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Intelligente Daten: die neue Goldgrube für IT-Chefs

9. August 2016 von Carsten Linz 1

Zu den traditionellen Rollen eines IT-Vorstands kommen weitere dazu: Visionär, Unternehmer, Datenalchemist und digitaler Revolutionär. Welche Fähigkeiten gefragt sind, um Daten intelligent zu nutzen.

Jedes Unternehmen hat heutzutage mit Technologie zu tun. Digitale Daten sind überall und in so großen Mengen vorhanden, dass sich ihr Potenzial nicht immer erschließt. Dank technischer Innovationen verfügen IT-Vorstände über Instrumente, um neue Wege für eine erfolgreiche Geschäftstätigkeit zu beschreiten. Sie nutzen Cloud Computing, Hyperkonnektivität, In-Memory-Technologie sowie intelligente Sensoren und konzentrieren sich darauf, Informationen zu gewinnen, diese zu analysieren und daraus Aktionen abzuleiten.

Daten werden für Unternehmen immer mehr zu einer wahren Goldgrube. Das bedeutet für Vorstände, dass sie ihre IT-Strategie planen müssen, um ihren Unternehmen einen dauerhaften Vorsprung zu verleihen. Wenn IT zum wesentlichen Bestandteil des Wertschöpfungsprozesses eines Unternehmens wird, setzt das viele Vorstände unter Druck: Wie zieht man den größten Mehrwert aus seinen Daten, welche neuen Kompetenzen, Verantwortungsbereiche, Kundenangebote und Einkommensquellen sind die strategisch richtigen für das Unternehmen? Wie kann die Informationstechnologie zu einem Eckpfeiler ihres geschäftlichen Erfolges werden?

Visionäre Datenalchemisten verwandeln rohe in intelligente Daten

Zusätzlich zu den vier traditionellen Rollen eines IT-Vorstandes – Technologie-Berater, IT-Dienstleister, Geschäftspartner und Sicherheitsbeauftragter – kommen für jedes Unternehmen aus Sicht des SAP Center for Digital Leadership noch Folgende dazu: Visionär, Unternehmer, Datenalchemist und digitaler Revolutionär. Dabei ist noch nicht entschieden, ob diese im Unternehmen zwangsläufig von einem IT-Vorstand oder beispielsweise einem Chief Digital Officer oder Marketing-Vorstand übernommen werden sollte.

Insbesondere die Rolle eines Datenalchemisten ist für die Vorstandschaft unabdingbar. Er muss im Unternehmen Fähigkeiten aufbauen, um aus riesigen Mengen roher Daten intelligente Daten und daraus abgeleitete Prozesse herauszufiltern. So werden neues Wissen und verwertbare Informationen für das Tagesgeschäft gewonnen.

Mit Big Data und SAP HANA Klimaveränderungen vorhersagen

Überlegen Sie sich einmal wie es wäre, wenn Ihr Unternehmen Terabytes an exakten Geo-Wetterdaten zur Verfügung hätte. Eine elastische Cloud-Plattform stünde bereit, mit der man eine detaillierte Auswertung über aktuelle und historische Klimadaten sowie die Wahrscheinlichkeit von zukünftigen klimatischen Veränderungen und deren Einflüsse beispielsweise auf das Wetter abrufen könnte. Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmen, der öffentliche Sektor oder die Agrarindustrie könnten auf vielerlei Arten davon profitieren, diese Daten überlegt zu nutzen, beispielsweise durch:

  • Mithilfe der Analyse von Satellitendaten können Klimaveränderungen unseres Planeten vorhergesagt werden. Die Auswertung der Biomasse- und Vegetationsindizes unterstützt die Ernteprognose und trägt deshalb bedeutend zur Nahrungssicherheit in einer Welt bei, deren Bevölkerung rasant wächst. Durch die Beobachtung erhalten wir ein tieferes Verständnis von Wettermustern und unserem Klima, wodurch die Energiegewinnung von Wind- und Solaranlagen optimiert werden kann. Wir können ableiten, wie sich der weltweite Wasserkonsum in den vergangenen Jahren verändert hat oder wie sich die Luftfahrt- und Hafenindustrie künftig entwickeln könnte.
  • Damit ist die Interpretation von Daten und Begleitumständen möglich. Analysen des schmelzenden Eises in Grönland oder in der Antarktis belegen, dass der Meeresspiegel pro Jahr um vier Millimeter ansteigt, und unterstützt damit die Forderungen nach notwendigen Langzeitinvestitionen des öffentlichen Sektors in tiefer gelegenen Gebieten auf der ganzen Welt. Beispielsweise wird der Bedarf an höheren Deichen entlang von Küstenlinien deutlich. Gemeinsam mit der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) und auf Grundlage von Daten und Informationen aus dem europäischen Copernicus-Programm beabsichtigen wir, solche Daten mit unserer SAP HANA Cloud Platform zu diagnostizieren.greenland-ice-sheet-elevation-change-1024x576
  • Damit können wir begründete oder sogar stichhaltige Annahmen auf Datenbasis treffen und alle Risiken anhand historischer oder aktueller Informationen beurteilen. Wir sind in der Lage, zukünftige Szenarien und deren Wahrscheinlichkeit besser vorherzusagen und Maßnahmen zu planen. Für die Landwirtschaft heißt das nicht nur, über bevorstehende Stürme Bescheid zu wissen auch der Einsatz von Wasser und Dünger auf den Feldern kann mit Hilfe von Satelliteninformationen optimiert werden. Der Landwirt erkennt sogar, wenn der Ausbruch einer bekannten Pflanzenkrankheit bevorsteht und kann präventiv mit der Behandlung der Pflanzen beginnen.
  • Entscheidungsunterstützung. Unternehmenssysteme können auf Grundlage von Datenanalysen Empfehlungen für Geschäftsentscheidungen abgeben. Das heißt, dass Informationssysteme autonom reagieren, sich selbst optimieren und ein Wandel zu echtem „Management-by-Exception“ stattfindet. Ein Beispiel: Rettungsteams werden im Fall einer Katastrophe automatisch benachrichtigt, Vorräte und Medizin erreichen evakuierte Menschen rechtzeitig und sind in ausreichenden Mengen vorhanden.

