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Internet of Things im Hamburger Hafen

28. Mai 2015 von Andreas Schmitz 0

Dreieinhalb Jahre lang feilte die Hamburg Port Authority (HPA) zusammen mit SAP, T-Systems und Dakosy an der Technologie und testete den Piloten. Seit November 2014 lassen sich Services auf der IoT-Plattform smartPORT logistics buchen.

Es ist ein Ansturm an Lieferungen, der täglich im Hamburger Hafen eintrifft. Bis zu 8.000 LKWs sind Tag für Tag auf dem Hafengelände unterwegs, um Container zu bringen oder abzuholen. Je schneller sie dies erledigen, umso besser ist es für den Hamburger Hafen. Denn der steht vor einer immensen Herausforderung: Bis 2025 ist die Hamburg Port Authority (HPA) vorbereitet auf einen Umschlag von 18 Millionen Containern pro Jahr einen Anstieg auf das Doppelte gegenüber den neun Millionen Containern, die im vergangenen Jahr umgeschlagen wurden. Mehr als 15.000 LKWs werden sich dann voraussichtlich ihren Weg durch das Straßennetz im Hafen bahnen müssen. Allerdings ist die Fläche von etwa 7.200 Hektar, auf der diese Geschäfte abgewickelt werden, begrenzt. „Deshalb müssen wir die bestehende Infrastruktur effizient und intelligent nutzen“, fasst Sascha Westermann, IT-Verkehrsstratege im Hamburger Hafen und Leiter des intermodalen operativen Verkehrsmanagement der HPA, seine Mission für die nächsten Jahre zusammen.

Schneller dank Tablets für LKW-Fahrer

Die technische Lösung heißt smartPORT logistics (SPL) und ist eine Koproduktion zwischen SAP, die mit der SAP HANA Cloud-Plattform eine Echtzeittechnologie zur Verfügung stellt, der Deutschen Telekom, die für die Anbindung der Telematiksysteme zuständig ist, und dem Logistikexperten Dakosy. Seit November letzten Jahres können Interessenten etwa den Service „Flottenmanagement“ und andere Services buchen. Spediteure bezahlen monatlich je nach Leistung einen Tarif und bekommen dafür Transparenz darüber, wann ihre LKWs am Containerterminal ankommen.

LKW-Fahrer erfahren über ihre Tablets, wie sie am besten fahren sollten – ohne Staus und mit möglichst wenigen Wartezeiten. Viermal im Jahr wird es neue Releases der Software geben. „Mit der neuen Softwareversion, die Ende Mai ansteht, werden wir noch breiter an die Masse gehen“, erläutert Westermann in der Hoffnung, den Kundenstamm weiter ausbauen zu können. Grafik: T-Systems

LKW-Fahrer erfahren über ihre Tablets, wie sie am besten fahren sollten – ohne Staus und möglichst ohne Wartezeiten. Viermal im Jahr wird es neue Releases der Software geben. „Mit der neuen Softwareversion, die Ende Mai ansteht, werden wir noch breiter an die Masse gehen“, erläutert Westermann von der HPA in der Hoffnung, den Kundenstamm weiter ausbauen zu können. Grafik: T-Systems

LKW-Fahrer erfahren über ihre Tablets, wie sie am besten fahren sollten – ohne Staus und mit möglichst wenigen Wartezeiten. Viermal im Jahr wird es neue Releases der Software geben. „Mit der neuen Softwareversion, die Ende Mai ansteht, werden wir noch breiter an die Masse gehen“, erläutert Westermann in der Hoffnung, den Kundenstamm weiter ausbauen zu können.

Die Plattform smartPORT logistics sammelt Daten – Standortpositionen von LKWs, freie Parkplätze, den Status an Terminals, Staumeldungen, Informationen über hochgezogene Brücken und Unfälle. Der Port Road Manager der HPA kennt die gesamte Verkehrssituation im Hafen und hat den besten Überblick. Disponent, Parkraumbetreiber und Spediteur erhalten je nach Rolle einen individualisierten Zugriff auf die Plattform und somit nur die für sie relevanten Informationen. Für LKW-Fahrer ist es beispielsweise möglich, dass sie – sobald sie so genannte Geofences passieren – Informationen auf ihrem Tablet angezeigt bekommen, die ausschließlich für Fahrer bestimmt sind, die sich in einem bestimmten Raum aufhalten. Der Disponent sieht den jeweiligen Standort seiner Flotte auf dem Bildschirm und bekommt über eine SAP-Fiori-Oberfläche ausschließlich für ihn bestimmte Informationen. Letztlich profitiert jeder davon: Der LKW-Fahrer, der schneller sein Ziel erreicht und fünf bis zehn Fahrminuten pro Tour einspart, dessen Chef, der Disponent, der mehr Ware abgeholt bzw. ausgeliefert bekommt und der Port Road Manager, der nicht zuletzt aufgrund der In-Memory-Technologie SAP HANA den Verkehr weitaus schneller analysieren kann als bisher.

Vom EU-Projekt zum erfolgreichen Business-Case

„Heute ist klar, dass SPL geschäftliche Vorteile bringt“, erläutert Westermann, der sich noch an die ersten Schritte vor vier Jahren erinnern kann. Stakeholder haben sich direkt nach dem Start in 2011 gefunden und das Produkt hat inzwischen selbst internationale Interessenten. Zunächst einmal geht es Westermann jedoch um den Hafen in der Hansestadt, zumal im Juni die Welthafenkonferenz in Hamburg ansteht, einem Podium für Innovationen im Hafen-Business. Speditionen und Parkplatzbetreiber sind von Beginn an beim Projekt mit dabei. Inzwischen haben sich Containerterminalbetreiber angeschlossen, Chassis- und Leercontainerdepotvermieter befinden sich in Verhandlungen. Klar ist: Je mehr Beteiligte das System aktiv nutzen, desto besser kann das Potenzial von SPL ausgeschöpft, Lkw-Wartezeiten reduzieren und Staus im Hafen vermieden werden.

Bildquelle: Shutterstock

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