Interview VMware

Feature | 24. August 2009 von Michael Zipf 0

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SAP.info: Herr Herrod, wie können Unternehmen heute von Virtualisierungstechniken profitieren?

Herrod: Durch Virtualisierung lösen wir die tentakel-ähnlichen Verflechtungen zwischen Anwendungen, Middleware und Betriebssystemen, ja sogar bis hin zur Hardware. Diese „unnatürlichen“ Verbindungen werden an der Basis gekappt, so dass sich für Unternehmen größere Spielräume ergeben. Das zahlt sich in vielerlei Hinsicht aus. Ein gutes Beispiel sind Firmenübernahmen. Die Infrastruktur des übernommenen Rechenzentrums wird einfach auf virtuelle Rechner übertragen und dann in das neue Rechenzentrum integriert. Gerade in diesem Bereich konnten unsere Kunden enorm profitieren. So ist es möglich, die Integration der neuen Rechenzentren in nur wenigen Tagen abzuwickeln – statt wie so oft in mehreren Monaten.

SAP.info: Und damit sind wir schon bei den Kosteneinsparungen…

Herrod: Genau. Unser Ziel ist es, IT-Kosten so umzuschichten, dass sie den Unternehmen Wettbewerbsvorteile erschließen. Denn momentan fließen sie zum Großteil lediglich in die Aufrechterhaltung des IT-Betriebs. In einem klassischen IT-Budget werden mindestens 70 Prozent auf Bereiche verwendet, die dem Unternehmen keinerlei Differenzierung ermöglichen. Anders mit unseren Lösungen: Wir unterstützen Firmen dabei, ihre IT-Investitionen verstärkt zur Entwicklung innovativer Anwendungen zu nutzen, mit denen sie neue Umsatzquellen oder Wettbewerbsvorteile erzielen. Es geht um mehr als Kostensparen; wir setzen auf eine strategische Architektur, mit der Unternehmen ihre Investitionen gewinnbringend einsetzen können.

SAP.info: Wie profitieren SAP-Kunden hiervon?

Herrod: Der Virtualisierungstrend birgt für SAP-Kunden beträchtliche Vorteile. Deshalb ist es so wichtig, dass sich auch die SAP hier bereits stark engagiert. SAP-Kunden arbeiten oft mit sehr komplexen Installationen und haben hohe Ansprüche hinsichtlich Verfügbarkeit und Leistung. Umfassende Virtualisierung wird meiner Meinung nach sowohl der SAP selbst als auch ihren Kunden großen Nutzen bringen.

SAP.info: Was bedeutet Virtualisierung für Unternehmen, die ihre Green-IT-Bilanz verbessern wollen?

Herrod: Was die CO2-Bilanz angeht: Jeder Server, der wegfällt, entspricht eineinhalb Autos, die von der Straße genommen, oder 55 Bäumen, die neu gepflanzt werden. Ein weiteres Beispiel: Würden alle Kunden unsere neue Funktion „Distributed Power Management“ nutzen, könnten wir schätzungsweise durch diese Einsparungen ganz Dänemark zehn Tage lang mit Strom versorgen. Allein diese Beispiele zeigen schon, für wie viel des weltweiten Energieverbrauchs Rechenzentren verantwortlich sind – und welche Effizienzgewinne sich hier noch realisieren lassen.

SAP.info: Sie haben gerade vSphere auf den Markt gebracht und nennen es das „erste Cloud-Betriebssystem für Unternehmen“. Was meinen Sie damit?

Herrod: Wir versuchen, die Funktionen von Cloud Computing auf den lokalen Betrieb im Unternehmen zu übertragen, das heißt, wir ermöglichen die gleichen effizienten und skalierbaren Prozesse. Das Besondere an vSphere ist, dass es Kunden erlaubt, mit externen Rechenzentren zu arbeiten, ohne dabei Kompromisse eingehen zu müssen. Etwa die Anpassung der eigenen Anwendungen: Wer heute auf ein Software-as-a-Service-Modell, eine Google-App-Engine oder eine der gängigen Clouds umsteigen will, muss seine Anwendungen entsprechend ummodellieren. Verständlich, dass die Kunden hier zögern.

SAP.info: Mit welchen Herausforderungen müssen Kunden rechnen, die sich für ein Virtualisierungskonzept entscheiden?

Herrod: Vor einer umfassenden Virtualisierung sind in einem Unternehmen oft kulturelle und organisatorische Probleme zu lösen. Wir leben in einer Welt, in der Netzwerke, Speicher und Datenverarbeitung immer mehr verschmelzen; zuweilen gibt es aber Unternehmensbereiche, die nicht im erforderlichen Maße interagieren. Deshalb engagieren wir uns sehr dafür, dass die Kooperation innerhalb des Unternehmens stimmt.

SAP.info: Es gibt heute die verschiedensten Einsatzmodelle: On-Premise, On-Demand, Software-as-a-Service, Cloud Computing … Wie sieht Ihre Zukunftsprognose aus?

Herrod: Sie können Rechenzentren heute auf die unterschiedlichsten Arten effizient betreiben, im eigenen Unternehmen oder extern. Das ist wichtig für die Steuerung und Datensicherheit; ebenso wichtig aber auch für laufende Innovation und die Entwicklung marktführender Lösungen. Deshalb glaube ich fest an eine Zukunft, in der viele Unternehmen ihre Rechenzentren in einer Art Cloud betreiben werden.

Durch Virtualisierung können wir diese Rechenzentren miteinander verbinden und ihnen interessante und einfache Kooperationsmöglichkeiten eröffnen. Im Bereich Desaster Recovery geschieht dies bereits heute. Mit unseren Serviceanbietern versuchen wir, Rechenzentren und Clouds noch stärker zu verknüpfen.

SAP.info: Beim Thema Virtualisierung denken die meisten Unternehmen an Rechenzentren. Wie stehen Sie zur Desktop-Virtualisierung?

Herrod: Hier ist eine stille, doch schnelle Revolution im Gange, die vermehrt auf personen- statt gerätegebundene Desktops setzt. Denn Geräte werden immer wieder ausgetauscht, Menschen im Idealfall nicht. Deshalb suchen wir nach Wegen, unsere Anwendungen mit einem personalisierten Betriebssystem auszustatten, Schnittstellen zu SAP eingeschlossen. Unser Ziel sind zentral verwaltete Desktops, die zum einen den Firmenrichtlinien unterliegen, zum anderen aber uneingeschränkt mit den erforderlichen Anwendungen und Medienformaten eingesetzt werden können. Mit anderen Worten: Uns schweben virtuelle Desktops mit einer optimalen Arbeitsumgebung vor.

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