Integration zählt auch beim Militär

Feature | 6. Dezember 2004 von admin 0

John L. Barry

John L. Barry

Barry war über 30 Jahre lang Mitglied der US-Luftwaffe und als solches für einige Zeit Direktor des Unfalluntersuchungsgremiums CAIB (Columbia Accident Investigation Board). Er wurde als White House Fellow für eine Tätigkeit bei der NASA (National Aeronautics and Space Administration) ausgewählt. Darüber hinaus war Barry militärischer Berater des US-Verteidigungsministeriums während der Operationen “Desert Shield” und “Desert Storm” und hatte als Kampfpilot wichtige Führungspositionen inne. In seiner umfangreichen Erfahrung im Militärwesen rund um den Globus sieht Barry eine ausgezeichnete Voraussetzung für seine Tätigkeit bei SAP. “SAP for Defense & Security wird in 50 Ländern aktiv eingesetzt, darunter auch in 14 der 27 NATO-Mitgliedsländer”, erläuterte Barry. Unlängst wurde beispielsweise ein Vertrag mit den Niederlanden unterzeichnet.

Warum findet SAP auch im Verteidigungssektor international einen so großen Anklang?

Barry: SAP hat sich weltweit als Marktführer für betriebswirtschaftliche Standardsoftware und Lösungen zur Unternehmensintegration etabliert. Das kommt an. So hat sich beispielsweise das US-Verteidigungsministerium Anfang bis Mitte der 90er Jahre ganz bewusst für eine kommerzielle Standard-Software entschieden.

Beschreiben Sie die Lösung SAP for Defense & Security.

Barry: “Defense” bedeutet wie jeder weiß Verteidigung, “Security” steht für Sicherheit. So ist SAP for Defense & Security einerseits für Militäreinsätze gedacht, andererseits jedoch auch für die “Homeland Security”, die innere Sicherheit. Zudem ist die Lösung genauso gut für die Planung und Durchführung von Rettungseinsätzen der Polizei und der Feuerwehr geeignet. Insgesamt umfasst das einen Markt mit großem Wachstumspotential. Denn immer mehr Länder auf der Welt haben begonnen, Unternehmenssoftware ihren Verteidigungs- und Sicherheitsanforderungen anzupassen. Sie erkennen die Effizienz und Effektivität der Software und sehen darin auch eine Möglichkeit, gegen den internationalen Terrorismus vorzugehen. Da die SAP-Lösung eine horizontale Integration der Daten ermöglicht, können sich die Länder Wissen aneignen, das es ihnen bei einer akuten Bedrohung erlaubt rasch zu handeln und die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Inwiefern sind Sie durch Ihre Karriere beim Militär auf Ihre derzeitige Aufgabe vorbereitet?

Barry: Das Stichwort Integration übt auf mich bereits seit sehr langer Zeit eine enorme Faszination aus. Ich habe beim Militär lange Zeit dagegen angekämpft, dass Informationen direkt nach oben durchgereicht und nicht allen weitergeleitet wurden. Als strategischer Planer bei der US Air Force musste ich dafür sorgen, dass alle Truppenteile effektiv zusammen arbeiteten, dass alles integriert war. Genau darum geht es bei SAP-Software. SAP bietet Software für das operative Geschäft aber auch Werkzeuge etwa für die unterstützende Logistik. So ist die Truppe versorgt, aber auch in den Bereichen Human Resources, Finanzen und Logistik verfügen die Planer über handfeste Daten. Auf diese Weise hat beispielsweise die Personalabteilung einen besseren Überblick über die eingesetzten Streitkräfte.

Als ich operativer Befehlshaber in der Türkei war wurden jeden Tag Einsätze über dem Irak geflogen. Wir mussten dazu in der Lage sein, die Informationen zwischen den Franzosen, den Türken, den Briten und den Amerikanern unter einen Hut zu bringen, die Daten also zu integrieren, um zu wissen, wie wir unsere Flugzeuge fliegen sollten. Doch es war ziemlich schwierig Hintergrundinformationen etwa in den Bereichen Finanzen, Logistik, Personal und Training zu erhalten. Ich habe nie wirklich aktuelle oder umfassende Antworten bekommen. Die anderen Streitkräfte verfügten nicht über die gleichen operativen Systeme wie wir. Aus diesen Erfahrungen weiß ich ganz genau, wie sich die operative Seite der Einsätze durch die unterstützende Seite wie Personalwesen oder Logistik optimieren lässt. Ich bin begeistert von den technischen Möglichkeiten und diese Begeisterung ließ sich ganz einfach auf SAP übertragen.

