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Technologie als Antwort auf die Herausforderungen der demografischen Alterung?

6. Januar 2017 von Bojidar Mantarov 15

Ein Design-Thinking-Workshop bei der SAP ging kürzlich der Frage nach, wie sich durch Technologie eine der größten Herausforderungen der Gesundheitssysteme – die Betreuung der alternden Bevölkerung – entschärfen ließe.

In vielen Ländern stellt die demografische Alterung für Gesundheitssysteme und Familien eine enorme Belastung dar. Um diesen gesellschaftlichen Wandel aufzufangen, reichen finanzielle Mittel nicht aus – ein Umdenken ist gefragt. In Japan beispielsweise wird bereits untersucht, ob sich hier der menschliche Faktor nicht durch Technologie ersetzen ließe.

In der Technologie liegt möglicherweise die Lösung für eine große Herausforderung im Gesundheitswesen: die Betreuung der Senioren.

Definition der Zielgruppe

Unsere fiktive Testperson Desmond ist 86 Jahre alt und zeigt erste Anzeichen einer Demenz. Desmond lebt allein, sein einziger Sohn wohnt weit entfernt – und diesen um Hilfe zu bitten, lässt sein Stolz ohnehin nicht zu. In unserem Beispiel lebt Desmond in nicht allzu ferner Zukunft: im Jahr 2025.

Für uns lautet die Frage nun: Wie lässt sich Desmonds Befinden beobachten und wie können wir jenen Zeitpunkt bestimmen, ab dem er auf Hilfe durch seine Familie oder durch den Pflegedienst angewiesen ist?

Vernetzte Geräte entschlüsseln individuelle Bedürfnisse

Im Rahmen unserer Forschung befassten wir uns mit Technologien für das intelligente Zuhause sowie mit vernetzten Geräten. Wir fanden auch schnell einen Weg: Wenn man beobachten könnte, wie sich Desmond durch sein Zuhause und auch außerhalb davon bewegt, und so seine Verhaltensmuster nachvollziehen könnte, ließen sich auch Abweichungen von seinen Gewohnheiten – oder ein Unfall – feststellen.

Wir können davon ausgehen, dass im Jahr 2025 viele Haushaltsgeräte mit Sensoren ausgestattet sein dürften. Die Frage lautet aber: Wie lassen sich diese Daten bündeln und so zusammensetzen, dass sie Desmonds Leben und seine Bedürfnisse ganzheitlich abbilden? Ernährt er sich ausgewogen? Kann er gut für sich selbst sorgen? Trifft er sich regelmäßig mit Freunden und Bekannten? Wie können wir ihm einen Fingerzeig geben, wenn er ein bisschen Hilfe benötigt? Wie können wir feststellen, ob sich sein Zustand verschlechtert?

Die Roboterkatze: künstliche Intelligenz als Herzstück

Unseren Erkenntnissen zufolge hätten verschiedene isolierte Geräte, die über das Internet miteinander verbunden sind (intelligenter Kühlschrank, vernetzte Waage, Türsensoren, Smartwatch usw.), das Problem wohl kaum lösen können. Man müsste vielmehr einen Weg finden, um all diese Datenquellen zu verbinden und mit Desmond direkt und auf persönlicher Ebene interagieren zu können.

Die iCat überwacht mithilfe ihrer künstlichen Intelligenz die körperliche und geistige Gesundheit ihres Besitzers.

Wir ließen uns von der japanischen Roboter-Robbe Paro inspirieren, die zu therapeutischen Zwecken eingesetzt wird, und erfanden die iCat: eine mobile, unabhängige Roboterkatze, die mit den intelligenten Geräten in Desmonds Haus sowie mit seinem Telefon, seinem E-Mail-Konto und seinem Terminkalender vernetzt ist. Die iCat verkörpert sozusagen einen persönlichen Assistenten – ähnlich denen von Apple, Google oder Amazon, die in die Rolle eines menschlichen Gegenübers schlüpfen. Anders als diese setzt die iCat jedoch auf eine emotionale Bindung und erlernt mithilfe ihrer künstlichen Intelligenz die Bedürfnisse ihres Besitzers und überwacht seine körperliche und geistige Gesundheit. Die iCat kann nicht sprechen oder auf Sprachbefehle reagieren. Sie ahmt ein Tier nach, leistet Gesellschaft und passt ihr Verhalten der Stimmung ihres Besitzers an.

Was zählt, ist die emotionale Bindung

Unsere Analysen und die Rückmeldungen, die wir nach der Vorstellung unserer Idee bekamen, zeigten eindeutig: Die Fähigkeit des flauschigen Roboterkätzchens, emotionale Nähe zu seinem Besitzer herzustellen, ist der Schlüssel zu seinem Erfolg. Die Katze hat ihren eigenen Kopf und eigene Bedürfnisse. Wenn sich Desmond um das Kätzchen kümmert, wird er es ins Herz schließen, während sich die iCat insgeheim um Desmond kümmert.

Die iCat ist drahtlos mit den intelligenten Geräten im Haus sowie mit Desmonds technischen Kommunikationsmitteln verbunden und kann so darauf achten, dass sich Desmond ausgewogen ernährt, sich mit Freunden trifft und aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnimmt.

Wenn sich Desmond plötzlich seltsam verhält oder ihm etwas zustößt, kann die iCat seine Familie oder den Pflegedienst benachrichtigen.

Da die iCat intensiv in Desmonds Alltag eingebunden ist, muss auch der Pflegedienst weniger regelmäßig vorbeikommen. Solche Kontrollen sind zeitaufwendig und bieten den Patienten nur geringen sozialen Nutzen. Robotertierchen wie Paro hingegen haben erwiesenermaßen einen positiven Einfluss auf den Menschen – sie verbreiten gute Laune und lassen ihre Besitzer aktiver werden.

In Japan würde die iCat vermutlich einige Herzen erobern. Wie wäre die Resonanz wohl in Ihrem Land?

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Dieser Beitrag wurde ursprünglich in der SAP Community veröffentlicht.

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