Internet der Dinge: Der Maschinenflüsterer

22. April 2013 von Uta Spinger 0

container

SAP.info: In der Maschine-zu-Maschine (M2M)-Technologie zur automatisierten Kommunikation zwischen Geräten steckt enormes Potenzial. Die Vorstellung eines Internet der Dinge gibt es jedoch schon länger. Warum ist es plötzlich ein so viel diskutiertes Thema?

Suhas Uliyar: Die Maschine-zu-Maschine (M2M)-Technologie existiert bereits seit Jahren. Die Systeme waren aber auf hochwertige Ressourcen in Wirtschaftszweigen wie der Ölindustrie, dem Transportwesen und der Logistik ausgerichtet. Einige wichtige Trends bewirken nun eine größere Verbreitung von M2M. Die Kosten für Sensoren sind gesunken und durch kostengünstige Funknetzwerke ist die Kommunikation im Internet der Dinge erst technisch machbar. Analysten gehen davon aus, dass bis 2020 rund 50 Milliarden Geräte miteinander vernetzt sein werden.

Es steckt ein gewaltiges Potenzial in der Vernetzung der physischen Welt mit dem Internet. M2M ermöglicht neue Formen der Geschäftsabwicklung wie die dynamische Preisbildung und eine neue Interaktion mit Kunden. Und schließlich bieten erst technische Neuerungen wie SAP HANA die Möglichkeit, die riesigen Datenmengen aus dem Internet der Dinge zu analysieren.

Das Internet der Dinge bewegt die gesamte IT-Branche. Wo steht hier SAP im Vergleich zu anderen Unternehmen?

Grundsätzlich geht es bei allen Begriffen wie vernetzte Gesellschaft, Internet of Everything, SmarterPlanet, vernetzte Wirtschaft um die Vernetzung der physischen Welt mit Personen und Informationen, um neue Einblicke zu gewinnen und neue Interaktionen zu ermöglichen. Das Besondere am SAP-Ansatz ist, dass wir mobile Anwendungen, große Datenmengen und Cloud-Lösungen zusammenführen. Außerdem haben wir langjährige Erfahrung in der Abbildung von Geschäftsprozessen.

Wir haben die große Chance, Endpunkte wie Handys und Tablets über unsere Mobilplattform SAP Afaria sicher zu verwalten. SAP HANA bietet die notwendige Infrastruktur, um die enormen Datenmengen von „intelligenten Dingen“ zu bewältigen und mit Hilfe von Analysen intelligente Entscheidungen zu treffen. Zum Beispiel können intelligente Verkaufsautomaten dadurch selbstständig Waren nachbestellen oder einen Servicetechniker benachrichtigen, wenn die Temperatur steigt und die Waren nicht mehr ausreichend gekühlt werden. Gleichzeitig bietet SAP HANA dem Hersteller weitere Einblicke, um aufgrund von Verhaltensmustern den richtigen Produktmix pro Standort zu ermitteln.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Heimvernetzung und vernetzte Städte

suhas_uliyar_2

Suhas Uliyar, Vice President M2M/Internet of Things Solutions bei SAP. Foto: SAP

Wie könnte sich unser Leben durch Heimvernetzung und vernetzte Städte in Zukunft verändern?

Ich will Ihnen ein Beispiel aus meiner persönlichen Erfahrung nennen: Ich lebe in Seattle und habe häufig Telefonkonferenzen mit Kollegen in Deutschland, manchmal schon um 5 Uhr morgens. Es ist sehr ärgerlich, wenn der Wecker um 4.30 Uhr klingelt und ich feststellen muss, dass die 5-Uhr-Konferenz in der Nacht abgesagt wurde. Wäre es nicht schön, wenn mein Kalender über das Internet mit meinem Wecker synchronisiert und der Kalendereintrag so automatisch gelöscht werden könnte?

Auch im Gesundheitswesen wird das Internet der Dinge von großer Bedeutung sein und Krankenhausaufenthalte verkürzen. Mit Geräten zur Eigenbeobachtung erfassen Patienten wichtige medizinische Messwerte zu Hause, die dann über Funk an einen Server übertragen werden, wo Analysen stattfinden und das Ergebnis an den Arzt gesandt wird. Sobald ein Messwert nicht mehr innerhalb eines festgelegten Bereichs liegt, wird ein Alarm ausgelöst und ein Mitglied des medizinischen Teams benachrichtigt. Wenn die Daten eines solchen Patientennetzwerks langfristig gesammelt werden, kann die Industrie Entscheidungen über die Behandlungsart oder Folgemaßnahmen besser planen. Durch frühzeitige Maßnahmen können somit Gesundheitskosten reduziert werden.

Innovationen in der Automobilbranche wie zum Beispiel vernetzte Autos haben bereits einen entscheidenden Einfluss darauf, wie wir Informationen nutzen, um den Wagen im Straßenverkehr zu steuern. Es gibt auf YouTube ein faszinierendes Video über das selbstfahrende Google Car mit einem blinden Fahrer. Stellen Sie sich vor, was das bedeutet: M2M-Kommunikation kann das Leben von Menschen maßgeblich verändern und sie unabhängiger machen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Chancen in der Geschäftswelt

Worin bestehen die Chancen von M2M in der Wirtschaft?

Für die Wirtschaft ergeben sich gewaltige Chancen zur Erhöhung der Produktivität, Sicherheit und Kostenoptimierung. Aus den gewonnenen Daten können neue Geschäftsmodelle wie dynamische Preisbildung entstehen. Parkhausbetriebe können so je nach Tageszeit und Verkehrsaufkommen oder bei speziellen Veranstaltungen ihre Preise dynamisch anpassen. Ein weiteres Beispiel ist die Autoversicherung. Heute zahlen wir pauschale Versicherungsbeiträge. Versicherer könnten aber Prämien festlegen, die anhand des individuellen Fahrerverhaltens und der gefahrenen Kilometer berechnet werden.

Ein gutes Beispiel ist auch die Versorgungsindustrie, wo wir den Verbraucher mit der Geschäftswelt verbinden. Mit der Analyse von Daten aus intelligenten Stromzählern und Smart Grids können Anbieter den Verbrauchern eine detaillierte Übersicht über Verbrauchsmuster zur Verfügung stellen und Anreize schaffen, elektrische Geräte zu Zeiten eines niedrigeren Tarifs zu nutzen, um so Kosten zu sparen und die Umwelt zu schonen.

Was ist mit dem Partnernetz? Wer muss hier beteiligt sein, damit M2M-Kommunikation realisiert werden kann?

Erst durch das Zusammenspiel verschiedener Akteure lassen sich kostengünstige M2M-Lösungen verwirklichen. Das Partnernetz umfasst Mobilfunkanbieter, Hersteller von Geräten und Sensoren, Anbieter von M2M-Anwendungen und ­Plattformen sowie Systemintegratoren. Wir setzen hier auf geeignete Partnerschaften, damit unsere Kunden von einer einfachen und schnellen Lösung profitieren. Die SAP arbeitet hier mit Ericsson zusammen, um gemeinsam M2M-Lösungen zu vermarkten und Unternehmen eine durchgängige Komplettlösung bereitstellen zu können. Ericsson sorgt für die Gerätezertifizierung, die Verwaltung der Remote-Verbindung und die operativen Supportsysteme für M2M, während SAP die M2M-Plattform und ­Anwendungen zur Verknüpfung der Geräte zur Verfügung stellt und die Datenverarbeitung über SAP HANA und die mobilen Anwendungen verwaltet.

Tags: , , , ,

Leave a Reply