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Intelligente Fertigung: Innovation „made in Chirmany“

Blog | 29. Juni 2016 von Paul Baur 1

Durch die Zusammenarbeit von Spitzenunternehmen möchten China und Deutschland die Innovation im Bereich Industrie 4.0 vorantreiben und Marktchancen nutzen.

Als ich vor Kurzem in Schanghai war, überraschte mich ein Kollege abends mit einem leckeren Essen. Es gab Krabbenklößchen und dazu gleich auch noch praktische Tipps, wie man an die heiße Brühe im Innern der Klößchen kommt, ohne sich den Mund zu verbrennen. Ich bin in Deutschland aufgewachsen, und zu jedem Familienfest gab es selbstgemachte Klöße, die auch heute noch zu meinen Leibspeisen gehören. Nun stellt sich vielleicht die Frage, was China und Deutschland gemeinsam haben. Wesentlich mehr als nur Klöße und Kohl, wie ich feststellen durfte. In der Garküche gemeinsamer Projekte, an denen sich Spitzenunternehmen beider Länder beteiligen, entstehen immer häufiger Innovationen für die digitale Wirtschaft.

Reger Austausch auf zahlreichen Ebenen

Die beiden Länder pflegen derzeit einen intensiven Austausch auf dem diplomatischen Parkett, im kulturellen Bereich, in der Wirtschaft und der technologischen Entwicklung.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel und der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang im Sommerpalast in Peking. Foto: Deutsche Bundesregierung, Bergmann

Auch die Medien berichten ausführlich über die Kooperation zwischen Deutschland und China und zeigten Angela Merkel bei ihrem Besuch in Peking in harmonischer Pose mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang vor dem See des kaiserlichen Sommerpalastes.

Zwar lässt das Übernahmeangebot des chinesischen Investors Midea für den Augsburger Roboterhersteller Kuka in Berlin die Alarmglocken läuten, doch zeigt dieses Beispiel auch, wie viel auf dem Spiel steht und welches Potenzial die Zusammenarbeit der beiden Länder im Bereich Innovation bietet.

Eine Partnerschaft, die für beide Seiten unverzichtbar ist

Nach Einschätzung von Benno Bunse, dem Geschäftsführer der Gesellschaft Germany Trade and Invest, ist die chinesisch-deutsche Partnerschaft für beide Seiten unverzichtbar. Deutschland ist der fünftgrößte und innerhalb der EU der wichtigste Handelspartner Chinas. Umgekehrt ist China für Deutschland der viertgrößte Handelspartner, auf dem asiatischen Markt zugleich der auch wichtigste. In den letzten zehn Jahren haben sich die bilateralen Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und China nahezu verdreifacht. 2015 belief sich ihr Wert auf 163 Mrd. Euro, von denen ein Großteil auf Investitionen der deutschen Automobilindustrie entfiel. Bunse zitiert hierzu auch die Tageszeitung China Daily: „Unsere Volkswirtschaften sind stark voneinander abhängig.“

Das erklärt, warum Angela Merkel bei ihrem China-Besuch von einer Delegation aus Ministern und Unternehmenschefs begleitet wurde, die sich im Rahmen von Regierungskonsultationen über wirtschaftliche und technische Themen austauschten.

Industrie 4.0, die vierte industrielle Revolution, bezeichnet die lückenlose Digitalisierung von Fertigungsprozessen vom Auftragseingang bis zur Auslieferung und macht sich die neuesten Entwicklungen in den Bereichen Internet, mobile Kommunikation, Internet der Dinge, Big Data und soziale Medien zunutze. Im Rahmen nationaler Programme entwickeln Deutschland und China derzeit neue Lösungen für die Industrie 4.0 („Made in China 2025“ und die „Hightech-Strategie 2020 für Deutschland“) und sehen in diesem Bereich erhebliches Potenzial für die gemeinsame Innovation.

