CSR: „Es gibt noch so viel zu tun“

Feature | 7. Januar 2011 von Michael Zipf 0

SAP-Nachhaltigkeitsexperte Peter Graf beim Roundtable (Foto: SAP AG)

SAP Chief Sustainability Officer Peter Graf beim Roundtable (Foto: SAP AG)

Herr Graf, seit März 2009 sind Sie Chief Sustainability Officer der SAP. Wie fällt Ihre Zwischenbilanz aus?

Peter Graf: Wir haben bei SAP bereits 2008 begonnen, uns intensiv Gedanken zum Thema Nachhaltigkeit zu machen. Seitdem haben wir viel erreicht. Aber mein Job bringt es mit sich, nie zufrieden zu sein. Es gibt noch so viel zu tun.

Zum Beispiel?

Peter Graf: Zunächst ist es uns 2009 gelungen, unseren Energieverbrauch um 7 Prozent zu senken. Wir haben zudem ein Viertel weniger Papier verbraucht und den Kohlendioxidausstoß um 15 Prozent reduziert. Natürlich spielte da auch die Weltwirtschaftskrise eine Rolle, aber unser

Ziel, mindestens 10 Millionen Euro einzusparen, haben wir mit rund 90 Millionen Euro klar übertroffen. Wir haben erheblich in Telepresence- und Videokonferenz-Technik investiert und tun das weiterhin. Aber mit dem Anziehen der Wirtschaft steigt nun wieder die Zahl der Flüge – für uns der größte Faktor in der CO2-Bilanz. Zudem haben wir es noch nicht geschafft, alle Mitarbeiter auf den Weg zu nachhaltigem Verhalten mitzunehmen.

 

Und wie sieht Ihre Zwischenbilanz hinsichtlich der Rolle der SAP als Anbieter von Nachhaltigkeitslösungen aus?

Peter Graf: Überaus positiv. Wir haben nicht nur Eigenentwicklungen wie Sustainability Performance Management erfolgreich auf den Markt gebracht, sondern unser Portfolio auch durch Übernahmen enorm erweitert. Denken Sie nur an SAP Carbon Impact auf der Grundlage von Clear Standards oder an Lösungen unseres langjährigen Partners TechniData rund um Environment, Health, and Safety.

Mit unserer „Sustainability Map“ geben wir den Kunden einen Überblick über ihre Anforderungen und die entsprechenden SAP-Lösungen.

Dann ist die Botschaft bei den Unternehmen angekommen, dass SAP ihnen helfen kann, nachhaltiger zu wirtschaften?

Peter Graf: Die Unternehmen wissen natürlich, dass sie mit unseren Lösungen ihre Geschäftsprozesse optimieren und so die langfristige Wertschöpfungskette verbessern können. Immer öfter erkennen sie auch, dass Nachhaltigkeit einen wichtigen Teil der Geschäftsprozesse darstellt. SAP entwickelt nun auch hier die entsprechenden Lösungen und liefert damit die Grundlage dafür, dass Unternehmen ihre Wertschöpfungskette nachhaltiger gestalten können. Zusätzlich besitzt SAP reichlich Erfahrung in diesem Bereich und kann daher ihre Kunden auch beraten.

Wir wollen ja mit gutem Beispiel vorangehen. Unsere Erfahrungswerte fließen wiederum in die Entwicklung entsprechender Lösungen ein. Mit unseren in kurzer Zeit zu implementierenden Lösungspaketen inklusive der zugehörigen Services haben wir uns eine hervorragende Ausgangsposition auf diesem riesigen Markt erarbeitet. Und die Unternehmen erkennen das zunehmend.

Welche Anforderungen stellen die Unternehmen an die SAP, welche Trends lassen sich hinsichtlich Nachhaltigkeitslösungen erkennen?

Peter Graf: Deutlich wird, dass vor allem energieintensive Unternehmen enorme Einsparmöglichkeiten sehen und nutzen wollen. Aber auch Handelsunternehmen wie Walmart oder Konsumgüterhersteller wie Coca-Cola haben Nachhaltigkeit als einen der wichtigsten Aspekte ihrer Wertschöpfungskette definiert. Das ist eine langfristige Strategie und damit sicherlich mehr als nur ein Trend. Verstärkt blicken die Firmen nun auf ihre Lieferkette. Hier bestehen einerseits enorme Risiken, andererseits gibt es hier noch ein großes Optimierungspotenzial, das die Firmen in Zusammenarbeit mit ihren Zulieferern schöpfen wollen.

