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„Intelligente“ Hafenlogistik in Kenia

29. Juni 2015 von Judith Magyar 0

Der Transport von Personen und Waren findet entweder auf dem Luft- oder Wasserweg, über die Schiene oder die Straße statt. In Ostafrika, wo viele Länder Binnenstaaten sind, nutzen 70 Prozent der Reisenden das Straßenverkehrsnetz, 28 Prozent das Flugzeug und nur zwei Prozent den Zug. Anders sieht es beim Güterverkehr aus. Mit 98 Prozent kommt der Großteil aller Warenimporte der Region auf dem Seeweg in den Häfen Kenias an. Von dort aus werden 65 Prozent der Fracht mit LKWs weitertransportiert, der Rest mit dem Zug.

Handelshäfen nutzen Technologie

Kontinuierliche Überlastung ist die größte Herausforderung, vor der die Häfen im kenianischen Mombasa und im tansanischen Dar es Salaam stehen. Bis vor Kurzem wurde hier nicht einmal versucht, Prozesse zu automatisieren. Ineffiziente Abläufe und große Verzögerungen waren an der Tagesordnung. Naturprodukte verloren an Frische und die Verteilung der Fracht an Industriebetriebe wurde immer teurer – die Region konnte nicht mehr mit dem Wettbewerb in Afrika und dem Rest der Welt mithalten.

„Die kenianischen Häfen sind zu 100 Prozent im Staatsbesitz, werden jedoch von einer Aufsichtsbehörde verwaltet. So können sie eigenständig Entscheidungen treffen. Die Kenya Ports Authority entschloss sich, die Probleme auf intelligente Weise anzugehen“, erklärt David Ochieng von SAP, der den Kunden betreute.

Um dem langfristigen Ziel näherzukommen, so effizient zu arbeiten wie der Hamburger Hafen, wurde zunächst ein ERP-Kernsystem benötigt. Zudem war die Automatisierung der Backoffice-Prozesse erforderlich. Erst dann konnten die Roadmap um weitere Punkte ergänzt werden.

Motivierte Mitarbeiter machen’s möglich

Für ein Unternehmen, das wettbewerbsfähig sein will, ist eine leistungsorientierte Unternehmenskultur jedoch weitaus wichtiger als Technologie. Diese fehlte bei der Kenya Ports Authority zuvor völlig. Inzwischen hat die Behörde die Zeitmanagement- und Personalabrechnungsprozesse für ihre 7000 Mitarbeiter automatisiert und Möglichkeiten zur Schulung und Weiterbildung geschaffen.

Mindestens genauso wichtig ist das Thema Sicherheit. Die Kenya Ports Authority nutzte bereits vor der Umstellung ein Sicherheitsmanagementsystem eines anderen Anbieters. Demnächst soll es mit dem SAP-System verbunden werden, um alle Eingangs- und Ausgangspunkte für Fahrzeuge und Passagiere zu automatisieren. Zudem sollen künftig Sensoren die Positionen und Bewegungen von Containern erfassen, um das Yard-Management zu vereinfachen.

Der Weg zur intelligenten Hafenlogistik

Die Technologie ist aus operativer Sicht für die Kenya Ports Authority von zentraler Bedeutung. So sollen Analysen künftig eine transparente Steuerung und Risikomanagement ermöglichen. Auch Geschäftsnetzwerke, die die einzelnen Lieferanten verknüpfen, sind Teil der Roadmap. Durch die Automatisierung von Finanz-, Beschaffungs- und Supply-Chain-Management konnte der Hafen Effizienz und Umsatz schon jetzt erheblich steigern: Im letzten Jahr schlug die Kenya Ports Authority bereits eine Million Container um. Dieses hervorragende Ergebnis konnte nur erzielt werden, weil Prozesse automatisiert und eine leistungsorientierte Unternehmenskultur geschaffen wurde. Wenn schon der erste Schritt auf dem Weg zum „Smart Port“, einem intelligenten Hafen, derart positive Ergebnisse liefert, bleibt kaum abzuwarten, was noch kommen wird.

Lesen Sie hier, wie auch der Hamburger Hafen mit SAP seine Prozesse optimiert.

Folgen Sie Judith Magyar auf Twitter unter @magyarj.

Bildquelle: Shutterstock

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