Informationen mit Hochdruck

Feature | 9. August 2006 von admin 0

Unternehmensprofil

Unternehmensprofil

Wo zu viel Druck entsteht, geht schnell einiges zu Bruch. Bei Dampfkesseln, Transport- und Druckbehältern oder Rohrleitungen verhindern Sicherheitsventile einen unzulässigen Druckanstieg, indem sie Gase, Dämpfe oder Flüssigkeiten in die Atmosphäre ableiten. Auf diese Weise werden Gefahren für Mensch, Anlage und Umwelt ausgeschaltet. Die Anforderungen an die Zuverlässigkeit solcher Ventile sind daher sehr hoch.
Um immer auf dem neuesten Stand der Technik zu bleiben, entwickelt LESER seine Sicherheitsventile entsprechend weiter. Mit fast 200 Jahren Erfahrung zählt das mittelständische Familienunternehmen zu den Maschinenbau-Pionieren in Deutschland. LESER produziert jährlich rund 60.000 Sicherheitsventile und muss aufgrund der rasanten Veränderungen am Markt Unternehmensentscheidungen immer schneller fällen. Eine der Voraussetzungen dafür: die zeitnahe Auswertung sehr verschiedenartiger Kennzahlen. Doch das Unternehmen besaß hierfür kein geeignetes Werkzeug. Bisher griff LESER mittels SQL-Abfragen direkt auf die Datenbank zu – eine zeitaufwändige und unflexible Methode.

Kennzahlen zeitnah auswerten

Daher stellte sich die Frage, mit welchem Werkzeug sich diese Aufgabe am besten meistern ließe. Besonderen Wert legte das Unternehmen auf die Integration zu der SAP-Branchenlösung All for Machine von All for One, mit der LESER seit März 2005 arbeitet. “Entscheidend waren für uns darüber hinaus eine kurze Einführungszeit sowie vorkonfigurierte, betriebswirtschaftliche Inhalte”, erklärt Volker Kapune, IT-Leiter bei LESER.
Grundsätzlich wäre ein Reporting auch im VIS, dem Vertriebsinfosystem, und in der Ergebnisrechnung (CO-PA) möglich gewesen. LESER entschied sich jedoch für SAP Business Information Warehouse (SAP BW), eine Komponente von SAP NetWeaver Business Intelligence (SAP NetWeaver BI). Mit dieser Lösung stehen dem Unternehmen auf Knopfdruck Plan- und Istdaten in einer einheitlichen Oberfläche zur Verfügung. Die Auswertungen sind hinsichtlich Sortierung, Zwischensummen, Anzahl von Kennzahlen oder Schnittstellen zu anderen Datenquellen flexibler. Die Berichte können außerdem entweder in Excel – mit Hilfe des Bex Analyzer, einem Add-On für Excel – oder im Internetbrowser angezeigt werden. Zugleich sind die User in der Lage, die Anwendung jederzeit selbst und ohne aufwändige Programmierung an sich ändernde Anforderungen anzupassen. “Für SAP BW sprach zudem, dass es sich leicht in die vorhandene SAP-R/3-Lösung integrieren lässt”, ergänzt Kapune. Ein weiterer Pluspunkt war der mitgelieferte Business Content, der vordefinierte Berichts- und Analyseszenarien sowie Standardextraktoren bereitstellt.
Während des Projekts sollten mehrere Anforderungen umgesetzt werden. Die Geschäftsführer beispielsweise wünschten den Auftragseingang in unterschiedlichen Ausführungen. Dank seiner Flexibilität stellt SAP BW die Zahlen im jeweils gewünschten Format dar. Auch der Umsatz kann jederzeit rückwirkend durch verschiedene Personen von jedem Ort aus online abgerufen werden. Ein weiteres Muss war auch die Kundenanalyse. Sie lässt Tendenzen erkennen und zeigt, welcher Kunde oder welche Kundenhierarchiestufe welche Produkte kauft. Dafür wurden in SAP BW eigene Hierarchien angelegt, die unterschiedliche Sichten auf dieselben Daten erlauben. Rückstände in den Vertretungen sollten sich im Bezug auf den Auftragsbestand analysieren lassen. Neben Auswertungen für statistische Meldungen mussten auch offene Kundenaufträge in Form einer Liste ausgegeben werden können und der Umsatz tages-, wochen- und monatsweise unter Berücksichtigung von Plandaten analysiert werden.

