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Internet der Dinge: Vernetzt in die digitale Transformation

19. Oktober 2015 von Andreas Schmitz 0

Günstige, intelligente Sensoren und schnelle Verarbeitung von Daten: Die Voraussetzungen sind geschaffen, um nun Innovationen auf Basis des Internets der Dinge auf den Weg zu bringen.

Es ist noch nicht lange her, da konsolidierte und standardisierte der CIO eines Unternehmens seine IT primär mit dem Ziel, effizienter zu werden und Prozesse zu verbessern. Künftig wird er ein weiteres wichtiges Ziel vor Augen haben: Über das Internet der Dinge Innovationen möglich zu machen – und letztlich die digitale Transformation voran zu bringen. „Das wird nötig sein, um sich vom Wettbewerb abzusetzen“, ist Joseph Houben überzeugt.

Ein sauber aufgestelltes ERP: Voraussetzung für eine Digitalisierungsstrategie

„Dafür sollte zunächst die ERP-Landschaft auf den neuesten Stand gebracht werden und idealerweise einheitliche Prozesse das Unternehmen unterstützen“, nennt der Vice President aus dem Customer & Strategy Office der SAP eine zentrale Voraussetzung für ein funktionsfähiges Internet der Dinge. Unternehmen, die diverse, unterschiedlich implementierte ERP-Systeme im Hause im Einsatz haben bekommen einen „erhöhten Aufwand mit den Schnittstellen“, so Houben. Denn im Vernetzen von Sensor- mit Unternehmensdaten steckt die besondere Kraft des Internets der Dinge.

50 Billionen Sensoren werden nach Analystenprognosen bis zum Jahr 2020 auf den Markt kommen. „Von Kleidung, über Handys, Uhren, Fabriken bis hin zu Windmühlen wird es kaum noch eine Technik geben, die nicht mit Sensoren bestückt sein wird“, sagt der Elektroingenieur, der jahrelang unter anderem bei der Deutschen Bank und im CIO-Office der SAP in der IT gearbeitet hat und nun erstmals die Brücke zwischen beiden Disziplinen schlagen kann.

Das Prinzip des Internets der Dinge

Das Prinzip des Internets der Dinge ist ganz einfach: Ein Sensor vermeldet seine Messdaten, gibt sie an eine Middleware weiter, die ein Standardprotokoll aus den Informationen schreibt. Da die Messdaten von diversen Geräten stammen können, fließen sie in der Regel auf einer Cloud-Plattform zusammen, die die Daten sammelt, verarbeitet und analysiert. Das Ziel der Einbindung von Sensoren ist es, neue Erkenntnisse über bestimmte Abläufe zu gewinnen. Entsprechend kann es wichtig sein, eine direkte Verbindung mit dem ERP herzustellen, „das aus den Informationen Aktionen ableitet“, so Houben. Steht etwa ein Bauteil vor der Ermüdung, sorgt ein „Workflow“ dafür, dass nicht nur der Service-Mitarbeiter darüber informiert wird, sondern dass gleichzeitig das passende Ersatzteil bestellt wird. Ohne die Anbindung an das zentrale ERP des Unternehmens ist das nicht denkbar.

Im Idealfall bringt die Cloud-Plattform bereits Grundfunktionalitäten etwa für vorausschauende Analysen, Ortsinformationen, Schnittstellen für Datenprotokolle für das Internet der Dinge und die schnelle Verarbeitung von Massendaten mit, wie etwa die SAP HANA Cloud Platform für das Internet der Dinge von SAP. Big-Data-Analysen, Standard-Services für das Internet der Dinge, dazu Visualisierungstools: Die Cloud-Plattform ist die Entwicklungsplattform, auf der Unternehmen eigene Tools mit individuellen Funktionen bauen können, die zudem aktuelle Anforderungen an die User Experience erfüllen (über SAP Fiori).

Folgende Beispiele zeigen, wie einfach Ideen sein können, die durch das Internet der Dinge möglich werden und einen geschäftlichen Nutzen bringen:

  • Brauereien: Das Israelische Start-up-Unternehmen Weissbeerger bringt Sensoren an den Zapfhähnen von Biersäulen an. Die Messstreifen registrieren, wie viel Bier in einer Gaststätte getrunken wird. Sobald sich die Bierreserven dem Ende entgegen neigen, bekommt die Brauerei eine Information und kann daraufhin eine neue Lieferung anstoßen.
  • Autoindustrie: In den Fahrzeugen bei BMW und VW messen Sensoren den allgemeinen Zustand des Fahrzeuges. Wenn bestimmte Parameter aus dem Rahmen fallen, bekommt der Service des Autoherstellers eine Information und ein Mitarbeiter ruft den Besitzer des Fahrzeugs an, um mit ihm einen Termin zu vereinbaren.
  • Haushaltswaren: Der Hersteller WMF hat seine Kaffeemaschinen mit Sensoren ausgestattet. In der Cloud analysiert WMF Fehlercodes und informiert den Service automatisch. Künftig ist eine vorausschauende Analyse von Vibrationen des Mahlwerkes denkbar. Vorteil: Der Service kann schon aktiv werden, bevor Bauteile kaputt gehen.

Digitale Transformation: Wie sich die IT schon verändert hat

Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie Cloud-Services die Aufgaben der IT in den Unternehmen verändern: „Vor fünf Jahren ging es in der IT um ERP- und Produktionssysteme, um Netzwerke und PCs“, erinnert sich SAP-Experte Houben, „dann kamen die günstigen und schnellen Cloud-Lösungen, die die Fachbereiche unbedingt haben wollten.“ Viele Unternehmen haben seitdem diverse Cloud-Lösungen im Einsatz, die jedoch isoliert aufgestellt sind und selten End-to-End funktionieren. Künftig – und gerade auch in Hinsicht auf das Internet der Dinge – geht SAP-Experte Houben davon aus, dass eine vollständige Integration der Cloud-Anwendungen immer wichtiger wird, unabhängig, von welchem Hersteller sie kommen. Entsprechendes leistet etwa die SAP HANA Cloud Integration.

Der besondere Reiz am Internet der Dinge liegt für SAP-Manager Houben darin, dass eigentlich jeder sich sein Internet der Dinge selbst bauen kann, ob als Start-up mit der Cloud-Plattform von SAP oder mit der „Lego-Technik“ des Internet-der-Dinge-Zeitalters, dem Raspberry Pi. Diese faustgroße Entwicklungsplatine ist für 35 Euro zu kaufen und ist eine Art Bastelstart für das eigene Internet der Dinge. „Sie ist besonders unter 16- bis 30-jährigen sehr populär“, sagt Houben, der sich selbst gerade überlegt, welche Anwendungen er damit für seine nächsten Segeltörns bauen kann.

Wo das eines Tages hinführen wird? „Wahrscheinlich“, so Houben, „werden bald Maschinen Maschinen erschaffen.“ Ob er das gutheißt? Einen Mensch dazwischen wünscht sich Houben, schon allein aus Sicherheitsgründen, doch klar ist eins: „Das Internet der Dinge hat das Potenzial für die vierte industrielle Revolution.“

Weitere Informationen:

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