Intelligentes Datenmanagement entscheidend beim digitalen Wandel

Voraussetzung ist, dass die Basisdaten des Unternehmens über alle Systeme hinweg bereinigt, semantisch korrekt, aktuell, verlässlich und konsistent sind. So kann das Unternehmen schnelle und exakte Ergebnisse generieren. Den hohen Datenanforderungen sollen einfache Prozesse zugrunde liegen, die durch ein hohes Maß an Automatisierung ist es möglich, Daten zuverlässig und schnell zu skalieren.

IT-Vorstände sollten erwägen Big-Data-Umgebungen so zu verwalten, dass Datensätze aus verschiedenen Quellen gesammelt und deren Herkunft und Eigentum leicht festgestellt werden kann. Eine konsistente prozessseitige Stammdatenerstellung und Pflege, verbesserte Tools und Systeme und Best Practices für Datenorganisation und -steuerung unterstützen dabei. Bei SAP werden so im eigenen Enterprise Data Management in den kommenden Jahren vier Funktionen entwickelt:

  • Aufbau einer dezidierten Organisation und zugrundeliegender Steuerungsprozesse
  • Kontinuierliche Datenpflege, um den Stammdaten-Lebenszyklus zu verwalten und dem normalen „Datenverfall“ entgegenzuwirken
  • Vorbeugende, vorausschauende Datenprozesse
  • Tools und Systeme

Um das Projekt voranzubringen, wurde ein Lenkungsausschuss zum Thema Daten auf Vorstandsebene aufgesetzt und ein internationaler Datenrat gegründet, der aus den Datenexperten jedes SAP-Vorstandsbereichs besteht. Sobald diese Funktionen entwickelt sind, wird das Programm eine kontinuierliche Pflege und Überprüfung der Datenqualität, gemeinsam genutzte Datenservices und eine Compliance-Kontrolle umfassen. Geschäftsprozesse, Arbeitsabläufe und IT-Systeme müssen grundlegend verändert werden – was ohne verantwortliche Rollen und eine starke Steuerung nicht möglich wäre.

Smarte Daten und der IT-Vorstand

Daten alleine sind noch kein Wissen. Jedoch werden aufgrund neuer Technologien immer mehr Unternehmen in zunehmendem Maße Datenanalysen als Dienstleistung anbieten.

In der Regel ergeben sich für Unternehmen durch „Smart Data“-Initiativen viele Möglichkeiten, ein tieferes und besseres Verständnis für ihr Geschäft zu erlangen. Die Produktivität wird gesteigert, Prozesse effizienter gestaltet, die Wettbewerbsposition gestärkt und Innovationen vereinfacht. Dies alles kann einen großen Einfluss auf die Bilanz und die gesamte Datenstrategie haben.

Dem IT-Vorstand fällt dabei eine entscheidende Rolle zu und es ist wichtig, verstärkt mit Entscheidungsträgern aus der Führungsetage zusammenzuarbeiten. Um digitale Initiativen voranzubringen und geschäftliche Anforderungen zu identifizieren, betrifft dies konkret die Leiter der Produktbereiche, sowie den Chief Digital Officer, Chief Data Officer und Chief Marketing Officer. Mit starken internen und externen Partnerschaften kann der IT-Vorstand eine digitale Strategie für das gesamte Unternehmen entwickeln, mit dem er Wettbewerbern einen Schritt voraus ist.

Dr. Carsten Linz ist Business Development Officer und Leiter des Center for Digital Leadership bei SAP.

Der Artikel erschien ursprünglich bei CIO Review.

Weitere Informationen:

Artikel zum Thema Führung und digitaler Wandel: „Next-Generation CIOs: Effective Leadership for Digital Transformation“

 

 

 

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