Soccer team in a huddle

International SAP Conference for Mining and Metals: Aufbruch ins digitale Zeitalter

14. Juli 2016 von Gabriele Middendorf 0

Der Bergbau und die Metallindustrie befinden sich an einem Scheideweg und müssen sich von traditionellen Arbeitsweisen verabschieden. Die International SAP Conference for Mining and Metals gab Anregungen, wie die Zukunft der beiden Branchen aussehen könnte.

Männer mit rußgeschwärzten Gesichtern und einer Hacke über der Schulter, die in dunkle, gefährliche Schächte einfahren – fast jeder hat dieses Bild vor Augen, wenn er an den Bergbau denkt. Doch diese Vorstellung wird schon bald der Vergangenheit angehören. Dann könnten Roboter und selbstfahrende Grubenbahnen, gesteuert von Mitarbeitern über Tage, den gefährlichen Rohstoffabbau und -transport übernehmen. Bereits jetzt ist dieses Konzept schon ein Stück weit Realität: Beim australischen Bergbaukonzern Roy Hill beispielsweise überwacht ein Kontrollzentrum vom Hauptsitz in Perth aus weit entfernt gelegene Bergwerke und analysiert und prognostiziert in Echtzeit den Produktionsausstoß und weitere Parameter. So kann das Unternehmen Maßnahmen ergreifen, bevor sich ein Problem auf die Produktion auswirkt.

Um diese und weitere Entwicklungen zu diskutieren, trafen sich Vertreter aus der Bergbau- und Metallbranche sowie SAP-Experten vom 12. bis 14. Juli auf der International SAP Conference for Mining and Metals in Frankfurt. Viele der rund 300 Teilnehmer waren von weit her angereist, von Südamerika und Asien bis zu Australien. Und auch der Veranstaltungsort Kap Europa konnte nicht passender gewählt sein, symbolisierte er doch mit seiner avantgardistischen Architektur den Aufbruch in die Zukunft.

Schwierige Zeiten für den Bergbau- und die Metallbranche

Sinkende Produktivität trotz Investitionen, Kostensteigerungen durch höhere Energiepreise sowie eine Halbierung der Rohstoffpreise in den vergangen zwei Jahren – vor allem damit habe der Bergbau aktuell zu kämpfen, erklärte Eckhardt Siess, Global Vice President für den Bereich Mill Products and Mining Business Solutions bei SAP, in seiner Eröffnungsrede. Und auch viele Unternehmen der Metallbranche arbeiteten derzeit nur mit 70 Prozent ihrer Kapazität, insbesondere durch eine schwächere Nachfrage aus China. „Es ist kein Geheimnis: Beide Branchen stehen unter großem Druck“, erklärte er. „Deshalb ist es jetzt an der Zeit zu handeln. Denn trotz aller Herausforderungen eröffnen sich auch große Chancen.“ Eine Antwort auf diese Herausforderungen könnten vor allem Technologietrends geben, etwa die zunehmende Vernetzung, Big Data mit ihren Möglichkeiten für Analysen und Prognosen, Cloud Computing sowie das Internet der Dinge und Industrie 4.0. Und genau hier könne die SAP Unternehmen unterstützen: „SAP ist dafür da, Ihnen hierbei zu helfen.“

Die Konferenz bot vielfältige Möglichkeiten für Austausch und Networking.

Die digitale Transformation passiert jetzt

Wie digitale Innovation in der Praxis aussieht, demonstrierte Christoph Behrendt, Executive Vice President für Industry& Custom Development bei SAP, in seinem Vortrag an zwei Beispielen. Über einen Link verknüpfte er live einen einfachen Sensor mit der SAP HANA Cloud Platform, der daraufhin Aufzeichnungen wie Vibrationen, Licht- und Temperaturmessungen sowie Ortsveränderungen in Echtzeit an die Plattform meldete. Ebenso sei ein solcher Sensor auch an einem Raupenfahrzeug, einem LKW oder einer Maschine denkbar, sagte Behrendt, und schlug damit die Brücke zur Bergbau- und Metallbranche. In seiner zweiten Demo zeigte Behrendt die Smartphone-App eines Instandhaltungsmechaniker, der den Auftrag erhalten hat, eine Pumpe zu reparieren. Über das Smartphone kann er organisieren, dass er die erforderlichen Ersatzteile bekommt und sein Wagen entsprechend bestückt wird. Gleichzeitig kann er in der App auch Reparaturempfehlungen für die Pumpe aufrufen und seine Zeiterfassung erledigen.

