fertigungsaufträgen für ihre Maschine per Knopfdruck abrufen. Während der laufenden Produktion erfassen sie dort manuell die an jeder Maschine angefallenen Gut- und Ausschussmengen, und – sobald ein Auftrag fertig produziert ist – auch die Rüst-, Muster- oder Produktions- und Stillstandzeiten. Diese Kennzahlen fließen vom MES direkt nach SAP ERP.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Das Geschäft vorausschauend steuern

Das Geschäft vorausschauend steuern

Sie werden von dort zusammen mit den betriebswirtschaftlichen Daten aus Einkauf, Vertrieb und Finanzbuchhaltung nach SAP NetWeaver BW extrahiert, für das Reporting aufbereitet und tagesaktuell bereitgestellt. Das Management erhält aussagekräftige Berichte zu Absatz- und Umsatzzahlen, Kosten und Deckungsbeiträgen, zum Auftragseingang und -bestand oder zu den KPIs auf Werksebene.

Es kann somit die internationale Geschäftstätigkeit noch vorausschauender planen und steuern. „Zugleich liefern die Analysen wertvolle Ansatzpunkte, um die Qualität und Effizienz unserer Geschäftsprozesse und Produkte kontinuierlich weiter zu verbessern“, hebt Detlef Tiedt hervor. Die Werks- und Fertigungsleiter können die zur Optimierung der Abläufe in der Produktion nötigen Kennzahlen von der Werks- bis hinunter auf die Maschinenebene in einem „Produktions-Cockpit“ des MES abrufen.

EDI-Prozesse zu Kunden und Lieferanten ausbauen

Künftig wird die impress Gruppe auch qualitätsrelevante Daten auswerten und so die Serviceleistungen für Kunden verbessern. Durch das Vertikalisieren bestehender SAP-Funktionalitäten sollen Betriebsabläufe eine noch tiefere IT-Unterstützung erhalten. Geplant ist auch, das MES direkt mit den Maschinensteuerungen zu verbinden, um einen automatischen Datenfluss vom Shop Floor in das ERP-System herzustellen. Darüber hinaus will der Dekorspezialist die bestehenden EDI-basierten Kommunikationsprozesse im Rahmen der elektronischen Rechnungsstellung mit Kunden und für das E-Dispatching mit Lieferanten weiter ausbauen.

Tags: ,

Leave a Reply