Industrie 4.0: Gemeinsame Innovation von Spitzenunternehmen

China verkauft seine Produkte in die ganze Welt. Um aus dem Wettbewerb mit Schwellenländern mit niedrigeren Produktionskosten nicht als Verlierer hervorzugehen, benötigt das Land deshalb hochgradig effiziente Fabriken. Und genau hier kommt Deutschland ins Spiel: Die von deutschen Unternehmen entwickelte Hard- und Software zur Optimierung von Geschäftsprozessen für die digitale Wirtschaft genießt hohes Ansehen, und das Land möchte seine Führungsposition auf dem Weltmarkt mit starken Partnern ausbauen. Es verwundert daher nicht, dass Politiker in Berlin und Peking die führenden Unternehmen ihrer Länder auffordern, gemeinsam international wettbewerbsfähige Lösungen für die Industrie 4.0 zu entwickeln.

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Vertreter der SAP und des Shenyang Institute of Automation unterzeichnen am 13. Juni 2016 in Peking eine Absichtserklärung. Foto: Ping Ni.

Bestes Beispiel für diese gemeinsame Innovation im Bereich Industrie 4.0 ist ein Technology Showcase mit einem Modell einer Fertigungslinie, die von der SAP und dem Shenyang Institute of Automation (SIA) entwickelt wurde. Auch Angela Merkel und ihre Delegation statteten der Wirtschaftsmetropole Shenyang im Zentrum der chinesischen Schwerindustrie einen Besuch ab, um sich ein Bild von der erfolgreichen Zusammenarbeit der beiden Länder zu machen. Die Bundeskanzlerin zeigte großes Interesse an dem Modell und ließ sich die Funktionsweise der Fertigungslinie genau erklären. Insbesondere wollte sie auch wissen, welche Komponenten von welchem Partner entwickelt worden waren. In der Praxis lassen sich mit einer solchen Fertigungslinie sämtliche Prozesse für die Bestellung, Fertigung und Auslieferung maßgeschneiderter Produkte bis zu einer Losgröße von einem Produkt digitalisieren, integrieren und automatisieren.

Dr. Ruicheng Li, Geschäftsführer der SAP Labs China, hat in Deutschland studiert und ist daher mit den Kulturen beider Länder vertraut. Er hat ein neues Kundenprogramm ins Leben gerufen, das die gemeinsame Innovation mit wichtigen Kunden und Partnern in China fördern soll. Ruicheng Li betont, dass die in China entwickelten Lösungen nicht nur für den heimischen Markt bestimmt sind, sondern SAP-Kunden auf der ganzen Welt unterstützen sollen. „Die SAP hat sich für das SIA als Innovationspartner für die gemeinsame Entwicklung der Fertigungslinie entschieden, da das Institut in den Bereichen Robotik und Produktionsliniensteuerung weltweit führend ist“, erläutert Ruicheng Li. Einige Entwicklungen des SIA sind sogar schon bei Mondexpeditionen zum Einsatz gekommen. Und auch Haibin Yu, President des SIA, sieht in der SAP aufgrund ihrer globalen Präsenz, langjährigen Erfahrung und langfristigen Strategie einen idealen Partner für die gemeinsame Innovation.

Die SAP hat das Potenzial von China für die Forschung und Entwicklung bereits früh erkannt und schon 1997 erste Entwicklungszentren in Schanghai und Peking eingerichtet. Heute beschäftigt das Unternehmen im Reich der Mitte rund 2.500 Mitarbeiter in sieben Entwicklungszentren. Damit ist China der drittgrößte Forschungs- und Entwicklungsstandort der SAP weltweit und wichtiger Bestandteil des globalen Netzwerks aus 14 Entwicklungszentren. „Die SAP hat in den vergangenen 20 Jahren großes Vertrauen bei ihren chinesischen Geschäftspartnern aufgebaut und ist mit den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bestens vertraut. Dadurch können wir gemeinsam mit unseren Kunden viel erreichen“, bescheinigt Clas Neumann, der als Leiter des SAP Labs Network für die Wachstumsstrategie der SAP-Entwicklungszentren verantwortlich zeichnet.

Er sieht großes Potenzial für intelligente Fertigungslösungen auf dem chinesischen Markt: „Vielleicht dauert es noch drei Jahre, vielleicht noch fünf Jahre oder auch länger, aber eines Tages wird China der größte Markt der SAP für intelligente Fertigungslösungen sein.“

Video: Steven Lu, SAP Labs China

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