Intuitiv bedienbare Frontends ohne Programmieraufwand

Feature | 22. August 2005 von admin 0

Auf der Sapphire ’05 in Kopenhagen haben SAP und Macromedia angekündigt, SAP NetWeaver um das Macromedia Flex Application Framework zu erweitern. Diese Technologie hilft Unternehmen, intuitive Benutzeroberflächen für SAP-Lösungen und kundenspezifische Internetanwendungen auf Basis des SAP NetWeaver Portal zu erstellen. Das Macromedia Flex Application Framework basiert auf offenen Standards und ermöglicht die Erstellung von so genannten Rich Internet Applications (RIA) – clientseitigen Anwendungsdialogen, die in einem Webbrowser oder auch als Stand-alone-Applikationen laufen. Ereignisverarbeitung und Kontrolle erfolgen bei RIA ausschließlich auf dem Desktop, das Backend wird nur bei Datenänderungen angesprochen. Die mit dem Flex-Framework entwickelten Anwendungen, beispielsweise Dashboards zur Visualisierung von großen Datenmengen aus einer SAP-Lösung, benutzen den weit verbreiteten Flash Player zur Darstellung. Dadurch benötigen sie ein geringeres Übertragungsvolumen, bieten mehr Funktionalität und laufen auf allen gängigen Server- und Desktop-Betriebssystemen.

Zero-Programming-Paradigmen

Zero-Programming-Paradigmen

Mit dem SAP NetWeaver Visual Composer lassen sich auch Anwendungen in Flussdiagrammen entwerfen, die die Interaktivität und Vielseitigkeit von Desktop-Software mit der Integrationstiefe von SAP-Unternehmenslösungen verbinden (Composite Applications). Es handelt sich um so genannte “Zero-Footprint”-Applikationen, die nicht eigens auf dem Clientsystem installiert werden müssen und weder Templates noch Cookies auf dem Desktop hinterlassen. Auf Basis so genannter Zero-Programming-Paradigmen generiert der Flex-Server über den Flash Player eine Benutzeroberfläche, die auf die Daten des Backends zugreift – ganz ohne Programmieraufwand. Schon die nächste Version des SAP NetWeaver Visual Composer wird diese Flex-Technologie enthalten und somit allen SAP-NetWeaver-Kunden zur Verfügung stehen.

Flussdiagramm

Flussdiagramm

Flex wurde in erster Linie für webfähige Applikationen entwickelt. Seine Stärken liegen bei Anwendungen, die mehrstufige Prozesse beinhalten oder die zur Laufzeit eine Validierung oder Datenvisualisierung auf der Client-Seite erfordern. Hierzu zählen Online-Shops, Reservierungs- oder Bestellsysteme oder Produktkonfiguratoren, aber auch Dashboards, CRM-Systeme oder Content-Portale. Der entscheidende Unterschied zu Web-Lösungen auf HTML-Basis besteht darin, dass die Flex-Anwendung – abgesehen von wenigen Daten – nur einmal komplett an den Client übertragen wird. Alle maßgeblichen Prozesse werden dann vom Client durchgeführt. Dadurch erübrigen sich ständige Serveranfragen, wenn weitere Webseiten aufgerufen werden.

