Industrie 4.0 wird Megatrend

5. Dezember 2013 von Nicolas A. Zeitler 0

Grafik: grasundsterne

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Wer es richtig macht, kann auch mit Luft Geld verdienen. Statt bloß Kompressoren herzustellen, geht beim Familienunternehmen Kaeser aus Coburg der Trend dahin, Kunden Rechnungen für den Kubikmeter komprimierter Luft zu stellen – „Air as a service“ sozusagen. Für Andreas Zilch von der Experton Group verkörpert dieser Ansatz eine grundsätzliche Entwicklung: „Die deutsche Industrie wandelt sich von einer Produktindustrie zu einer Industrie, die zusätzlichen Service anbietet“, sagt der Marktbeobachter. Ein typischer Service ist die Wartung: Sensoren an den vom Kunden eingesetzten Maschinen sammeln im Betrieb laufend Daten und leiten sie weiter an IT-Systeme, von denen aus auf Grundlage der Auswertung Technikereinsätze vorausschauend geplant werden. Das Schlagwort „Predictive Maintenance“ macht dafür die Runde.

1. Megatrend Industrie 4.0: In Deutschland geprägt und businessgetrieben

Das geschilderte Szenario ist ein typisches Beispiel für „Industrie 4.0“. Unternehmen individualisieren Produkte und bieten neue Dienstleistungen an, indem sie sowohl Produktionsmaschinen als auch ihre Erzeugnisse immer stärker mit IT spicken – konkret durch das Einbinden mobiler Dienste, von Cloud Computing und Big-Data-Analysen. Industrie 4.0 umfasst somit gleich eine ganze Reihe von Technologien, die gemeinhin als Trendthemen gehandelt werden. Das macht das Thema für Andreas Zilch und die Experton Group zum Mega-Trend für 2014. „Innovative Unternehmen haben das schon auf dem Radar, andere werden schnell folgen müssen“, sagt Zilch. Global agierenden deutschen Fertigungsunternehmen gehe es gut, sie müssten aber Kopien ihrer Produkte aus Ländern wie China fürchten. Ergänzende Dienste zum Produkt würden da zum Wettbewerbsfaktor.

Industrie 4.0 ist laut Experton Group alles andere als ein bloßer Anbieter-Hype, sondern „absolut businessgetrieben“. Bemerkenswert ist aus Sicht von Zilch, dass der Trend nicht aus den USA nach Europa schwappe, sondern der Begriff in Deutschland geprägt worden sei. Industrie 4.0 ist eines der Ziele aus der Hightech-Strategie der Bundesregierung.

Foto: Experton Group

Andreas Zilch von der Experton Group beobachtet bei Unternehmen noch “viel Unsicherheit” im Umgang mit Social Media. (Foto: Experton Group)

Die Experton Group hat außer dem übergreifenden Trend Industrie 4.0 weitere identifiziert, die nach Ansicht der Analysten im kommenden Jahr für Unternehmen wichtig sein werden. Grundlage für die Einschätzung sind unter anderem mehrere Multi-Client-Studien und Anbieter-Benchmarks, die Experton dieses Jahr durchgeführt hat. Die weiteren Trends sind:

2. Social Media: Vor allem Collaboration und Analytics von Bedeutung

Auch wenn zahlreiche Medienberichte über Einführungen interner sozialer Netzwerke in Konzernen bisweilen den Eindruck erwecken, das Thema sei in der Breite angekommen, sieht Andreas Zilch noch „viel Unsicherheit“ und wähnt Unternehmen großenteils in der „Orientierungsphase“. Im B2B-Bereich seien aus dem weiten „Social“-Feld vor allem Collaboration und Analytics von Bedeutung. Gerade von Social Collaboration versprächen sich Unternehmen Vorteile. Allerdings: In laufenden Projekten erweise sich der Aufwand häufig als unerwartet hoch, andernorts stelle sich der Erfolg erst nach mehreren Anläufen ein. Schwierigkeiten haben Unternehmen nach Zilchs Beobachtung nach wie vor damit, Anwender zum Mitmachen zu bewegen – was nie durch Zwang, sondern nur durch Motivation gelinge.

3. Big Data Analytics: Einsatz in Unternehmen wird produktiver

Das zu Ende gehende Jahr 2013 war aus Sicht der Experton Group ein „Exploration Year“, was die Analyse riesiger Mengen häufig unstrukturierter Daten angeht. Die ersten Ergebnisse hätten viele Unternehmen enttäuscht. 2014 wird laut Andreas Zilch dagegen ein „sehr produktives Jahr“ werden. Gerade Industrie 4.0 werde dazu führen, dass Firmen Big-Data-Analysen verstärkt einsetzten.

4. Mobile: Neue Applikationen statt Mobile Device Management

Als mobile Geräte Einzug in Unternehmen hielten, habe zunächst die Hardware selbst im Mittelpunkt gestanden. Vor zwei Jahren habe der Blick vornehmlich auf dem sicheren Verwalten von Smartphones und Tablets gelegen, dem Mobile Device Management. Jetzt und in der nächsten Zeit verlagere sich der Fokus immer stärker auf mobile Applikationen, beobachtet Andreas Zilch. „Die Frage lautet: Wie bekomme ich Business-Prozesse auf mobile Geräte?“ sagt der Analyst. Immer häufiger suchten Unternehmen nach Lösungen, auf mobilen Geräten auch umfangreiche Analysen auszuführen. Der Mobile-Trend wächst hier mit Big Data zusammen.

5. Cloud Computing: 100 Prozent Sicherheit nicht umsetzbar

Cloud: Um Cloud Computing toben seit dem Bekanntwerden der umfangreichen Geheimdienst-Spitzeleien hitzige Diskussionen. Mit der Folge: „Public wird derzeit verteufelt, Private ist die Antwort auf alles“, wie Zilch zusammenfasst. Was aus Sicht des Analysten Fragen aufwirft. Denn Private Cloud Computing rechne sich nur, wenn die Dienste absolut standardisiert seien. „Jede Individualisierung ist eine Verwässerung des Cloud-Gedankens“, sagt Zilch. Als pragmatische Lösung würden sich zunehmend Hybrid Clouds etablieren. Unternehmen bleibe nichts anderes übrig. „Ich muss einen Weg finden jenseits von 100 Prozent Sicherheit“, sagt Andreas Zilch. „Denn die ist nicht bezahlbar und nicht erreichbar.“

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