Aus Neun mach Drei

Feature | 16. Dezember 2009 von admin 0

Infineon: 60 Mio. Euro Einsparungen im Jahr dank neuer IT (Foto: Jupiterimages)

Infineon: 60 Mio. Euro Einsparungen im Jahr dank neuer IT (Foto: Jupiterimages)

Die SAP-Modernisierung bei Infineon wurde ausgelöst durch den Verkauf von Qimonda, der früheren Speicherchip-Sparte des High-Tech-Unternehmens. Bereits bei diesem Projekt war T-Systems als SAP-Servicepartner an Bord und trennte das gemeinsame SAP-Warenwirtschaftssystem der beiden Unternehmen reibungslos voneinander. Dabei wurden die Qimonda-bezogenen Daten in ein eigenständiges globales SAP-System überführt.

Operation „SAP Sysco“

Nach der Abspaltung stellten die Fach- und IT-Verantwortlichen bei Infineon die verbleibende Prozess- und Systemlandschaft auf den Prüfstand. „Oberstes Ziel war es, die operativen IT-Kosten um bis zu 60 Millionen Euro zu senken“, betont Michael Schmelmer, CIO von Infineon. Dazu identifizierten die IT- und Fachverantwortlichen etwa 90 Maßnahmen. Im Fokus standen die Zusammenführung und Harmonisierung der neun weltweiten SAP-Systeme auf drei Plattformen in Asien und Europa. Zugleich wurden die länderspezifischen Prozesse im Finanzwesen, im Vertrieb sowie im Bereich Forschung und Entwicklung standardisiert. Das Konsolidierungsprojekt „SAP Sysco“ war geboren.

Da die SAP-Modernisierung oberste Priorität genoss, mussten alle anderen geplanten Maßnahmen warten – was wiederum eine zügige Umsetzung von „SAP Sysco“ erforderte. „Wir suchten einen Projektpartner, der uns eine zwölfmonatige Projektlaufzeit garantierte“, beschreibt Michael Schmelmer die wichtigste Anforderung. „T-Systems war der einzige Anbieter, der eine feste Zusage erteilen und geeignete Technologien zur Verfügung stellen konnte.“

So nutzt T-Systems für SAP-Migrationen spezielle Methoden und Werkzeuge, die eine geringe Downtime, sichere Datenübertragungen und umfassende Protokollierungen ermöglichen. „Sämtliche Migrationen werden mit einer System-Landscape-Optimization-Workbench (SLO) vorbereitet und durchgeführt“, beschreibt Thomas Giedeck, Projektleiter von T-Systems, den Ansatz. „Zunächst untersuchen wir die zu konsolidierenden SAP-Systeme auf die Kompatibilität ihrer Prozesse und Nummernkreise. Mögliche Konflikte werden in Form von Regeln gelöst und in der SLO-Workbench maschinell umgesetzt.“ Durch diese Automatisierung ist T-Systems in der Lage, schnelle, sichere und dokumentierte Migrationsszenarien zu definieren, die gegenüber den herkömmlichen, meist manuellen Methoden erhebliche Vorteile bieten.

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Drei parallele Teilprojekte

Im März 2007 lief „SAP Sysco“ mit Hochdruck an. T-Systems betrieb die Konsolidierung der verteilten SAP-Systeme in drei parallelen internationalen Teilprojekten; insgesamt waren 600 interne und externe Mitarbeiter sowie 3.000 SAP-Anwender involviert. Zusätzliche Projektanforderung: Unterschiedliche SAP-Versionen und -Betriebssysteme im weltweiten Einsatz. „In der heißen Phase hatten wir sieben produktive Migrationen in fünf Wochen, und zwar verteilt auf die drei Regionen Europa, Asien und Nordamerika“, erinnert sich Michael Schmelmer. Vor der Produktivsetzung der SAP-Systeme wurden strenge Qualitätskontrollen durchgeführt. „Obwohl viele Leute zunächst skeptisch waren, konnten wir den straffen Zeitplan einhalten.“

Die eingesetzten Methoden und Werkzeuge stellten sicher, dass fast alle SAP-Migrationen in weniger als 24 Stunden durchgeführt werden konnten. Da die Datenübertragungen stets an den Wochenenden durchgeführt wurden, blieb der Geschäftsbetrieb von den Projekten nahezu unberührt.

Joint Venture zwischengeschoben

Doch blieb es nicht bei dem ursprünglichen Projektplan: Im Herbst 2007 rief Infineon ein Joint Venture mit Siemens ins Leben, um gemeinsam die Entwicklung und Fertigung von bipolaren Hochleistungshalbleitern voranzutreiben. Für „SAP Sysco“ bedeutete dies, ein neues Unternehmen in einem weiteren Mandanten abzubilden. „Das Joint Venture erforderte eine extreme Änderung in voller Fahrt“, blickt Michael Schmelmer zurück. „Obwohl T-Systems die Reißlinie hätte ziehen können, suchte unser Partner nach Lösungen, die eine Einhaltung des Zeitplans ermöglichten.“ Im Zuge der Mandantenmigrationen wurden über 300 Schnittstellen angepasst.

Heute läuft SAP bei Infineon nur noch auf drei Systemen in zwei Regionen, was zu jährlichen Kostenersparnissen von rund fünf Millionen Euro führt. So muss das High-Tech-Unternehmen heute deutlich weniger in Lizenzen und Schnittstellen-Verwaltung, Wartung und Schulungen investieren. Darüber hinaus erleichtert die bereinigte Systemlandschaft die Implementierung neuer SAP-Releases. Diese werden bei Infineon künftig nicht mehr monatlich, sondern vierteljährlich aufgespielt. Dies erfordert zwar mehr Testdisziplin, vereinfacht die Upgrades aber weiter.

Als weitere Neuerungen wurden den SAP-Plattformen dezidierte Entwicklungs- und Testsysteme für Projekte und Change Requests hinzugefügt, gleichzeitig das Transport- und Testmanagement optimiert. Damit kann Infineon auf den Systemen parallel mehrere Projekte betreiben, ohne dass es zu Konflikten innerhalb von SAP kommt. Dabei läuft die gesamte Umgebung stabiler als zuvor.

Durch die Standardisierung spart Infineon zudem an Prozesskosten. Da die Abläufe im Finanzwesen und in der Logistik vereinheitlicht wurden, sind sie schneller und werden nicht durch Dateninkonsistenzen gestört.

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Zu “Best Practices” erklärt

„,SAP Sysco’ lief trotz seiner hohen Komplexität so reibungslos ab, dass wir es konzernweit zu einem ,Best-Practice’-Projekt erklärt haben“, sagt Michael Schmelmer. Dabei hat T-Systems Infineon nicht nur bei der weltweiten SAP-Harmonisierung beraten und unterstützt, sondern auch bei der strategischen Transformation der Prozesslandschaft. „Mit der neuen schlanken System- und Prozessumgebung sind wir auch für die Zeit nach der Krise gut aufgestellt und für weiteres Wachstum gerüstet“, so Schmelmer weiter.

Zusammen mit den anderen 90 IT-Veränderungsprojekten hat die SAP-Harmonisierung Infineon die erwünschten Einsparungen beschert: Die operativen IT-Kosten wurden sogar um mehr als die angepeilten 60 Millionen Euro gesenkt.

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