Serverkommunikation auf mehreren Wegen

Wird eine Anwendung über einen Webbrowser geöffnet, wird sie zunächst vom Flex-Server in das Macromedia-Fomat SWF (Small Web Format) kompiliert, an den Nutzer zurückgesendet und in der Flash-Player-Umgebung des Client ausgeführt. Die meisten Flex-Applikationen haben lediglich eine Größe von 150 bis 200 k. Diese kompilierten Anwendungen kommunizieren nun mit dem Flex-Server. Mit dem Backend tauschen sie nur bei Bedarf Daten aus. Dies geschieht in der Regel seltener als bei herkömmlichen Webanwendungen und belastet den Prozessor weniger, denn alle Design-, Layout- und Prozessdefinitionen wurden bereits mit der kompilierten Applikation übergeben und müssen deshalb nicht mehr jeweils neu geladen werden.
Flex-Anwendungen können auf drei verschiedenen Wegen mit dem Server kommunizieren: über das Protokoll SOAP, die Markup-Sprache XML oder über das Action Message Format (AMF), ein von Macromedia in den Player integriertes Übertragungsprotokoll. Ihre Aufgabe ist die Verbindung einer Flash-Applikation mit dem verwendeten Web Application Server. Flex ist in der Präsentationsschicht dem Frontend zuzuordnen, während die Business-, die Integrations- und die Resource-Schicht wie gewohnt das Backend darstellen. Fragt die Anwendung nun Daten an, leitet der Flex-Server diese Anfrage über den Anwendungsserver ans Backend weiter und führt das Anfrageergebnis an den Client zurück. Der Flex-Server stellt die benötigten Laufzeit-Services bereit. Er lässt sich sowohl auf J2EE- wie auf .NET-Plattformen installieren.
Anwendungen unter Flex werden in einer Kombination aus den Macromedia-Programmiersprachen MXML und ActionScript 2.0 geschrieben. Genau wie HTML ist MXML eine Markup-Sprache zur Beschreibung von Benutzeroberflächen, auf denen Inhalte dargestellt und Funktionen ausgeführt werden können. Anders als HTML bietet MXML jedoch eine deklarative Syntax für die Präsentationsschicht und die Verknüpfungen zwischen der Benutzeroberfläche und den Daten auf dem Server. Durch die sorgfältige Trennung von Präsentationsschicht und Geschäftslogik gewährleistet MXML eine möglichst produktive Entwicklung und vor allem die Wiederverwendbarkeit von Anwendungen.
Während sich mit MXML der Aufbau und die Elemente einer Anwendungsoberfläche, aber auch Datenmodelle und -verbindungen zwischen diesen Elementen und der Benutzeroberfläche definieren lassen, erfüllt ActionScript 2.0 einen anderen Zweck. Diese Sprache basiert auf dem JavaScript Standard (ECMA Script-Profil 262 Edition 4) und eignet sich dafür, die Anwendungslogik auf Client-Seite, etwa Methoden, Ereignisbehandlung oder MXML-Komponenten, zu beschreiben. Die so genannte “Klassenbibliothek” des Flex-Anwendungsrahmens erlaubt es, einfach zu bedienende Benutzeroberflächen und Komponenten zu erstellen oder diese um neue Eigenschaften und Methoden zu erweitern. Die “Bibliothek” umfasst Container, Steuerelemente, Datenverknüpfungen und andere Funktionen.

Integration in den SAP NetWeaver Visual Composer

Statischer BI-Report als HTML-basiertes iView

Statischer BI-Report als HTML-basiertes iView

Der SAP NetWeaver Web Application Server (SAP NetWeaver Web AS) ermöglicht es, Erweiterungen und Anwendungen für SAP auf der Javaplattform J2EE 1.3 zu erstellen. Hier setzt der Flex-Server mit der Erstellung Browser-basierter Zero-Footprint-Anwendungen auf. Das Backend einschließlich der Anwendungs- und Datenbankserver sowie der gesamten Business-Logik bleibt davon unberührt, denn der Flex-Server arbeitet ausschließlich in der Präsentationsschicht. Muss er doch auf Daten aus dem Backend zurückgreifen, verändert er die bestehenden Backend-Schichten dabei nicht.

Dynamischer BI-Report als Flex-basiertes iView

Dynamischer BI-Report als Flex-basiertes iView

“Mit der Enterprise Services Architecture in Kombination mit SAP NetWeaver und Flex kann die Akzeptanz und Nutzung von SAP-Lösungen bei den Unternehmen und ihren Kunden erhöht werden – ohne zusätzlichen Trainingsaufwand oder Kosten”, erklärt Stephen Elop, CEO von Macromedia. Vor allem in der neuen Business-Intelligence-(BI)-Lösung SAP Analytics wird diese Technologie zum Einsatz kommen. Mit dem Flex-Server entwickelte SAP-Analyse-Anwendungen können nicht nur BI-Daten in Echtzeit visualisieren, sondern daraus auch interaktiv detaillierte Vergleiche und Auswertungen erstellen. Die NetWeaver-Partner der SAP sind gerade dabei, eine Bibliothek aus vordefinierten Abfragen und analytischen Anwendungen anzulegen, die später allen Kunden zugute kommen soll. Bisher wurden bereits über 200 verschiedene Abfragen mit animierten, grafischen Darstellungen für rund 25 Branchen entwickelt.

Jörg Abrolat

Jörg Abrolat

Sven Claar

Sven Claar

Tags:

Leave a Reply