SAP S/4HANA, Netzwerke und IoT können Antworten auf Herausforderungen geben

Die beiden Beispiele zeigten anschaulich, wie die Digitalisierung Geschäftsprozesse, Geschäftsmodelle und die Arbeit von Grund auf verändern. Mit ihrer Innovationsstrategie versuche die SAP, so Behrend, diese Trends und die digitale Transformation möglich zu machen: „Wir versuchen, diese Trends zu verstehen und in einem Lösungsportfolio umzusetzen. Wir wollen sicherstellen, dass Sie Optionen haben – Optionen, die Ihnen und Ihrem Unternehmen Wertschöpfung bringen.” Die Strategie umfasse Anwendungen, insbesondere SAP S/4 HANA als digitalem Kern, sowie Netzwerke und Plattformen. Sie beziehe alle Akteure mit ein – vom Lieferanten über den Kunden bis hin zu den Mitarbeitern und den Maschinen. Eine immer größere Rolle spiele die Zusammenarbeit in Netzwerken, etwa im Einkauf, wo immer mehr Unternehmen beispielsweise das Ariba Network einsetzten: „In vielen Branchen hat man keine festen Lieferanten und keine festen Lieferantenverträge mehr. Man steigt auf Netzwerke um, bei denen es sich um große Marktplätze handelt.“ Als weiteres Beispiel für Netzwerke nannte Behrendt das SAP Asset Intelligence Network, das Informationen von Herstellern, Dienstleistern und Anlagenbetreibern auf einer cloudbasierten Plattform zusammenbringt und so unter anderem eine vorausschauende Instandhaltung von Maschinen möglich macht. SAP begleite Unternehmen bei ihrem digitalen Wandel, den jedes Unternehmen in seinem Tempo gehen könne: „Man muss nicht gleich alles erneuern – man kann das Schritt für Schritt realisieren”, sagte Behrendt.

Unternehmen gehen Digitalisierung aktiv an

Aurelian Popa, CIO Long Products EMEA beim weltweit größten Stahl- und Bergbauunternehmen ArcelorMittal, betonte in seinem Vortrag, dass Digitalisierung auch im Hinblick auf die Kunden immer wichtiger werde. Kunden erwarteten heute von Unternehmen, dass sie digitale Prozesse haben. Aber auch die Unternehmen selbst profitierten von der Digitalisierung durch mehr Produktivität. Kunden wünschten sich ein Einkaufserlebnis, ähnlich wie bei Amazon. Zudem wollten sie vom Auftragseingang bis zur Bezahlung in elektronischer Form kommunizieren können und jederzeit Zugriff auf Daten haben, etwa auf die Logistikkette. Ohne eine digitalsierte Logistikkette würden Kunden sagen: “Wenn ich keinen Einblick in die gesamte Logistikkette habe und meine Bestellungen nicht verfolgen kann, bleibe ich nicht bei Ihnen.“ Aber auch Business Intelligence (BI) spiele eine immer größere Rolle, insbesondere im Vertrieb. Mit CRM- und BI-Lösungen der SAP sorge AccelorMittal dafür, dass im gesamten Unternehmen eine 360-Grad-Sicht des Kunden verfügbar sei und das Reporting die erforderlichen Einblicke biete.

Dass von der Digitalisierung insbesondere auch die Anwender profitieren, hob Darren Hadfield, Group Information Systems Manager bei PanAust, hervor. Der Gold-, Silber- und Kupferproduzent mit Sitz in Australien hat 2013 die SAP Business Suite powered by SAP HANA eingeführt und SAP Fiori Apps für verschiedene Szenarien entwickelt. Dadurch hat sich der Bedienkomfort für die Anwender erheblich verbessert. 40 bis 50 Prozent der Mitarbeiter des Unternehmens greifen seither auf das SAP-System nur über die anwenderfreundlichen Fiori Apps zu. „Wir haben keinerlei Schulungen für die Fiori-Anwender durchführen müssen. Dadurch kann man viel Zeit und Geld sparen“, erklärte Hadfield. „SAP HANA hat die Komplexität unserer Landschaft erheblich verringert – denn Vereinfachung ist wichtig.”

In den Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Kundenpräsentationen der Konferenz zeigte sich: Die Unternehmen der Bergbau- und Metallbranche haben sich auf den Weg gemacht und gehen ihren digitalen Wandel aktiv an. Dabei setzen sie insbesondere auf die SAP als Innovationspartner. Wie Emilie Ditton, Associate Research Director Head bei IDC Australia, feststellte: “Die Diskussionen auf dieser Veranstaltung haben gezeigt, wie intensiv sich Bergbauunternehmen mit ihren digitalen Initiativen und ihrer digitalen Transformation befassen und damit, wie sie diese künftig weiter voranbringen. Die Unternehmensplattfom der SAP ist führend in der Bergbaubranche. Deshalb spielen die SAP und ihre Partner eine wichtige Rolle für Unternehmen, wenn es darum geht, ihnen durch die Integration ihrer operativen Anlagen und IT-Systeme zu mehr Transparenz und Kontrolle zu verhelfen.“

Weitere Informationen zum Thema Digitalisierung im Bergbau und der Metallindustrie finden Sie hier (in englischer Sprache).

Foto: Shutterstock

Tags: , , , , ,

Leave a Reply