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Industrie 4.0 braucht internationale Standards

22. September 2016 von Elisabeth Peternek 19

SAP und Bosch schließen sich zusammen, um die Basis für einen flächendeckenden Einsatz von IoT- und Industrie 4.0-Lösungen zu schaffen. Diese Basis bilden internationale Standards und Open-Source-Lösungen.

Das Internet der Dinge ist in die Fabrik und das Lager eingezogen. Die vierte industrielle Revolution ist nicht mehr nur ein Hype, sondern längst Realität. Sie wandelt die Produktionslogik und fordert die Geschäftsmodelle vieler Unternehmen heraus. Aus Wertschöpfungsketten werden Wertschöpfungsnetzwerke, intelligente Produkte werden zu Plattformen für innovative Dienstleistungen, Produktionsprozesse werden in Echtzeit optimiert. Gleichzeitig ist die globale Wirtschaft vernetzter denn je. Cisco sagt voraus, dass bis 2020 25 Milliarden Geräte mit dem Internet verbunden sein werden. Umso wichtiger ist es, internationale Standards für das Industrial Internet of Things (IIoT) zu entwickeln. Ein Szenario aus einer realen Testumgebung:

„Track & Trace“

Das Bosch-Startup Zeno Track stattet Gabelstapler mit Sensoren aus. Diese sammeln Batteriedaten, messen die Höhe der Gabel oder das Gewicht der Waren. Um den Betrieb zu optimieren und die Sicherheit zu verbessern, sind zwei weitere Informationen notwendig: Die genaue Position des Gabelstaplers im Warehouse in Echtzeit und ein smarter Schocksensor. Erst die Verknüpfung der Informationen liefert dem Kunden einen Mehrwert: In dem Moment, in dem der Gabelstapler einen Unfall verursacht, wird der Fuhrparkmanager über den Vorfall informiert. Im Falle eines Personenschadens, kann er sofort Erste-Hilfe leisten. Das Szenario kombiniert die Bosch IoT Cloud mit dem SAP Flottenmanagementsystems Vehicle Insights. Die Zukunftsvision: Gabelstapler sollen bereits mit Sensoren ausgerüstet aus der Produktion kommen.
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Joint IIC and PI4.0 Forum and Workshop

Damit dies möglich ist, braucht es technische Standards. Bereits im März gaben SAP und Bosch ihre Partnerschaft bekannt, um zusammen mit der von der Bundesregierung, Wissenschaft und Unternehmen getragenen Initiative „Plattform Industrie 4.0“ (PI4.0) und der Organisation „Industrial Internet Consortium“ (IIC) internationale Standards für das Internet der Dinge (IoT) zu entwickeln. Die Zusammenarbeit soll in allen relevanten Bereichen wie Architektur, Sicherheit, Standardisierung, Rechtsrahmen und Forschung stattfinden.
In diesem Rahmen fand vom 19. bis 22. September zum ersten Mal die vierteljährliche IIC-Mitgliederversammlung auf deutschem Boden statt. Ein besonderer Höhepunkt der Veranstaltung war ein gemeinsames Forum und Workshops mit der PI4.0. am 21. September in Walldorf/Rot. Am Vormittag referierten Bernd Leukert, Mitglied des Vorstands der SAP, und Bosch-Chef Dr. Volkmar Denner über die Wichtigkeit und Rolle weltweiter Standards für das Industrielle Internet der Dinge (IIoT) und die Steuerung der Wertschöpfungskette.