Schließlich wollen die Konsumenten wissen, wie die Produkte entstehen, wo die Rohmaterialien herkommen oder wie die fertigen Produkte transportiert werden.

Wir merken zudem, dass das Triple-Bottom-Line-Denken, bei dem ein Ausgleich zwischen sozialen, ökonomischen und ökologischen Aspekten angestrebt wird, immer mehr in den Unternehmen einkehrt.

 

Wird ein Unternehmen, das sich am Markt behaupten will, am Ende nicht immer den ökonomischen Aspekten Vorrang einräumen?

Peter Graf: Wer langfristig bestehen will, muss Nachhaltigkeit in der Unternehmensstrategie verankern und folglich für einen Ausgleich von Umwelt, Ökonomie und Sozialem sorgen. Fertigt ein Unternehmen beispielsweise ein Produkt im Ausland, und es zeigt sich, dass dieses Produkt von Kindern hergestellt wurde, wird diese Tatsache dem Unternehmen sehr schaden. Auch wenn das Produkt für den Verbraucher viel preiswerter wäre. Die drei genannten Faktoren wären folglich nicht mehr im Einklang. Denn die Kunden identifizieren sich zunehmend mit nachhaltigen Produkten und sozialer Unternehmensführung.

Es gibt einen klaren Business Case für Nachhaltigkeit. Aber wenn rein ökonomische Aspekte im Vordergrund stehen, wenn die Lieferkette nicht entsprechend überwacht wird oder wenn ein Unternehmen die Menschenrechte mit Füßen tritt, wird seine Marke heute einem so hohen Risiko ausgesetzt, dass es betriebswirtschaftlich nicht mehr zu vertreten ist. Rein ökonomische Interessen zu berücksichtigen läuft fast immer nur auf eine kurzfristige Lösung hinaus und endet irgendwann im Desaster.

Den besten Beleg dafür stellt die jüngste Weltwirtschaftskrise dar. Es kann also nicht darum gehen, im nächsten Quartal ohne Rücksicht auf Verluste die höchste Rendite zu erzielen, sondern eine auf langfristigen Gewinn und Nachhaltigkeit ausgerichtete soziale Kultur im Unternehmen zu etablieren.

Und wie schafft man das?

Peter Graf: Ziel muss es sein, alle Mitarbeiter auf der Reise zu mehr Nachhaltigkeit mitzunehmen und ihnen zu vertrauen. Wer nur Vorschriften festsetzt, wird langfristig nichts erreichen. Besser ist es, die Mitarbeiter für diese Thematik zu sensibilisieren, sie einzubinden und ihr Engagement zu würdigen. Nur so lässt sich eine neue und nachhaltige Kultur im Unternehmen etablieren.

Dabei muss die ganze Firma, angefangen beim Vorstandschef, dahinterstehen und den Wandel unterstützen.

5 Tipps: Wie Sie Ihre Nachhaltigkeitsstrategie erfolgreich umsetzen

1.    Sorgen Sie zunächst für Transparenz: Wie nachhaltig wirtschaftet Ihr Unternehmen derzeit?

2.    Führen Sie eine „Materialitätsanalyse“ durch, und finden Sie heraus, welche Aspekte Kunden, Mitarbeiter, Öffentlichkeit und Investoren für wichtig halten und wie sie Ihre Nachhaltigkeitsbemühungen bewerten.

3.    Analysieren Sie und entwickeln Sie die passende Strategie. Dafür müssen Sie möglichst viele Kennzahlen definieren und diese immer wieder messen – nicht nur am Ende des Jahres, denn dann haben Sie viele Einsparmöglichkeiten bereits verschenkt. Lassen Sie dann die Ergebnisse extern überprüfen. Das schafft zusätzliche Objektivität.

4.    Holen Sie zuletzt erneut die Meinung der Anspruchsgruppen ein. Bei Einwänden stehen eventuelle Korrekturen an, oder die Strategie muss komplett neu festgelegt werden.

5.    Diese Schritte stellen einen Zyklus dar, der immer wiederholt werden muss. Nur so können sich Unternehmen dem Zustand der Nachhaltigkeit immer mehr annähern. Und: Machen Sie den ersten Schritt, investieren Sie in Ihre nachhaltige Zukunft!

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