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Indiens gewaltiger Schritt in Richtung Digitalisierung

Feature | 2. September 2016 von Paul Baur 0

„GST“: Diese drei Buchstaben stehen für einen radikalen Wandel in Indien – und in jeder Firma, die in der siebtgrößten Wirtschaft der Welt Teil der Lieferkette ist.

Wie heißt es so schön? Nur zwei Dinge auf Erden sind uns sicher: der Tod und die Steuern. Für indische Produzenten kommt nun auch die Digitalisierung hinzu. Seit der Unabhängigkeit Indiens im Jahr 1947 gab es noch keine so umfassende Steuerreform. Es ist ein gewaltiger Schritt in Richtung einer digitalisierten Wirtschaft.

Man hätte nicht erwartet, dass die Einführung einer einheitlichen Umsatzsteuer, der Goods and Services Tax (GST), bei indischen Herstellern für einen derartigen Schock sorgt. Mit der GST wird ein komplexer Besteuerungsprozess vereinfacht und ein Sechstel der weltweiten Kundengelder in den Geschäften eingespart. 10 Millionen Fertigungsunternehmen in Indien müssen überdenken, wie und wo sie ihre Produkte herstellen, lagern und vertreiben.

„Die GST ist einer der zentralen Bausteine für die Digitalisierung des Landes. Sie wird Indiens Unternehmen dazu bringen, in sehr viel größerem Maße auf digitale Prozesse zu setzen“, so Arun Subramanian, Vice President, Globalization Services, SAP Labs India. „Die meisten Mischkonzerne verwenden bereits Software für Businessanwendungen. Es gibt jedoch eine große Gruppe von kleinen und mittleren Unternehmen, die entweder über gar keine IT-Infrastruktur verfügen oder damit noch ganz am Anfang stehen.“

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Arun Subramanian, Vice President, Globalization Services, SAP Labs India

Ganz neue Analysemöglichkeiten mit digitalen Steuerdaten

Eine Finanzbehörde, die das IT-Grundgerüst darstellt und alles online digitalisiert, beispielsweise Registrierungen, die Festlegung und Vergabe von Krediten, Steuererklärungen, Revisionszahlungen und Streitbeilegungen, ist die Basis der neuen indischen Umsatzsteuer. Nachdem Unternehmen ihre GST-Registrierungsnummer erhalten haben, müssen sie die Daten ihrer Verkaufsrechnungen in das riesige System hochladen. Dies wird von GST Network betrieben, einer nicht gewinnorientierten GmbH. „Wir sprechen hier über Millionen, wenn nicht Milliarden von Einzelposten, die monatlich in das GST Network eingegeben werden“, erläutert Arun Subramanian.

Da alle Steuerdaten digital verfügbar sein werden, kann die indische Regierung die Wirtschaft auf ganz neue Weise analysieren, sich um Abläufe kümmern und Entwicklungen vorhersagen. So ist es möglich, unter anderem Antworten auf folgende Fragen zu erhalten: Wie würde eine Steuererhöhung Gewinne beeinflussen? Wie schwankt der Güterkonsum?

Neue Strategien für die Lieferkette durch die neue Umsatzsteuer

Da die endgültigen Bedingungen der neuen Umsatzsteuer erst kurz vor Verabschiedung des Gesetzes entschieden werden, sind sich Unternehmen immer noch unsicher, was am Ende ganz konkret auf sie zukommt. Eines ist jedoch klar: Das neue Gesetz wird die Strategien für Lieferketten und die Produktverteilung vieler Hersteller auf den Kopf stellen.

Und das ist der Grund dafür: Bei der aktuellen gesetzlichen Lage profitieren Firmen davon, Warenlager oder Verteilungszentren dort aufzubauen, wo auch der Konsum am größten ist. Die Logistik auf eine andere Art zu organisieren, wurde wirksam bestraft. „Indem wir den Kaskadeneffekt bei der Güterbesteuerung und insbesondere bei der zwischenstaatlichen Logistik beseitigen, werden die Bedingungen für Hersteller gleich sein, egal wo sie ihre Produkte herstellen, aufbewahren oder verkaufen“, so Rajamani Srinivasan, Head of Digital Enterprise Platform Channels bei SAP APJ. „Dadurch werden die Gesamtkosten der verkauften Güter gesenkt, der Preis für die Kunden wird günstiger und gleichzeitig machen die Firmen mehr Gewinn.“

Von der Panik zur Lösung mit SAP bei der Steuerreformation

Indien bemüht sich nun schon seit über einem Jahrzehnt, seine indirekten Steuern bei Gütern und Dienstleistungen zu reformieren. Doch erst im Jahr 2015 zeigte sich, dass die neue Regierung unter Shri Narenda Modi diese Reformen endlich in Angriff nehmen würde. Dies versetzte indische CEOs und CFOs in Aufruhr.

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Manjusha Nair, Senior Director, SAP Labs India Globalization Services

„Unsere Kunden gerieten ein wenig in Panik. Sie benötigten nun eine Lösung für die GST und zwar so schnell wie möglich“, erzählt Manjusha Nair, Senior Director, Globalization Services, SAP Labs India. „Wir hatten eine grobe Vorstellung, wie das Gesetz am Ende aussehen könnte. Die genaue Zeitplanung kannten wir aber nicht.“

Es war nicht wirklich eine Option, die Verabschiedung des neuen Steuergesetzes einfach abzuwarten. Also traf SAP, das in Indien über 5.500 Kunden hat und der Marktführer bei Enterprise Resource Planning Software ist, eine strategische Entscheidung. Sie begann, sich eng mit ihren großen Kunden und Partnern zu der neuen Lage auszutauschen.

„Das Lokalisierungsteam von SAP entwickelte unter anderem ein Tool, mit dem die Migration zu den neuen Steuerverfahren erleichtert werden würde. Wir konnten Kunden auf diese Weise zeigen, dass die Migration nicht allzu komplex ist“, erläutert Manjusha Nair. „Um auch das gesamte Unternehmensumfeld mit an Bord zu holen, entwickelten wir ein E-Learning-Programm, das sich mit dem notwendigen Code und den Konfigurationen für die Migration befasst. Dies war eine Voraussetzung für die Umstellung auf GST.“

Um dies publik zu machen, veranstaltete SAP im Mai 2015 in Indien das GST India Forum. Kunden, die bereits Vorreiter bei der Einführung waren, teilten ihre Erlebnisse und Herausforderungen mit den über 1.500 Teilnehmern aus dem SAP-Kundenstamm.

Zu diesem Artikel beigetragen hat Namita Gupta-Hehl, Leiterin Marketing and Communications, Globalization Services, in Walldorf.

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