IIoT-Lösungen müssen frei zugänglich sein

Bernd Leukert sieht die Rolle von SAP als Berater und zuverlässigen Partner für seine Kunden bei der digitalen Transformation. Als Branchenführer sei es die Aufgabe, eine effiziente Basis für kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) zu schaffen, die sich komplexe und teure Lösungen nicht leisten können, damit sie ebenfalls vom IIoT profitieren. Die Entwicklung von Standards sei nur über einen pragmatischen Ansatz möglich. „Als Standard setzt sich durch, was von der Gemeinschaft angenommen wird“, ergänzt Dr. Richard Soley, Präsident des IIC. „Wenn die Standards niemand nutzt, interessieren sie niemanden. Deshalb haben wir so eine enge Zusammenarbeit mit der Plattform Industrie 4.0, weil ihre Leitlinien genutzt werden.“

„Wenn unser Produkt heute die Fabrik verlässt, hatten wir bisher keine Ahnung über seine Nutzung beim Kunden und seinen weiteren Lebenszyklus“, erklärt Dr. Volkmar Denner, Vorstandsvorsitzender Robert Bosch GmbH, in seinem Vortrag. Das IIoT werde diese Wertschöpfungskette verändern: Das Unternehmen sammelt nun auch nach der Auslieferung Daten über das Produkt, wie es eingesetzt wird, ob es Ausfallzeiten gibt und kann so weitere Services anbieten sowie zukünftige Produkte optimieren. Denner betont die Wichtigkeit von sogenannten Testbeds, um neue Produkte zu validieren, Netzwerke zu schaffen und Best Practices zu etablieren.

Menschen weiter im Mittelpunkt

Wie sieht das Internet 5.0 aus? Henning Kagermann, Präsident acatech, prophezeit Personalisierung als Dreh- und Angelpunkt. Die Beziehung zwischen Mensch und Maschine ist eine Herausforderung, die so früh wie möglich beantwortet werden müsse. Momentan werden Maschinen häufig als Bedrohung für Arbeitsplätze wahrgenommen. Es sei wichtig, Menschen von den Chancen der Automatisierung zu überzeugen. Roboter der nächsten Generation sollen mit Menschen Hand-in-Hand arbeiten und somit z. B. älteren Menschen helfen ihre Arbeit zu tun.

Die zweite Tageshälfte des Forums war reserviert für gemeinsame Arbeitsgruppen zu den Themen Security, Architektur, Lifecycle von Produkten und Produktionssystemen, Standardisierung und die Zusammenarbeit zwischen IIC, Plattform Industrie 4.0 bei Testprojekten. Das Ziel: Ziele und Roadmaps für die weitere Zusammenarbeit entwickeln und konkrete nächste Schritte definieren.

Das Forum schloss mit einer Rede des EU-Kommissars Guenther Oettinger über das industrielle Internet der Dinge und die transatlantische Beziehungen. Er betonte die Wichtigkeit einer Kooperation wie dem IIC und der Plattform Industrie 4.0, um einer wachsenden Unsicherheit der Märkte entgegenzuwirken. Gleichzeitig fordert er ein stärkeres Engagement der Industrie, bspw. mehr Pilotprogramme oder Testumgebungen umzusetzen. Gremien wie die Alliance for Internet of Things Innovation (AIOTI) der Europäischen Kommission seien auf das Fachwissen der Industrieexperten angewiesen, um mit ihnen gemeinsam über die globale Etablierung von Standards voranzutreiben.

 

Die Plattform Industrie 4.0 ist ein Gemeinschaftsprojekt der deutschen Wirtschaftsverbände BITKOM, VDMA und ZVEI zur Weiterentwicklung und Umsetzung der Industrie 4.0 der Hightech-Strategie der Bundesregierung, dessen Beginn auf der Hannover Messe 2013 bekannt gegeben wurde. Derzeitiger Leiter der Geschäftsstelle ist Henning Banthien, IFOK.

Das Industrial Internet Consortium (IIC) ist ein globaler Verbund von 250 Unternehmen und Universitäten, der den Einsatz des Internet der Dinge unter anderem in der industriellen Produktion vorantreiben möchte. Das Consortium bringt Führungskräfte, Entrepreneure und Wissenschaftler zu Diskussionen zusammen und tauscht und erarbeitet Best Practices aus. Das IIC wurde im März 2014 von AT&T, Cisco, GE, IBM und Intel gegründet

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