Schnelle Realisierung im Mittelpunkt

All for One

All for One

Anfang Juli 2005 wurde mit der Einführung des SAP Business Information Warehouse begonnen. Auch hier wurde die Projektvorgehensweise “Aktives Prototyping”, die sich schon bei der Einführung von SAP bewährt hatte, verwendet. Bei dieser Methode werden die Administratoren noch vor der Fachkonzeptphase geschult. Der Vorteil dieses Vorgehens: Die Administratoren bauen bereits im Vorfeld Wissen auf; das trägt dazu bei, dass sich Kennzahlen leichter und schneller definieren lassen. “Da wir die Daten aus der ERP-Lösung möglichst bald für unsere operative und strategische Unternehmensführung verwenden wollten, stand eine schnelle Realisierung im Mittelpunkt”, erklärt Volker Kapune. In Kombination mit der SAP-Komponente wurde das Lösungspaket SAP Best Practices for Business Intelligence eingeführt. Die Best Practices der SAP beinhalten Szenarien mit vordefinierten Auswertungen für die Bereiche Financials, Customer Relationship Management, Supply Chain Management, Product Lifecycle Management und Human Resources. Damit reduziert sich die Einführungsdauer deutlich. 70 Prozent der Business-Warehouse-Objekte für den Bereich Sales und Distribution sowie die Branchenlösung für den Maschinen- und Anlagenbau übernahm das Unternehmen direkt. Sonderanforderungen setzte das Team von All-for-One um. Für die Liefertreueauswertung war beispielsweise ein eigener Cube nötig. LESER wertet nämlich Durchlaufzeiten und Termintreue anhand des ersten an den Kunden bestätigten Termin aus. Dieser wird in nachfolgende Belege fortgeschrieben und lässt sich nicht mehr verändern. Das Datum wird anschließend beispielsweise mit dem tatsächlichen Liefertermin verglichen. Nachdem in SAP R/3 ein eigenes Feld für LESER realisiert worden war, musste dieses auch in SAP BW sichtbar und auswertbar gemacht werden.
Die mitunter sehr komplexen Prozesse gerade in Bezug auf Änderungen oder Stornierungen machten es zeitweise äußerst schwierig, den Überblick zu behalten. Knifflig wurde es auch bei den Fortschreibungsregeln. Über ABAP-Routinen werden dabei Daten aus dem SAP-R/3-Standard angeglichen. Dazu bedarf es einer gewissenhaften Dokumentation. Die Modellierung der Daten erforderte viel Zeit – ein Punkt, der zunächst unterschätzt wurde. Auch beim Deltaload, bei dem nur die Veränderungen in der SAP-Anwendung als Delta verarbeitet und anschließend ins SAP BW extrahiert werden, ist Vorsicht geboten. Hier musste die Reihenfolge bestimmter Objekte beachtet werden, weil sonst die Ergebnisse der Auswertung falsch dargestellt werden. Um das zu vermeiden, müssen zum Beispiel zuerst die Stammdaten wie Material- und Kundenstamm aktualisiert werden, bevor Aufträge und Fakturen geladen werden können. Das All-for-One-Team stellte diese Vorgänge in Prozessketten dar. “So konnte auch der tägliche administrative Aufwand reduziert werden”, erläutert Frank Rechsteiner, der Projektleiter von All for One.

Bereits neue Pläne schmieden

Nach nur drei Monaten und innerhalb von 25 Beratertagen ging SAP BW bei LESER produktiv. Die komplette Ergebnis- und Marktsegmentrechnung (CO-PA) wurde in SAP BW transferiert. Da hier auch Auswertungen nach Produkthierarchien möglich sind, können Deckungsbeiträge in einer vierstufigen Hierarchie analysiert werden. Zudem lassen sich die Unternehmenszahlen jetzt beispielsweise nach der Materialklassifizierung und verschiedenen Merkmalen analysieren. Darüber hinaus wurde die Ermittlung des Lieferservicegrades aus der Fertigung und aus dem Vertrieb dargestellt, was im Standard nicht möglich ist. Der Lieferservicegrad wird über die Auswertung verschiedener Datumsfelder ermittelt. Weitere Analysen zur Performance von Endfertigung und Vertrieb sollten ebenso umgesetzt werden wie solche zu Bestellobligo oder zu Lieferanten. Zusätzlich werden heute die vier Infocubes zum Qualtitätsmanagement-(QM)-Modul genutzt. Die Flexibilität, mit der Unternehmensdaten nun ausgewertet werden, entspricht vor allem den Erwartungen der Geschäfts- und Abteilungsleiterebene.
“SAP BW ist das optimale Werkzeug. Damit lassen sich betriebswirtschaftliche Daten sehr gut gewinnen und verwenden”, stellt Volker Kapune fest. “Zwischen den Auswertungen von früher und heute liegen Welten.” Frank Rechsteiner ergänzt: “SAP BW bietet tausende von Möglichkeiten. Die Kunst besteht darin, die relevanten Informationen zu bündeln und ein klares Ziel vor Augen zu haben. Das kann mit einem genauen Projektplan mit Meilensteinen realisiert werden. Ein BW-Projekt lässt sich auf diesem Weg auch im Mittelstand in Time und in Budget realisieren.” Das nächste Ziel hat Volker Kapune bereits vor Augen: In SAP BW soll künftig die im SAP-R/3-Standard bereits bestehende Vertriebsscorecard umgesetzt werden. Der administrative Aufwand ließe sich auf diese Art nachhaltig senken.

Frank Rechsteiner

Frank Rechsteiner

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