Welcher Militärauftrag hat Sie am meisten geprägt?

Barry: Ich wurde zum Befehlshaber in der Türkei ernannt, nachdem 1994 ein Helikopter von den eigenen Truppen abgeschossen wurde. Amerikanische F-15-Piloten hatten zwei Hubschrauber mit 21 Menschen an Board versehentlich als feindlich eingestuft. Unter den Soldaten in dem abgeschossenen Hubschrauber waren Franzosen, Briten, Türken und Amerikaner. Ich sollte diese Angelegenheit aufklären. Unser Team brauchte dafür über zwei Jahre, doch dann galten wir als eine der besten Abteilungen der Air Force in Europa.

Wofür interessiert sich der typische Kunde von SAP for Defense & Security?

Barry: Viele Kunden möchten eine Lösung, mit der sie ihre Logistik und ihre Finanzen besser verwalten können. Viele müssen das Personalwesen optimieren. Aus den Bereichen militärische Wartung und Logistik verzeichnen wir daher ein enormes Interesse an den SAP-Produkten. Diese Bereiche wissen den Wert der Integration zu schätzen. Der große Vorteil der Integration besteht darin, dass Daten nicht irgendwohin versickern.

Der Unterschied zwischen dem Militär und anderen SAP-Kunden ist zweifelsohne der Truppeneinsatz, der Truppenaufmarsch an sich. General Motors kennt keinen Truppeneinsatz. Das Militär hingegen ist viel unterwegs. Viele Länder entsenden Streitkräfte. So hat beispielsweise Singapur Truppen in Osttimor stationiert. Auch die NATO-Staaten verlegen ihre Truppen im Vertragsfall aus den heimischen Kasernen, um sie in Bosnien-Herzegowina, im Kosovo oder in Afghanistan zu stationieren. Die Software von SAP bietet neben dem rein betriebswirtschaftlichen Teil auch die Möglichkeit, Truppeneinsätzen zu planen und durchzuführen.

Wie funktioniert das?

Barry: Mit der SAP-Software lassen sich beispielsweise die Informationen zu allen Truppen über eine Datenbank abrufen. Fällt etwa die Entscheidung, dass 2.000 Soldaten an einen bestimmten Ort entsendet werden sollen, so kann dieser Einsatz mit Hilfe der SAP-Software organisiert werden. Der Heerführer entschließt sich, ein Bataillon Armeeingenieure einzuziehen, zwei Arbeitsschichten einzuführen und eine Schwadron Frachtflugzeuge einzusetzen. In der SAP-Lösung müssen diese Posten nur mit der Drag-and-Drop-Funktion in eine Task Force gezogen werden. Die Software zeigt an, wie viele Soldaten für einen solchen Auftrag ausgebildet und einsatzbereit sind. Sie gibt ferner Auskunft darüber, welche Ausrüstung benötigt wird, wie viele Schiffe, Flugzeuge, Bodenfahrzeuge und welche Kommunikationsmittel gebraucht werden. Darüber hinaus zeigt sie an, was an zusätzlicher Unterstützung notwendig ist, wie viele Ersatzteile, Waffen, Treibstoff notwendig sind und was davon verfügbar ist. Auf diese Weise lässt sich feststellen, ob genügend Material vorhanden ist. Mit der Software wird also eine Task Force gebildet und eingesetzt.

Was haben die eigentlich Betroffenen, die Streitkräfte oder die Sicherheitskräfte davon?

Barry: SAP NetWeaver bietet eine mobile Infrastruktur. Nachdem die Task Force organisiert und eingesetzt ist, lässt sich diese mobile Infrastruktur ausprägen um die Mitglieder der Task Force miteinander zu verbinden. Angenommen ein Jeep ist unterwegs, um Ersatzteile oder Nahrungsmittel zu liefern. Das Fahrzeug hat eine Panne, weil es von der Straße abgekommen ist. Der Fahrer bestellt dann mit der mobilen Infrastruktur von SAP über seinen Laptop, der mit einem Server verbunden ist, das richtige Ersatzteil, macht einen Reparaturtermin aus und kann sogar herausfinden, wer für die Reparatur zuständig ist – bevor das Fahrzeug abgeschleppt wurde und in der Werkstatt angekommen ist.

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